Ok­to­ber­fest auf den Phil­ip­pi­nen

Rein­hard Brandl zum Wahl­kampf im See­ho­fer-Land

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Vorderseite - Claus lie­se­gang.

Ma­ni­la. Ok­to­ber­fes­te wer­den nicht nur in Mün­chen, Ham­burg oder Ber­lin ge­fei­ert – selbst auf den Phil­ip­pi­nen ist das Tra­di­ti­on, wenn auch oh­ne Le­der­ho­sen. Das Bier ge­hört auf je­den Fall da­zu.

Rein­hard Brandl ist als In­gol­städ­ter CSU-Bun­des­tag­ab­ge­ord­ne­ter Nach­fol­ger von Horst See­ho­fer. Den ma­chen vie­le mit­ver­ant­wort­lich für den Ab­sturz der Christ­so­zia­len in den jüngs­ten Um­fra­gen. Brandl sieht See­ho­fer in­des nicht als Han­di­cap. Mit Brandl sprach Herr Brandl, auf dem Ab­schluss­fo­to des Wahl­kampf­auf­tritts in Ingolstadt An­fang der Wo­che strah­len Horst See­ho­fer und Mar­kus Sö­der um die Wet­te, als hät­te es zwi­schen ih­nen nie Zwist ge­ge­ben, Sie selbst bli­cken ziem­lich ge­nervt drein. Von die­ser Ins­ze­nie­rung?

Die letz­ten Wo­chen im Wahl­kampf wa­ren an­stren­gend. Das Fo­to spie­gelt den­noch nicht mei­ne Stim­mung an die­sem Tag wi­der. Ich hof­fe, dass von den Schluss­ver­an­stal­tun­gen ein Si­gnal an die Wäh­ler aus­ging, in Bay­ern für sta­bi­le po­li­ti­sche Ver­hält­nis­se zu sor­gen. Die Hoff­nung stirbt zu­letzt.

Die Stim­mung in der Be­völ­ke­rung ist bes­ser, als es die Um­fra­gen zei­gen. Die Wahr­heit liegt dann tat­säch­lich in der Ur­ne.

Ha­ben Sie Horst See­ho­fer zu­letzt als Bal­last bei Ih­rer Ar­beit in des­sen Hei­mat­stadt emp­fun­den?

Gar nicht. Horst See­ho­fer hat viel für Bay­ern und die Re­gi­on ge­tan. Das ver­ges­sen ihm die Leu­te nicht. Im Mo­ment be­wun­dern ihn die ei­nen da­für, dass er in Ber­lin sei­ne Li­nie durch­setzt, an­de­re leh­nen ihn da­für ab. Er ist ein Aus­nah­me­po­li­ti­ker, wie es ihn sel­ten gibt.

Ist das Be­wun­de­rung oder die höf­li­che Be­schrei­bung ei­nes gro­ßen Streit­hahns und Stur­kopfs?

Eher Be­wun­de­rung. Er ist seit über 40 Jah­ren Po­li­ti­ker, die meis­te Zeit da­von in Spit­zen­po­si­tio­nen...

...und er hat noch im­mer nicht ge­nug...

Un­ab­hän­gig vom ta­ges­po­li­ti­schen Wel­len­schlag hat Horst See­ho­fer in der Re­gi­on ei­ne fes­te Ba­sis.

Blen­den die In­gol­städ­ter tat­säch­lich aus, dass Horst See­ho­fer mit Sö­der dau­er­haft im Clinch liegt, stän­dig öf­fent­lich mit der Kanz­le­rin strei­tet, schon zu­rück­tre­ten woll­te und dann wie­der nicht?

Horst See­ho­fer strei­tet nicht mit Mar­kus Sö­der. Es mag da per­sön­li­che Dif­fe­ren­zen ge­ben, aber in­halt­lich zie­hen bei­de an ei­nem Strang.

Aber Sö­der hat See­ho­fer schon öf­fent­lich für die schlech­ten Um­fra­ge­wer­te ver­ant­wort­lich ge­macht.

Das ist aber kein in­halt­li­cher Streit, auch wenn ich nichts da­von hal­te, schon vor der Wahl Sün­den­bö­cke zu su­chen.

Ganz kon­kret: Stün­de die CSU oh­ne Horst See­ho­fer bes­ser da? Muss ihm ei­ner sa­gen: „Es ist Zeit, bit­te geh’!“?

Horst See­ho­fer ist un­ser Par­tei­vor­sit­zen­der, und er wird es nach der Wahl blei­ben.

Sie er­war­ten auch bei ei­ner Schlap­pe kei­ne per­so­nel­len Ve­rän­de­run­gen, auch nicht beim Mi­nis­ter­prä­si­den­ten?

Ich er­war­te ein bes­se­res Er­geb­nis als in den Um­fra­gen. Mar­kus Sö­der wird Mi­nis­ter­prä­si­dent blei­ben und ge­ge­be­nen­falls Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen füh­ren.

Mit wem?

Das ent­schei­det der Wäh­ler.

Die Men­schen fa­vo­ri­sie­ren Schwarz-Grün, was in­halt­lich aber schwer vor­stell­bar ist. Was hal­ten Sie für denk­bar?

Mit den Grü­nen sind wir bei vie­len The­men mei­len­weit aus­ein­an­der, un­ter an­de­rem bei der In­ne­ren Si­cher­heit. Die größ­ten Ge­mein­sam­kei­ten se­he ich mit den Frei­en Wäh­lern und der FDP. Wel­che Ko­ali­ti­on aber über­haupt geht, hängt da­von ab, ob FDP und Lin­ke über die fünf Pro­zent kom­men.

Die AfD ist für Sie ta­bu? Hat sich die CSU da­mit be­schäf­tigt, dass sie Bay­ern nicht mehr re­gie­ren könn­te, soll­te es ei­ne Ko­ali­ti­on aus SPD, Grü­nen, Frei­en Wäh­lern und Lin­ken ge­ben?

Nein, da­mit be­schäf­tigt sich nur die Pres­se. Ich hal­te es für kei­ne be­son­ders at­trak­ti­ve Aus­sicht, von ei­nem so he­te­ro­ge­nen Bünd­nis re­giert zu wer­den.

„Horst See­ho­fer ist ein Aus­nah­me­po­li­ti­ker, wie es ihn sel­ten gibt“

Fo­to: Gerd Grimm

Der CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Rein­hard Brandl

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