„Das Land ist im Glück“

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Axel Vo­gel über ei­nen Re­kord­haus­halt und man­geln­den Spar­wil­len

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Aus Aller Welt - Ma­thi­aS hauS­Ding,

In Bran­den­burg herrscht Per­so­nal­man­gel bei der Jus­tiz und in der Bil­dung. Der Dop­pel­haus­halt 2019/20 soll Ab­hil­fe schaf­fen. In der kom­men­den Wo­che wird der Ent­wurf vor­ge­stellt. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Axel Vo­gel er­klärt im Ge­spräch mit

wor­auf beim Geld­aus­ge­ben zu ach­ten ist.

Herr Vo­gel, das Land steht er­neut vor ei­nem Re­kord­haus­halt. Ge­plant wird mit ins­ge­samt 24 Mil­li­ar­den Eu­ro für 2019 und 2020. Be­nei­den Sie den Fi­nanz­mi­nis­ter, dass er das Geld mit vol­len Hän­den aus­ge­ben kann?

Das Land ist in der Tat im Glück. Ge­gen­über den Er­war­tun­gen von 2009, als für 2019 ein Schrump­fen des Haus­halts auf 7,5 Mil­li­ar­den Eu­ro pro­gnos­ti­ziert wur­de, sind je­weils rund 12 Mil­li­ar­den Eu­ro für die kom­men­den zwei Jah­re viel Geld. Wir le­ben hier ein Stück weit auf ei­ner In­sel der Glück­se­li­gen.

Nach jah­re­lan­gem In­ves­ti­ti­ons­stau soll nun mehr Geld in den Jus­tiz­be­reich flie­ßen, in zu­sätz­li­che Leh­rer und die Ki­ta-Bei­trags­frei­heit. Da kann man doch als Lan­des­re­gie­rung kaum et­was falsch ma­chen.

Doch. Es kann ein Pro­blem sein, mit Ein­nah­men über­häuft

zu wer­den. Für 2020 er­war­tet die Lan­des­re­gie­rung nach der jüngs­ten Steu­er­schät­zung noch ein­mal fast ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro mehr.

Doch es wä­re trü­ge­risch, mit ei­nem dau­er­haf­ten Kon­junk­tur­hoch zu rech­nen – das wird es nicht ge­ben! Es wä­re da­her fa­tal, jetzt al­le zu­sätz­li­chen Ein­nah­men aus­zu­ge­ben. Sie müs­sen ver­stärkt in die bis­lang un­zu­rei­chen­de Schul­den­til­gung ge­hen.

Mit Schul­den­ab­bau punk­tet man kaum bei den Wäh­lern. Wie kann er den­noch ge­lin­gen?

Durch Über­zeu­gungs­ar­beit. Bran­den­burg hat nach Sach­sen­An­halt die höchs­ten Schul­den in Ost­deutsch­land, mit 16 Mil­li­ar­den Eu­ro fast so viel wie das deut­li­che grö­ße­re Bay­ern. Da­ge­gen ist Sach­sen fast schul­den­frei. Wir müs­sen in gu­ten Zei­ten Rück­la­gen bil­den und Schul­den ab­bau­en und so für schlech­te Zei­ten vor­sor­gen. Bran­den­burg hat zwi­schen 2011 und 2016 nur 470 Mil­lio­nen Eu­ro ge­tilgt. Ge­mes­sen an den Mo­dell­rech­nun­gen des Lan­des­rech­nungs­hofs zur Schul­den­brem­se hät­ten es meh­re­re Mil­li­ar­den sein müs­sen. Wird es ge­lin­gen, mit dem Dop­pel­haus­halt die In­ves­ti­ti­ons­zie­le zu er­rei­chen?

Geld al­lein macht nicht glück­lich. Ob­wohl die Mit­tel be­reit ste­hen, fin­den wir nicht ge­nug aus­ge­bil­de­te Lehr­kräf­te und bei der Jus­tiz kön­nen freie Stel­len nicht be­setzt wer­den. Ähn­li­ches er­le­ben wir im Ki­ta-Be­reich. Und da auf dem Bau Hoch­kon­junk­tur herrscht, bleibt Geld lie­gen, das für die Sa­nie­rung von Schu­len und Ki­tas ge­dacht ist. Von da­her wer­den die Zie­le wohl nicht er­reicht.

Die Kom­mu­nen er­hal­ten künf­tig mehr Geld vom Land. Die ent­spre­chen­de Quo­te wird stu­fen­wei­se bis 2021 er­höht. An die­ser Ver­zö­ge­rung gibt es Kri­tik von Ge­mein­den.

Die Kom­mu­nen ha­ben Recht, es muss schnel­ler ge­hen. Bran­den­burg ist bis­lang Ta­bel­len­letz­ter in Ost­deutsch­land, was die Zah­lun­gen über den kom­mu­na­len Finanzausgleich an­geht. Jetzt wird auf ost­deut­sches Nor­mal­maß er­höht. Al­lein mehr Geld mit der Gieß­kan­ne zu ver­tei­len, ist aber nicht sinn­voll. Wir brau­chen künf­tig ei­ne Neu­ver­tei­lung zwi­schen den Kom­mu­nen. Ei­ni­ge sind hoff­nungs­los ver­schul­det, an­de­re ha­ben enor­me Ein­nah­men. Hier muss es ei­nen bes­se­ren Aus­gleich ge­ben.

Fo­to: ZB/Bernd Sett­nik

Axel Vo­gel, Frak­ti­ons­chef der Grü­nen im Land­tag

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