Von ei­nem an­de­ren Stern

Die neue Show im Fried­rich­stadt-Pa­last sprengt op­tisch al­le Di­men­sio­nen

Märkische Oderzeitung Eisenhüttenstadt - - Berlin - Von Ma­ria neu­en­dorff

Ber­lin. Re­vue-Thea­ter war ges­tern: Die neue „Vi­vid“-Show im Fried­rich­stadt-Pa­last ist ein fan­tas­ti­sches Spek­ta­kel aus mo­derns­tem Bal­lett, Mo­den­schau, Ar­tis­tik und 3D-Ef­fek­ten. Krei­ert hat sie ei­ne Frau aus Las Ve­gas. Um es gleich vor­weg zu neh­men: Ein Man­ko hat die­se neue Show: Man weiß nicht, wo man zu­erst hin­schau­en soll. Von den fan­tas­tisch-ga­lak­ti­schen Ko­s­tü­men der Tän­zer ist ei­nes atem­be­rau­ben­der als das an­de­re. Da­zu wird das 60-köp­fi­ge in­ter­na­tio­na­le En­sem­ble von spek­ta­ku­lä­ren Il­lu­sio­nen um­rahmt. Rie­si­ge bun­te Schmet­ter­lin­ge wip­pen ele­gant mit ih­ren Flü­geln, La­ser­strah­len flu­ten den Raum. Als wä­re die brei­tes­te Büh­ne der Welt nicht groß ge­nug, wird noch über den Sei­ten­rän­gen ge­tanzt. Ar­tis­ten ver­schwin­den ein­fach im Tech­nik­dach. Fern am Ho­ri­zont spielt ei­ne 17-köp­fi­ge Live-Band. Da­zu tanzt ei­ne Ro­bo­ter­ar­mee durch die Stuhl­rei­hen.

Die neue Grand Show kann man ei­gent­lich nur mit Su­per­la­ti­ven be­schrei­ben. Zwölf Mil­lio­nen Eu­ro wur­den in die Pro­duk­ti­on ge­steckt. Zum ers­ten Mal in der Ge­schich­te des 99-jäh­ri­gen Re­vue­thea­ters hat ei­ne Frau den Hut auf. Re­gis­seu­rin Kris­ta Mon­son kommt aus Las Ve­gas und hat den Tän­zern leuch­ten­de Dreh­schei­ben auf die Köp­fe ge­setzt. Al­les glit­zert und fun­kelt. Die Zei­ten der Rü­schen­röck­chen und Bus­la­dun­gen vol­ler Se­nio­ren sind end­gül­tig pas­sé. Mal fühlt man sich wie auf dem Fe­ti­schFest der Gay-Com­mu­ni­ty, dann wie­der wie in ei­nem Pa­ri­ser Bor­dell. Und ir­gend­wie im­mer wie auf ei­nem an­de­ren Stern.

Die fu­tu­ris­tisch-ver­spiel­ten Ko­s­tü­me sind wie schon in den Vor­gän­ger-Shows der ver­gan­ge­nen Jah­re wie­der ein­mal gran­di­os. Las Ve­gas ist bie­der da­ge­gen. In Ber­lin spielt die Mu­sik. So ex­tra­va­gant ist kei­ne noch so ab­ge­fah­re­ne Mo­den­schau. Al­lein schon die Hü­te stam­men vom De­si­gner Phi­lip Tre­acy, der sonst Mo­del­le für die Queen, La­dy Ga­ga und Ma­don­na krei­ert.

Und auch das Pre­mie­ren-Pu­bli­kum klei­de­te sich, als wür­de es zur Os­car-Ver­lei­hung ge­hen. Spon­tan er­hebt man sich am Don­ners­tag­abend zu Stan­ding Ova­tions, als Mus­kel­män­ner auf schwin­gen­den Maul­schlüs­seln Sal­tos schla­gen.

Da­zu fül­len atem­be­rau­ben­de 3D-Pro­jek­tio­nen den hal­ben Saal aus. Mal wähnt man sich in ei­nem mo­der­nen Pla­ne­ta­ri­um, mal auf dem Fes­ti­val of Lights. Ar­tis­ten schwe­ben durch die Ga­la­xie, um plötz­lich mit ei­nem Ur­knall zu ver­schwin­den.Ei­ne Frau zieht ih­ren Part­ner am Seil nur mit dem Kie­fer an die De­cke. Auch beim Paar­tanz wer­den die Ge­schlech­ter­rol­len au­ßer Kraft ge­setzt. Frau­en mit Bu­bi­köp­fen und im Frack wir­beln Män­ner in lan­gen wei­ßen Ge­wän­dern um­her.

Es gibt im­mer wie­der An­leh­nun­gen an das al­te Ber­lin. Da singt Mar­le­ne Dietrich im wei­ßen An­zug. Jo­se­phi­ne Ba­ker beißt las­ziv in ei­ne Ba­na­ne. Man­cher Tän­zer trägt nicht mehr als ei­nen Hut

vor dem Schritt.

Die le­gen­dä­re Girls­rei­he da­ge­gen ist in haut­engem schwarz­wei­ßem Lack ge­klei­det. Fu­tu­ris­ti­sche Hei­li­gen­schei­ne dre­hen sich auf den Köp­fen der Tän­ze­rin­nen, wäh­rend sie die Bei­ne zum Takt schwin­gen. Im Jahr 2018 tanzt man auch mal im Kreis oder über dem Par­kett.

Das wirkt be­rau­schend mo­dern und ka­ta­pul­tiert das Re­vu­eThea­ter in ein neu­es Zeit­al­ter. Et­was schmal da­ge­gen ist die Ge­schich­te. Ein Mäd­chen wird aus dem Pu­bli­kum ent­führt und ver­wan­delt sich in ei­ne An­dro­idin. In der kal­ten Ro­bot­er­welt sucht sie nach dem Sinn des Le­bens.

Die Songs wur­den von ei­nem in­ter­na­tio­na­len Kom­po­nis­ten­team ge­schrie­ben, zu dem auch Ar­ne Schu­mann und Jo­sef Bach ge­hö­ren. Das Duo hat be­reits mit Max Her­re und Star-DJ Paul van Dyk ge­ar­bei­tet.

„Kon­trol­le ist nur da­zu da, um sie los­zu­las­sen“, singt die Haupt­fi­gur am Schluss. Ein Mot­to, das nicht für die Show gilt. Selbst im wil­den schril­len Ur­wald wird syn­chron ge­tanzt. Und so hat sich der Fried­rich­stadt-Pa­last neu er­fun­den, oh­ne mit sei­nen Tra­di­tio­nen zu bre­chen.

Vi­vid Grand Show im Fried­rich­stadt-Pa­last, Fried­rich­stra­ße 107, Kar­ten ab 25 Eu­ro un­ter Te­le­fon 030 2326 2326 oder www.pa­last. ber­lin

Fo­to: dpa/Ar­ne Im­ma­nu­el Bänsch

Fu­tu­ris­tisch: Bei der Re­vue „Vi­vid“, die am Don­ners­tag­abend Pre­mie­re im Ber­li­ner Fried­rich­stadt-Pa­last fei­er­te, sind nicht nur die Ko­s­tü­me schrill und bunt, son­dern auch die 3D-Büh­nen­bil­der.

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