Mi­ni­job­ber auf Hil­fe an­ge­wie­sen

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Vorderseite - El­lEn HasEn­kamp

Ber­lin. Mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen ar­bei­ten als Mi­ni­job­ber in der Gas­tro­no­mie – und da sie von ih­rem Ge­halt nicht le­ben kön­nen, zahlt der Staat ih­nen Hil­fe zum Le­bens­un­ter­halt. 2017 be­lief sich die Sum­me auf rund ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro, wie die Lin­ken-Ab­ge­ord­ne­te Su­san­ne Fer­schl aus­rech­ne­te. Die Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nus­sGast­stät­ten (NGG) kri­ti­sier­te dies als „alar­mie­ren­den Trend“. Der Bun­des­tag be­riet am Frei­tag auf An­trag der FDP dar­über, die Ver­dienst­gren­ze an die Ent­wick­lung des Min­dest­lohns zu kop­peln. (AFP)

Wir schaf­fen das nicht. Al­so jetzt noch nicht. So un­ge­fähr klingt, was Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le zum Stand der hoch­um­strit­te­nen Wahl­rechts­re­form mit­ge­teilt hat. Zu­ge­ge­ben, das The­ma ist sper­rig. Es geht um Wahl­krei­se, um Par­tei­en­pro­porz, um Über­han­gund Aus­gleichs­man­da­te. Es geht zu­gleich aber um Fra­gen, die der­zeit den Puls des gan­zen Lan­des hoch­trei­ben: Ist Po­li­tik noch re­form­fä­hig?

Be­rührt sind ganz prak­ti­sche Pro­ble­me: Der Bun­des­tag hat längst über hun­dert Ab­ge­ord­ne­te mehr als die ei­gent­lich vor­ge­se­he­nen 598. Und all die Par­la­men­ta­ri­er brau­chen Sit­ze im Plenum und Bü­ros in Reichs­tags­nä­he, sie brau­chen gu­te Mit­ar­bei­ter und schnelle Com­pu­ter. Das kos­tet – von hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr ist die Re­de.

Be­rührt sind hand­fes­te In­ter­es­sen der Frak­tio­nen. Je nach Lö­sungs­mo­dell se­hen ent­we­der gro­ße oder klei­ne Par­tei­en Man­da­te in Ge­fahr. Die Par­la­men­ta­ri­er müs­sen qua­si ih­re ei­ge­nen Ar­beits­plät­ze auf­lö­sen. Das fällt na­tür­lich schwer.

Schäu­bles Hin­weis auf die über­nächs­te Wahl­pe­ri­ode soll da­her viel­leicht ei­ne Brü­cke bil­den: Jetzt ent­schei­den, erst spä­ter wir­ken las­sen. Das könn­te den Selbst­ab­schaf­fungs­schmerz lin­dern.

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