Ex­tre­mis­mus-de­lik­te neh­men ab

Po­li­zei re­gis­triert deut­lich we­ni­ger Straf­ta­ten von Rech­ten und Lin­ken

Märkische Oderzeitung Erkner - - Moz Berlin -

Ber­lin. Rechts- und Links­ex­tre­mis­ten ha­ben in die­sem Jahr in Ber­lin bis­her we­ni­ger Straf­ta­ten be­gan­gen als im Vor­jahr. Das geht aus der Sta­tis­tik der Po­li­zei zum ers­ten Halb­jahr 2018 her­vor. Der Rück­gang gilt so­wohl für re­gis­trier­te Ge­walt­ta­ten wie An­grif­fe auf Men­schen als auch für Sach­be­schä­di­gun­gen und Pro­pa­gan­da­de­lik­te. Et­was mehr Straf­ta­ten gab es hin­ge­gen im Zu­sam­men­hang mit Kon­flik­ten im Ausland, be­son­ders bei De­mons­tra­tio­nen ge­gen den Krieg in Sy­ri­en und ge­gen die au­to­ri­tä­re Re­gie­rung in der Tür­kei.

Die Ge­samt­zahl der er­fass­ten Ge­walt­ta­ten sank von 302 im ers­ten Halb­jahr 2017 auf jetzt 204. Im gan­zen Jahr 2017 hat­te es 482 Ta­ten ge­ge­ben, 2016 so­gar 748. Der Rück­gang hält al­so schon län­ger an.

94 Ge­walt­ta­ten ver­üb­ten in die­sem Halb­jahr Links­ex­tre­mis­ten, 40 gin­gen laut Po­li­zei auf das Kon­to von Rechts­ex­tre­mis­ten. Ab­ge­nom­men ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Ge­walt­aus­brü­che bei links­ex­tre­mis­ti­schen De­mons­tra­tio­nen, et­wa am 1. Mai in Kreuz­berg. Das mach­te sich schon län­ger in der Sta­tis­tik be­merk­bar. Bei den Rechts­ex­tre­mis­ten hat­te es ei­ne deut­li­che Zu­nah­me der Ge­walt seit der An­kunft der vie­len Flücht­lin­ge 2015 ge­ge­ben, da­nach wur­de es wie­der we­ni­ger. In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel

Bei der Ge­samt­zahl al­ler po­li­tisch mo­ti­vier­ten Straf­ta­ten, al­so nicht nur der Ge­walt­ta­ten, wur­de ein Rück­gang von 2501 auf 1646 re­gis­triert. (Ge­s­amt 2017: 4329; 2016: 4721).

In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) be­ton­te: „Die ak­tu­el­len Zah­len zei­gen deut­lich, dass das po­li­ti­sche Gerau­ne, al­les wer­de im­mer schlim­mer, so nicht stimmt.“Ei­ne ge­ne­rel­le Be­dro­hung exis­tie­re nicht und man dür­fe nicht den Feh­ler ma­che, die­se her­bei­zu­re­den. Gleich­zei­tig wol­le er nichts schön­re­den und die Men­schen, die sich un­si­cher füh­len, ernst neh­men, ver­si­cher­te Gei­sel. „Ich weiß auch, dass je­der Fall ei­ner zu viel ist und für die in­di­vi­du­ell Be­trof­fe­nen ei­ne ex­trem ho­he Be­las­tung dar­stellt.“

Der Fdp-in­nen­po­li­ti­ker Mar­cel Lu­the kri­ti­sier­te: „Ob die seit Jah­ren an­dau­ern­de Se­ri­en von Brand­an­schlä­gen oder die is­la­mis­tisch mo­ti­vier­ten Über­grif­fe auf Men­schen mit­ten auf Ber­lins Bou­le­vards, an der kon­stan­ten Be­dro­hung un­se­rer frei­en Ge­sell­schaft gibt es kei­nen Zwei­fel.“

Von den 40 Ge­walt­ta­ten der Rechts­ex­tre­mis­ten wa­ren 37 frem­den­feind­li­che An­grif­fe oder Über­grif­fe. Zu­dem gab es 367 Pro­pa­gan­da­de­lik­te und wei­te­re 260 Ta­ten. Meis­tens war das Mo­tiv Ras­sis­mus und Frem­den­feind­lich­keit, häu­fig auch An­ti­se­mi­tis­mus. Deut­lich we­ni­ger wur­den Ta­ten, die sich spe­zi­ell ge­gen Flücht­lin­ge und das The­ma Asyl rich­te­ten.

Bei den Links­ex­tre­mis­ten gal­ten die ge­walt­tä­ti­gen An­grif­fe meis­tens der Po­li­zei (65). Vie­le Ta­ten wur­den bei De­mons­tra­tio­nen ver­übt. Die Ge­samt­zahl al­ler De­lik­te be­trug 455.

Im Zu­sam­men­hang mit re­li­giö­ser Ideo­lo­gie, meist dem Is­la­mis­mus, sank die Zahl der re­gis­trier­ten De­lik­te von 228 auf 59 Fäl­le. Ge­walt­ta­ten gab es nur zwei. (dpa)

Fo­to: dpa

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