Hom­mage an den Schock­ro­cker

Die Ar­te-do­ku­men­ta­ti­on „Su­per Du­per Ali­ce Co­oper“zeich­net den Wer­de­gang des ein­fluss­rei­chen Künst­lers nach

Märkische Oderzeitung Erkner - - Medien Moz - Von Eu­gen Zent­ner

Mün­chen. Rund um ver­rückt klin­gen­de Be­haup­tun­gen dreht sich ab 2. No­vem­ber die neue Sat.1-come­dy­show „Big Bl­öff“. Su­shi aus der Bauch­fal­te? Ein flie­gen­des Skate­board? Ei­schnee als Bo­tox-er­satz? Stimmt das – oder ist das Quatsch? Die Co­me­di­ans Bü­lent Cey­lan und Chris Tall tre­ten ge­gen Paul Pan­zer und Mar­tin Rüt­ter an, um zu klä­ren, wer die je­weils an­de­ren bes­ser täu­schen kann.

Bei­de Teams prä­sen­tie­ren je­weils drei ab­we­gig er­schei­nen­de Be­haup­tun­gen – wahr oder frei er­fun­den. Im Kreuz­ver­hör gibt es Ge­le­gen­heit, dem Geg­ner ei­ne Mi­nu­te lang auf den Zahn zu füh­len und her­aus­zu­fin­den, ob et­was an sei­ner Darstel­lung nicht plau­si­bel er­scheint. Der Pu­bli­kums­block des je­wei­li­gen Teams ent­schei­det dann, ob das Geg­ner­team die Wahr­heit sagt oder nicht. Wenn die Zu­schau­er rich­tig lie­gen, macht sich das be­zahlt. Am En­de ge­winnt der Zu­schau­er­block, der die hö­he­re Sum­me er­spielt. (dpa) Ber­lin. Ali­ce Co­oper gilt als le­ben­de Le­gen­de. Schau­ri­ges Make-up, Kunst­blut und ex­tra­va­gan­te Ko­s­tü­me prä­gen seit den 70ern sei­ne ver­rück­ten Büh­nen­auf­trit­te, in de­nen er schon mal Ba­by-pup­pen köpf­te oder sei­ne ei­ge­ne Hin­rich­tung si­mu­lier­te. Mit auf­wen­dig in­sze­nier­ten Hor­ror­shows wur­de der als Vin­cent Da­mon Fur­nier ge­bo­re­ne Mu­si­ker zum Er­fin­der des Schock­rock, oh­ne den Oz­zy Os­bourne oder Ma­ri­lyn Man­son un­denk­bar wä­ren.

Der spek­ta­ku­lä­re Wer­de­gang die­ses ein­fluss­rei­chen Künst­lers lässt sich heu­te Abend im Fern­se­hen be­stau­nen, wenn Ar­te das do­ku­men­ta­ri­sche Por­trät „Su­per Du­per Ali­ce Co­oper“aus­strahlt, bei dem gleich drei Män­ner Re­gie führ­ten. Re­gi­nald Har­ke­ma, Sam Dunn und Scot Mcfa­dy­en zeich­nen Co­o­pers Ent­wick­lung vom un­be­darf­ten Beat­les-imi­ta­tor zur Gru­sel-iko­ne nach, hal­ten sich da­bei aber an gän­gi­ge Mus­ter. Dra­ma­tur­gisch spannt der Film ei­nen kon­ven­tio­nel­len Bo­gen mit den ty­pi­schen Hö­heund Tief­punk­ten, für die das Le­ben des Rock­stars dan­kens­wer­ter­wei­se selbst sorgt.

Vin­cent Fur­nier, 1948 in De­troit im Us-bun­des­staat Mi­chi­gan ge­bo­ren, nimmt zu­nächst mit Freun­den an Ta­l­ent­shows teil. Spä­ter spielt die Trup­pe Co­ver­ver­sio­nen von Rol­ling-sto­nesStü­cken, ehe sie nach ei­ni­gen Um­be­set­zun­gen und Um­be­nen­nun­gen ab 1968 un­ter dem Band­na­men „Ali­ce Co­oper“auf­ritt und schließ­lich ei­nen Plat­ten- Stän­dig auf der Su­che nach thea­tra­li­scher Über­bie­tung: Vin­cent Da­mon Fur­nier ali­as Ali­ce Co­oper 2017 beim Mu­si­kfes­ti­val Wa­cken Open Air ver­trag er­hält. Doch der mu­si­ka­li­sche Er­folg bleibt ih­nen an­fangs ver­wehrt. Um auf sich auf­merk­sam zu ma­chen, bre­chen sie auf der Büh­ne mit al­len Kon­ven­tio­nen. Vin­cent Fur­niers Krea­ti­vi­tät kennt kei­ne Gren­zen. Er in­teg- riert al­les in die Shows, was ihm in die Hand fällt – Be­sen, Was­ser­me­lo­ne, Boa-schlan­gen. Die Auf­trit­te wer­den im­mer wil­der, die Par­tys im­mer aus­schwei­fen­der.

Als die Band 1974 aus­ein­an­der­fällt, wird Ali­ce Co­oper zu Vin­cents Al­ter Ego. Fort­an tritt er un­ter die­sem Na­men als So­lo­künst­ler auf, stän­dig auf der Su­che nach thea­tra­li­scher Über­bie­tung und noch kras­se­ren Pro­vo­ka­tio­nen. „Ich hat­te ei­nen mo­ra­li­schen Kom­pass. Es gab Din­ge, die ich nicht ma­chen wür­de. Viel­leicht er­fand ich Ali­ce, um die­se Din­ge zu tun“, sagt er in ei­nem der In­ter­viewaus­zü­gen. Es ist die Wand­lung von Dr. Je­kyll zu Mr. Hy­de, ein Mo­tiv, das sich durch die Do­ku­men­ta­ti­on zieht. Die Re­gis­seu­re set­zen da­bei wie­der­holt auf Sze­nen aus der gleich­na­mi­gen Li­te­ra­tur­ver­fil­mung mit John Bar­ry­mo­re. Vin­cent ver­liert sich zu­neh­mend in sei­ner Büh­nen­fi­gur, schließ­lich auch im Al­ko­hol, der ihn tief fal­len lässt. Nach ei­ner Ent­zugs­the­ra­pie, ei­ner neu­en Sucht und meh­re­ren Rück­fäl­len ge­lingt ihm schließ­lich der Ab­sprung. Sei­ne Rück­kehr auf die Büh­ne fei­ert der Ro­cker 1986 mit ei­nem Kon­zert, das auf MTV li­ve aus­ge­strahlt wird.

„Su­per Du­per Ali­ce Co­oper“ist gro­ße Un­ter­hal­tung, auch wenn die Musik ein we­nig zu kurz kommt. Die Ma­cher kon­zen­trie­ren sich über­wie­gend auf die bio­gra­fi­schen Sta­tio­nen, die an­hand von Ar­chiv­ma­te­ri­al, Ani­ma­tio­nen, Vi­deo­clip-frag­men­ten und Kon­zert­aus­schnit­ten ver­an­schau­licht wer­den. Die vie­len bun­ten Bil­der col­la­giert das Re­gie-trio mit ho­hem Tem­po und Ge­spür für vi­su­el­le Ef­fek­te. Zwi­schen­durch kom­men Weg­be­glei­ter zu Wort, die je­doch nie in die Ka­me­ra spre­chen, son­dern im­mer aus dem Off zu hö­ren sind. Kri­ti­sche Kom­men­ta­re blei­ben größ­ten­teils aus. Das Por­trät ist ei­ne Hul­di­gung in Form ei­ner Rock-ope­ra – bom­bas­tisch, fröh­lich, ver­füh­re­risch. (dpa) „Su­per Du­per Ali­ce Co­oper“, Ar­te, heu­te, 21.55 Uhr „Ein­mal Sohn, im­mer Sohn“, ARD, heu­te, 20.15 Uhr

Fo­to: dpa/chris­to­phe Ga­teau

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