Tier­schutz in der War­te­schlei­fe

Grü­ne kri­ti­sie­ren feh­len­de Durch­set­zung des neu­en Plans / Agrar­mi­nis­te­ri­um kün­digt Um­set­zungs­kon­zept an

Märkische Oderzeitung Erkner - - Brandenburg - Von Gu­drun Ja­ni­cke

Pots­dam. Nach ei­nem Volks­be­geh­ren ge­gen Mas­sen­tier­hal­tung ent­stand ein Tier­schutz­plan in Bran­den­burg. Er war ein Kom­pro­miss. Das war En­de 2017. En­de ver­gan­ge­nen Jah­res soll­ten be­reits ers­te Punk­te um­ge­setzt sein. Wie ist der Stand? Der vor ei­nem Jahr in Bran­den­burg in Kraft ge­tre­te­ne Tier­schutz­plan ist aus Sicht der Grü­nen in der Pra­xis noch nicht an­ge­kom­men. „Ich bin mehr als er­nüch­tert“, sag­te Ben­ja­min Rasch­ke, der um­welt­po­li­ti­scher Spre­cher der Land­tags­frak­ti­on.

Rasch­ke hat­te An­fang De­zem­ber ei­ne par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge an die Lan­des­re­gie­rung ge­stellt, um zu er­fah­ren, was sich bis­lang ge­tan hat. „Im Grun­de hat die Lan­des­re­gie­rung nicht das ge­lie­fert, was ver­spro­chen war“, sag­te Rasch­ke nach Sich­tung der Ant­wor­ten. „Mei­ne Ge­samt­ein­schät­zung ist: Of­fen­bar un­ter­läuft die Re­gie­rung die Um­set­zung des Kom­pro­mis­ses“, kri­ti­sier­te er.

Bis En­de 2018 soll­te es ein Um­set­zungs­kon­zept ge­ben, das aber nach wie vor feh­le, sag­te Rasch­ke. Nun hat das Agrar­mi­nis­te­ri­um in der Ant­wort an­ge­kün­digt, noch zu Jah­res­an­fang zu in­for­mie­ren.

„Es gibt bis­lang vie­le Din­ge, über die das Land kei­ne Kennt- nis hat“, sag­te Rasch­ke. Da­mit ist kei­ne Ar­beits­grund­la­ge vor­han­den.“Er er­war­te, dass sich die Re­gie­rung dar­um küm­me­re. So fehl­ten dem Agrar­mi­nis­te­ri­um An­ga­ben, wie­vie­le Käl­ber oh­ne Be­täu­bung ent­hornt wur­den. Man ken­ne auch nicht die Zahl der Le­ge­hen­nen, de­nen die Schnä­bel ge­kürzt, oder der tra­gen­den Rin­der, die ge­schlach­tet wur­den.

Auch bei den Schu­lun­gen sieht der Op­po­si­ti­ons­po­lit­ker Nach­hol­be­darf. Die Zahl der Ver­an­stal­tun­gen 2018 sol­le erst im Lau­fe des Jah­res fest­ste­hen, teil­te das Mi­nis­te­ri­um mit. In die­sem Jahr sind un­ter an­de­rem Maß­nah­men zur Ge­flü­gel- und Schwei­ne­hal­tung ge­plant.

Man müs­se den Land­wir­ten aber auch An­ge­bo­te zum Um­stieg ma­chen, sag­te Rasch­ke. „Der Tier­schutz­plan emp­fiehlt hier Bo­nus­pro­gram­me.“Ein Land­wirt sol­le un­ter an­de- rem be­lohnt wer­den, wenn er sei­nen Fer­keln die Schwän­ze las­se und sie nicht am­pu­tie­re. „Ich se­he bei der Lan­des­re­gie­rung kein Zei­chen, dass sie die­ses Bo­nus­pro­gramm an­schie­ben will“, kri­ti­sier­te er. In den Haus­halts­ver­hand­lun­gen ha­be er da­für kei­ne Be­reit­schaft ge­se­hen. Bun­des­weit ge­be es ver­schie­de­ne Mo­del­le.

Der Tier­schutz­plan sei ein Kom­pro­miss, stell­te Rasch­ke klar. „Wenn mit der SPD schon kein En­de der Mas­sen­tier­hal­tung zu ma­chen war, soll­te we­nigs­tens die kon­ven­tio­nel­le Tier­hal­tung ver­än­dert wer­den.“Für die Tie­re sol­le es ein we­nig er­träg­li­cher wer­den, die Land­wir­te soll­ten trotz­dem et­was ver­die­nen. Ei­ne deut­lich ver­bes­ser­te kon­ven­tio­nel­le Tier­hal­tung wä­re ein Fort­schritt. Doch nun wer­de noch nicht ein­mal das ab­ge­speck­te Pro­gramm um­ge­setzt.

Der Tier­schutz­plan wur­de vom Leib­niz-in­sti­tut für Agrar­tech­nik und Bio­öko­no­mie e. V. (ATB) so­wie der Lehr- und Ver­suchs­an­stalt für Tier­zucht und Tier­hal­tung e. V. er­ar­bei­tet. Er ent­hält 131 Maß­nah­men. Ei­ne Volks­in­itia­ti­ve hat­te im Jahr 2016 ein Volks­be­geh­ren her­bei­ge­führt und dann den Land­tags­be­schluss zur Schaf­fung des Tier­schutz­pla­nes. (dpa) Der Tier­schutz­plan im In­ter­net: www.mlul.bran­den­burg.de

Foto: Zb/jens Bütt­ner

Mas­sen­tier­hal­tung: Ei­nen Tag al­te Fer­kel ste­hen un­ter ei­ner wär­men­den Rot­licht­lam­pe in ei­nem Stall bei der Mut­ter­sau.

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