Zehn Eu­ro mehr für je­des Kind

Ko­ali­ti­on will Fa­mi­li­en un­ter­stüt­zen / Op­po­si­ti­on und Diw-ex­per­tin hal­ten Ge­setz­ent­wurf für un­so­zi­al

Märkische Oderzeitung Erkner - - Nachrichten - Von Micha­el ga­bel

Ber­lin. „Ver­spro­chen – ge­hal­ten“, so be­wer­tet Uni­ons­frak­ti­ons­vi­ze Na­di­ne Schön die von der Ko­ali­ti­on ge­plan­te Kin­der­geld­er­hö­hung so­wie die steu­er­li­chen Ent­las­tun­gen für Fa­mi­li­en. Die Re­form zäh­le „zu den wich­tigs­ten fa­mi­li­en­po­li­ti­schen Maß­nah­men die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode“, sag­te sie.

Laut Ent­wurf be­kom­men Fa­mi­li­en in Zu­kunft jähr­lich bis zu zehn Mil­li­ar­den Eu­ro mehr. Das Kin­der­geld steigt ab Ju­li kom­men­den Jah­res um zehn Eu­ro pro Mo­nat auf dann 204 Eu­ro für das ers­te und zwei­te Kind, 210 Eu­ro für das drit­te und 235 Eu­ro für je­des wei­te­re. Hin­zu kom­men ein hö­he­rer Kin­der­frei­be­trag so­wie wei­te­re steu­er­li­che Er­leich­te­run­gen, von de­nen je­doch auch Kin­der­lo­se pro­fi­tie­ren. Die Ar­beits­grup­pe Fi­nan­zen der Spd-frak­ti­on lie­fert ei­ne Bei­spiel­rech­nung. Dem­nach wird im Ge­samt­jahr 2020 ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern und ei­nem jähr­li­chen Brut­to­ein­kom­men von 40 000 Eu­ro um 454 Eu­ro bes­ser­ge­stellt. Bei ei­nem Fa­mi­li­en­ein­kom­men von 80 000 Eu­ro wä­ren es 613 Eu­ro.

Die Op­po­si­ti­on üb­te bei der ers­ten Le­sung im Bun­des­tag schar­fe Kri­tik an dem Ge­setz­ent­wurf. Die Grü­nen-che­fin An­na­le­na Ba­er­bock be­ton­te, die Koa- li­ti­on ent­las­te vor al­lem Fa­mi­li­en mit hö­he­ren Ein­kom­men und aus der Mit­tel­schicht. Bei rund drei Mil­lio­nen Kin­dern aus är­me­ren Fa­mi­li­en kom­me das Geld da­ge­gen gar nicht an, weil es mit den Hartz-iv-be­zü­gen ver­rech­net wer­de.

Beim Deut­schen In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) sieht man die Re­form eben­falls kri­tisch. „Ei­ne all­ge­mei­ne Kin­der­geld­er­hö­hung kos­tet viel Geld und hilft nicht ziel­ge­rich­tet den ein­kom­mens­schwa­chen Fa­mi­li­en“, sag­te die Diw-fa­mi­li­en­ex­per­tin Chris­ta Kat­ha­ri­na Spieß die­ser Zei­tung. Als größ­te Pro­blem­grup­pe sieht sie die Al­lein­er­zie­hen­den. Die­se soll­ten zum ei­nen mehr Geld er­hal­ten, zum an­de­ren müss­ten sie durch um­fas­sen­de­re Be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten für ih­re Kin­der die Chan­ce be­kom­men, ei­ne Er­werbs­ar­beit auf­zu­neh­men. Ver­bes­se­rungs­wür­dig sei auch das spe­zi­ell auf Hartz-iv-emp­fän­ger zu­ge­schnit­te­ne Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket. Spieß kri­ti­siert den bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand, der nö­tig sei, um in den Ge­nuss die­ser Leis­tun­gen zu kom­men. Au­ßer­dem lei­de die Nach­fra­ge dar­un­ter, dass in dem be­tref­fen­den Per­so­nen­kreis „oft gar nicht be­kannt ist, wie wich­tig ei­ne gu­te Bil­dung ist“. Mehr zum The­ma un­ter www.moz.de/kin­der­geld

Fo­to: dpa/bernd Wüst­neck

30 Eu­ro mehr: Für die­se Fa­mi­lie wür­de sich die ge­plan­te Kin­der­geld­er­hö­hung rich­tig loh­nen.

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