Auf­schwung ver­liert et­was an Kraft

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er rech­net für die­ses und nächs­tes Jahr mit 1,8 Pro­zent Wachs­tum

Märkische Oderzeitung Erkner - - Wirtschaft - Von Die­ter Kel­ler

Ber­lin. Der schein­bar end­lo­se Wirt­schafts­auf­schwung in Deutsch­land geht ins zehn­te Jahr. Al­ler­dings er­fül­len sich längst nicht al­le Blü­ten­träu­me, die es noch vor ei­nem hal­ben Jahr gab. Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) rech­net für die­ses und fürs nächs­te Jahr mit 1,8 Pro­zent Wachs­tum. Er kor­ri­gier­te da­mit die Pro­gno­se sei­ner Vor­gän­ge­rin Bri­git­te Zy­pries (SPD) nach un­ten, die zum Jah­res­be­ginn für 2018 noch von 2,4 Pro­zent Zu­wachs des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) nach Ab­zug der In­fla­ti­on aus­ge­gan­gen war.

Die Eu­pho­rie, die da­mals herrsch­te, ist in­zwi­schen ver­flo­gen, und die Re­gie­rung ist zu frü­he­ren Pro­gno­sen zu­rück­ge­kehrt. Vor genau ei­nem Jahr hat­te Zy­pries für 2018 auch nur 1,9 Pro­zent pro­gnos­ti­ziert. 2016 und 2017 war die Wirt­schaft je­weils um 2,2 Pro­zent ge­wach­sen.

Für die Kor­rek­tur nann­te Alt­mai­er drei Grün­de: Die von Us-prä­si­dent Do­nald Trump an- ge­zet­tel­ten Han­dels­krie­ge kos­ten in­ter­na­tio­nal Wachs­tum. Bei Pkw gibt es ei­nen Zu­las­sungs­stau und da­mit deut­lich ge­rin­ge­re Ver­kaufs­zah­len, weil sich für vie­le Mo­del­le die Zu­las­sung nach dem neu­en Test­zy­klus WLTP ver­zö­gert hat; sie ste­hen erst ein­mal un­ver­kauft auf Hal­de. Hin­zu kommt ei­ne Kor­rek­tur bei der sta­tis­ti­schen Er­fas­sung des BIP. Mög­li­che ne­ga­ti­ve Fol­gen des Br­ex­it sind nicht be­rück­sich­tigt.

Die Im­por­te dürf­ten in die­sem und im nächs­ten Jahr deut­lich stär­ker wach­sen als die Ex­por­te. Alt­mai­er ist das durch­aus recht, denn da­durch wird der deut­sche Ex­port­über­schuss et­was klei­ner, der von man­chen Län­dern hef­tig kri­ti­siert wird, al­len vor­an von Do­nald Trump. Haupt­trä­ger des Auf­schwungs ist un­ver­än­dert der Kon­sum im In­land. Da­für sor­gen deut­lich stei­gen­de Löh­ne, auch wenn die In­fla­ti­on et­was an­zieht: Nach 1,9 Pro­zent in die­sem Jahr soll sie 2019 bei zwei Pro­zent lie­gen.

An­ge­sichts der wei­ter gu­ten Zah­len sieht Alt­mai­er Spiel­raum, die Un­ter­neh­men zu ent­las­ten. Al­ler­dings woll­te er nicht be­stä­ti­gen, dass er ein Pro­gramm von 20 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr vor­schla­gen will. Da­bei hand­le es sich nur um Über­le­gun­gen in sei­nem Mi­nis­te­ri­um, die er sich noch nicht zu ei­gen ma­che. Erst ein­mal will er mit Fi­nanz­mi­nis­ter Olav Scholz (SPD) re­den, der je­doch schon an­de­re Plä­ne hegt, et­wa ei­ne Rück­la­ge zur Si­che­rung der Ren­ten.

Die Er­war­tun­gen der Bun­des­re­gie­rung sind die Grund­la­ge für die nächs­te Steu­er­schät­zung, die in zwei Wo­chen vor­ge­legt wer­den soll. Sie dürf­te eher ei­ne Kor­rek­tur nach un­ten brin­gen.

Fo­to: dpa/niet­feld

Vor­stel­lung der Kon­junk­tur­pro­gno­se: Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) auf der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz

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