Kohle, Kli­ma, Kopf­zer­bre­chen

Ex­per­ten­kom­mis­si­on tagt in der Lau­sitz / Kum­pel for­dern, erst den Struk­tur­wan­del in Gang zu brin­gen

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Wirtschaft - Von Chris­ti­na Peters an­na ring­le

Mün­chen. Nach Mil­li­ar­den­be­trug und -plei­te der Münch­ner Con­tai­ner­fir­ma P&R plant In­sol­venz­ver­wal­ter Micha­el Jaf­fé ei­ne der größ­ten Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te. Von der In­sol­venz sind ins­ge­samt 54 000 An­le­ger be­trof­fen, sag­te Jaf­fé am Don­ners­tag. Meh­re­re Tau­send Men­schen wer­den kom­men­de Wo­che zu ins­ge­samt drei Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen in Mün­chen er­war­tet.

Die P&R-Plei­te könn­te mit ei­nem mög­li­chen Scha­den von bis zu zwei Mil­li­ar­den Eu­ro nach dem Flow­tex-Skan­dal der 1990er Jah­re der zweit­größ­te Be­trugs­fall seit 1945 sein. P&R hat nach bis­he­ri­gem Er­mitt­lungs­stand et­wa ei­ne Mil­li­on nicht exis­ten­ter Con­tai­ner ver­kauft: In den Bü­chern stan­den 1,6 Mil­lio­nen Stück, doch auf­find­bar sind nur 618 000. Von der Plei­te sind fast aus­schließ­lich Pri­vat­an­le­ger, dar­un­ter vie­le Rent­ner und Pen­sio­nä­re be­trof­fen. (dpa)

Welt­bank mahnt Län­der zu mehr Bil­dun­gaus­ga­ben

Nu­sa Dua. Über 50 Pro­zent der Kin­der welt­weit wer­den nicht ih­re vol­len Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen kön­nen, weil die Re­gie­run­gen ih­rer Hei­mat­län­der nicht ge­nü­gend in Bil­dung und Ge­sund­heit in­ves­tie­ren. Das ist das Er­geb­nis des Hu­man Ca­pi­tal In­dex, den die Welt­bank vor­stell­te. Un­ter­sucht wur­den 157 Län­der, Deutsch­land liegt auf Platz elf, Sin­ga­pur, Süd­ko­rea und Ja­pan lie­gen vorn. (dpa)

Bank-Mit­ar­bei­ter steh­len 112 Mil­lio­nen Eu­ro

Jo­han­nes­burg. Lei­ten­de Mit­ar­bei­ter der süd­afri­ka­ni­schen Ge­nos­sen­schafts­bank VBS ha­ben dem Geld­in­sti­tut um­ge­rech­net 112 Mil­lio­nen Eu­ro ge­stoh­len, be­rich­tet die süd­afri­ka­ni­schen Zen­tral­bank. Bei der Bank ha­be es von 2015 bis 2018 ei­ne „wei­te Band­brei­te kri­mi­nel­ler Hand­lun­gen“ge­ge­ben, hieß es. (dpa) Ber­lin/Cott­bus. Der Wir­bel um den Ham­ba­cher Forst hat sich kaum ge­legt, da kommt der nächs­te Auf­schlag: Der Welt­kli­ma­rat for­dert ra­sches Han­deln, um die Er­der­wär­mung zu be­gren­zen – pünkt­lich zum Be­such der Koh­le­kom­mis­si­on in der Lau­sitz. Tau­sen­de Braun­koh­le-Mit­ar­bei­ter emp­fan­gen sie laut­stark.

Das The­ma Braun­koh­le-Aus­stieg in Deutsch­land ist auf heik­lem Ter­rain an­ge­langt – im dop­pel­ten Sin­ne. Erst pro­tes­tier­ten Koh­le­geg­ner ge­gen die Ro­dung des Ham­ba­cher Forsts im Rhei­ni­schen Re­vier. Nun be­such­te die von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setz­te Koh­le­kom­mis­si­on die Lau­sitz. Am Don­ners­tag tag­te sie im zweit­größ­ten deut­schen Braun­koh­le-Re­vier, in dem Tau­sen­de ih­ren Job ver­lie­ren könn­ten – we­ni­ge Ta­ge, nach­dem der Welt­kli­ma­rat ei­ne deut­li­che War­nung aus­sprach.

„Bei­spiel­lo­se Ve­rän­de­run­gen“sei­en welt­weit nö­tig, um die Er­wär­mung der Er­de noch auf 1,5 Grad zu be­schrän­ken, er­klär­te das Gre­mi­um der Ver­ein­ten Na­tio­nen am Mon­tag. An­dern­falls dro­he ne­ben Dür­ren und stei­gen­den Mee­ren mög­li­cher­wei­se der Zu­sam­men­bruch des ge­sam­ten Kli­ma­sys­tems. Ein­zi­ger Aus­weg: Der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen wie Koh­len­di­oxid (CO2) müs­se welt­weit be­trach­tet von 2010 bis 2030 um 45 Pro­zent fal­len und 2050 net­to bei Null lie­gen.

Um sei­nen Bei­trag da­zu zu leis­ten, muss Deutsch­land als welt­weit größ­ter Braun­koh­le­Pro­du­zent bis 2030 größ­ten­teils aus der Kohle aus­stei­gen – an­ders geht die Rech­nung aus Sicht von Kli­ma­ex­per­ten nicht auf. „Die Zie­le, die wir uns bis zum Jahr 2030 im Strom­sek­tor ge­setzt ha­ben, müs­sen wir auf je­den Fall er­rei­chen“, sagt der Di­rek­tor des Pots­dam-In­sti­tuts für Pro­test in Weiß­was­ser: Mit­ar­bei­ter der Lau­sitz Ener­gie Berg­bau AG (LE­AG) de­mons­trie­ren vor der Sit­zung der Koh­le­kom­mis­si­on. Die Kom­mis­si­on soll Vor­schlä­ge zum Aus­stieg aus der Braun­koh­le­ver­stro­mung vor­le­gen.

Kli­ma­fol­gen­for­schung, Ott­mar Eden­ho­fer. Aber: „Wir sind weit, weit, weit da­von ent­fernt.“Für die Ener­gie­spar­te heißt das Spar­ziel 60 Pro­zent bis 2030. „Das be­deu­tet na­tür­lich, dass wir da­für Brau­n­und St­ein­koh­le­kraft­wer­ke vom Netz neh­men müs­sen“, sagt Eden­ho­fer. Rund 80 Pro­zent al­ler Treib­haus­ga­se des Strom­sek­tors kom­men aus der Kohle – am Koh­le­aus­stieg kommt der Kli­ma­schutz­plan nicht vor­bei.

Auch des­halb soll die Koh­le­kom­mis­si­on mit dem of­fi­zi­el­len Ti­tel „Wachs­tum, Struk­tur­wan­del und Be­schäf­ti­gung“bis Jah­res­en­de ein Kon­zept vor­le­gen,

wie der Struk­tur­wan­del in den Re­vie­ren im Rhein­land, in der Lau­sitz und in Mit­tel­deutsch­land ge­lin­gen kann.

In der Lau­sitz steht da­bei ei­nes im Vor­der­grund: Tau­sen­de In­dus­trie­jobs, die auf dem Spiel ste­hen. Der Bus aus Ber­lin mit den Koh­le­kom­mis­si­ons-Mit­glie­dern schlän­gel­te sich am Don­ners­tag an den Ta­gungs­or­ten in Weiß­was­ser und Groß­räs­chen vor­bei an Hun­der­ten Braun­koh­le-Mit­ar­bei­tern mit Tril­ler­pfei­fen und Trom­meln. Ih­re Bot­schaft auf den Pla­ka­ten: Die Braun­koh­le gibt Si­cher­heit und bringt Wohl­stand in die Re­gi­on.

In­dus­trie­jobs sind in der Lau­sitz nicht ge­ra­de üp­pig ge­sät. Die Ge­gend ist länd­lich ge­prägt und gilt als eher struk­tur­schwach. Die Braun­koh­le-In­dus­trie bringt vie­le gut be­zahl­te Jobs, was auch die Ak­zep­tanz vie­ler für den fos­si­len Ener­gie­trä­ger mit­er­klärt. Beim Ener­gie­un­ter­neh­men Le­ag, das vier Ta­ge­baue und meh­re­re Braun­koh­le-Kraft­wer­ke be­treibt, ar­bei­ten rund 8000 Men­schen. Vie­le wei­te­re Fir­men pro­fi­tie­ren durch Auf­trä­ge von der Kohle. Von ei­ner Wert­schöp­fung in der Braun­koh­le-In­dus­trie von rund 1,4 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr ist die Re­de.

Die Re­gie­run­gen in Bran­den­burg und Sach­sen, die vor Land­tags­wah­len im nächs­ten Jahr ste­hen, for­dern vom Bund ei­nen Er­satz für die weg­fal­len­den Jobs – auch aus Angst vor mög­li­chen Stimm­ge­win­nen für die AfD. Und eben­so wie Ge­werk­schaf­ter wol­len sie, dass die De­bat­te so ge­führt wird: erst den Struk­tur­wan­del in den Braun­koh­le­re­gio­nen wei­ter in Gang brin­gen und Jobs schaf­fen – und dann über ei­nen Koh­le­aus­stieg re­den. (dpa)

Mehr zum The­ma un­ter: www.moz.de/ener­gie­wen­de San Fran­cis­co. Der US-Agrar­kon­zern Monsan­to ist vor ei­nem ka­li­for­ni­schen Ge­richt ge­gen sei­ne Ver­ur­tei­lung zu 290 Mil­lio­nen Dol­lar Scha­den­er­satz we­gen sei­ner gly­phos­at­hal­ti­gen Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tel vor­ge­gan­gen. Der vom Che­mie­kon­zern Bay­er über­nom­me­ne Saat­gut­her­stel­ler for­der­te, den so­ge­nann­ten ver­schärf­ten Scha­den­er­satz von 250 Mil­lio­nen Dol­lar zu strei­chen.

Das Ur­teil ei­ner Ju­ry vom Au­gust 2018 sei nicht durch Be­wei­se un­ter­mau­ert ge­we­sen, sag­te Monsan­to-An­walt Ge­or­ge Lom­bar­di. Au­ßer­dem hät­te der An­walt des Krebs­pa­ti­en­ten De­way­ne John­son die Ju­ry wäh­rend des Pro­zes­ses nicht da­zu auf­for­dern dür­fen, Monsan­to ei­ne Lek­ti­on zu er­tei­len. Ein neu­er Pro­zess sei ge­recht­fer­tigt. Die An­wäl­te des bei dem Ge­richts­ter­min an­we­sen­den John­son er­klär­ten da­ge­gen, das Ge­schwo­re­nen­ge­richt ha­be rich­tig ent­schie­den.

Ein Ge­schwo­re­nen­ge­richt in San Fran­cis­co hat­te Monsan­to im Au­gust zur Zah­lung von fast 290 Mil­lio­nen Dol­lar Scha­den­er­satz ver­ur­teilt. Gly­phos­at­hal­ti­ge Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tel wie Roun­dup hät­ten „we­sent­lich“zur Krebs­er­kran­kung des frü­he­ren Haus­meis­ters John­son bei­ge­tra­gen. 250 Mil­lio­nen der 290 Mil­lio­nen Dol­lar wur­den nicht di­rekt als Ent­schä­di­gung für ei­nen tat­säch­li­chen Scha­den, son­dern als ab­schre­cken­de Straf­maß­nah­me ge­gen Monsan­to ver­hängt.

De­way­ne John­son ist un­heil­bar an Lymph­drü­sen­krebs er­krankt und macht die Her­bi­zi­de von Monsan­to da­für ver­ant­wort­lich. Im Zen­trum des Ver­fah­rens stand die Fra­ge, ob die in den Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­teln Roun­dup und Ran­ger­Pro ent­hal­te­ne Che­mi­ka­lie Gly­pho­sat ei­ne krebs­aus­lö­sen­de Wir­kung hat. Monsan­to, das seit Ju­ni zum Bay­er-Kon­zern ge­hört, be­strei­tet ei­ne sol­che Wir­kung sei­nes Pro­dukts. In der For­schung ist die­se Fra­ge um­strit­ten. (AFP)

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