Wei­ßer Hai vor Mallor­ca

For­schungs­ex­pe­di­ti­on ent­deckt un­weit der spa­ni­schen Fe­ri­en­in­sel ein fünf Me­ter lan­ges Ex­em­plar

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Aus Aller Welt - Von Emi­lio Rap­pold

Palma de Mallor­ca. Erst vor we­ni­gen Wo­chen hat ei­ne gif­ti­ge Qual­le auf Mallor­ca Wir­bel aus­ge­löst. Und nun das: Un­weit der In­sel taucht ein Wei­ßer Hai auf.

Die Wis­sen­schaft­ler trau­ten ih­ren Au­gen nicht. Un­weit der spa­ni­schen Ur­laubs­in­sel Mallor­ca ist ei­ner For­schungs­ex­pe­di­ti­on die ers­te nach­weis­ba­re Sich­tung ei­nes Wei­ßen Hais in die­ser Mit­tel­meer­re­gi­on seit mehr als 30 Jah­ren ge­lun­gen. „Wir wa­ren aus dem Häu­schen“, sag­te der Zoo­lo­ge und Na­tur­fil­mer Fer­nan­do López-Mi­ro­nes am Frei­tag auf dem For­schungs­se­gel­schiff „Töf­te­vaag“.

Trotz Tem­pe­ra­tu­ren um die 30 Grad be­kom­men un­ter­des­sen ei­ni­ge Tou­ris­ten auf Mallor­ca an­ge­sichts der sen­sa­tio­nel­len Nach­richt das kal­te Grau­sen. Das Tier soll nach An­ga­ben des Mee­res­for­schungs­zen­trums Al­ni­tak im­mer­hin fünf Me­ter lang sein. „Ich ha­be kei­ne Angst, aber mei­ne Frau wird nur noch bis zu den Knö­cheln ins Was­ser ge­hen“, sagt ein 44-jäh­ri­ger Deut­scher, der am „Bal­ler­mann“den Ur­laub ge­nießt.

Bei den so­zia­len Netz­wer­ken lie­ßen die Re­ak­tio­nen in Spa­ni­en und auch in Deutsch­land nicht auf sich war­ten. „Da­mit wä­re dann Mallor­ca von der Lis­te mei­ner Rei­se­zie­le ge­stri­chen“, kom­men­tiert ein User die Nach­richt. Ex­per­ten wei­sen al­le Be­fürch­tun­gen von Ba­de­gäs­ten je­doch ve­he­ment zu­rück.

Der 54-jäh­ri­ge López-Mi­ro­nes sagt: „Zu Atta­cken auf Men­schen kommt es äu­ßerst sel­ten, et­wa dann, wenn ein Hai sei­ne Beu­te

ver­wech­selt und Sur­fer auf Bret­tern für Rob­ben hält.“In die­sel­be Ker­be schlägt An­to­ni Grau, Lei­ter der Fi­sche­rei­di­rek­ti­on der Ba­lea­ren: „Haie nä­hern sich nicht dem Strand. Wenn sie das tun, dann nur, weil sie krank sind. Dann grei­fen sie auch nicht an.“Es ge­be sehr viel Falsch­in­for­ma­ti­on. „Die Ka­ri­bik et­wa ist vol­ler Haie, und Zwi­schen­fäl­le gibt es dort ja kaum.“

Ei­ne be­son­de­re Sicht der Din­ge hat Frie­de­ri­ke Kre­mer­Ob­rock

von Shark­pro­ject Ger­ma­ny. „Nicht der Hai ist das Pro­blem, der Mensch ist das Pro­blem“, meint sie. Der Mensch tö­te je­des Jahr bis zu 100 Mil­lio­nen Haie. Haie sei­en in­tel­li­gen­te Tie­re, „die sich nor­ma­ler­wei­se vom Men­schen fern­hal­ten“.

Erst vor we­ni­gen Wo­chen hat­te ein ganz an­de­res Tier auf Mallor­ca Wir­bel aus­ge­löst. Auf­grund der gif­ti­gen Qual­len­art Por­tu­gie­si­sche Ga­lee­re wur­den da­mals so­gar kur­ze Ba­de­ver­bo­te ver­hängt.

Schnell war die Qual­le ver­ges­sen. Al­les deu­tet nun in der Tat dar­auf­hin, dass der Hai ei­ne noch ge­rin­ge­re Ge­fahr dar­stellt. Zu­mal das Tier am Don­ners­tag rund acht See­mei­len – knapp 15 Ki­lo­me­ter – süd­lich der klei­nen Ba­lea­ren-In­sel Ca­bre­ra ent­deckt wur­de. Die Ent­fer­nung vom Sich­tungs­ort zur Süd­küs­te Mallor­cas be­trägt rund 35 Ki­lo­me­ter. Bis zur Amü­sier­mei­le „Bal­ler­mann“sind es so­gar mehr als 50 Ki­lo­me­ter.

Wäh­rend ei­ni­ge Ba­de­gäs­te trotz­dem zit­tern, ju­beln die Um­welt­schüt­zer. „Das ist ei­ne tol­le Nach­richt, ein Hoff­nungs­strahl für das Mit­tel­meer“, sagt Grau. Es be­deu­te näm­lich, dass die Haie im Meer vor den Ba­lea­ren wie­der Nah­rung fin­den: Ro­ter Thun­fisch, Mee­res­schild­krö­ten und vi­el­leicht so­gar die vom Auss­ter­ben stark be­droh­te Mit­tel­meer-Mönchs­rob­be.

Man wis­se, dass es vor 60 oder 70 Jah­ren im Was­ser um die Ba­lea­ren „sehr, sehr vie­le die­ser Tie­re ge­ge­ben“ha­be, er­läu­tert Grau. Nach Be­ginn der In­dus­trie­fi­sche­rei sei­en sie aber ir­gend­wann völ­lig ver­schwun­den. Da­bei sei­en Haie „un­er­läss­lich“für das öko­lo­gi­sche Gleich­ge­wicht im Mit­tel­meer. (dpa)

Fo­to: dpa/Meeresforschungszentrum Al­ni­tak

Der Be­weis: Die­ses vom spa­ni­schen Meeresforschungszentrum Al­ni­tak zu Ver­fü­gung ge­stell­te Fo­to zeigt ei­nen Wei­ßen Hai in der Nä­he der Ba­lea­ren­in­sel Ca­bre­ra.

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