Ein­la­dungs­post­kar­ten vom Kunst­papst der DDR

In ei­ner Aus­stel­lung im Saa­row-Cen­trum prä­sen­tiert El­ke Lang Er­in­ne­rungs­stü­cke aus dem Nach­lass ih­res ver­stor­be­nen Man­nes und ein Buch

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Spree Journal - Von Bern­hard Schwie­te

Bad Saa­row/Spree­wer­der. Sie zei­gen Ra­die­run­gen, Zeich­nun­gen und Ma­le­rei, ei­ne ist in­di­vi­du­ell be­klebt, ei­nen an­de­re sch­licht mit Schreib­ma­schi­ne ver­fasst: In ei­ner neu­en Aus­stel­lung im Li­te­ra­tur­ka­bi­nett im Bad Saa­ro­wer Saa­row-Cen­trum sind ab Sonn­abend künst­le­risch ge­stal­te­te Ein­la­dungs­kar­ten zu Aus­stel­lungs­er­öff­nun­gen zu se­hen.

Die Do­ku­men­te stam­men aus dem Nach­lass des zu­letzt in Spree­wer­der wohn­haf­ten Kunst­wis­sen­schaft­lers Lothar Lang, der 2013 ver­starb. Kon­zi­piert ist die Schau von sei­ner Wit­we El­ke Lang. Die freie Mit­ar­bei­te­rin der Mär­ki­schen Oder­zei­tung hat zum The­ma auch ein Buch ver­öf­fent­licht. Wie die Aus­stel­lung trägt es den Ti­tel „Vom Brief­kas­ten in den Pa­pier­korb“. Ei­ne Über­schrift ist das, die für die meis­ten Men­schen zu­tref­fen mag. Man er­hält ei­ne Ein­la­dung zu ei­ner Ver­an­stal­tung, man geht hin oder auch nicht, und da­nach wird das schein­bar nutz­los ge­wor­de­ne Schrei­ben ent­sorgt.

Lothar Lang hand­hab­te es ganz an­ders. Der „Kunst­papst der DDR“, als der er nach Aus­sa­ge sei­ner Wit­we frü­her be­zeich­net wur­de, be­wahr­te die Schrei­ben auf, wis­send um de­ren In­di­vi­dua­li­tät und künst­le­ri­schen Wert. Ei­nen „Rie­sen­stoß“der­ar­ti­ger Ein­la­dun­gen fand El­ke Lang in sei­nem Nach­lass. Sie stam­men aus den Jah­ren 1964 bis 1989, aus der DDR und auch aus der BRD. Als Au­tor der Zeit­schrift „Die Welt­büh­ne“durf­te Lothar Lang auch in den Wes­ten rei­sen. Für ihr Buch hat El­ke Lang 72 der vie­len Kar­ten aus­ge­wählt.

Un­ter den Ab­sen­dern fin­den sich be­kann­te Na­men. Han­nah Höch et­wa, die 1965 in die Ga­le­rie Nie­ren­dorf in West-Ber­lin ein­lud, die Irin Eliz­a­beth Shaw, die 1970 in der Ga­le­rie im Turm in Ber­lin-Ost aus­stell­te, und Ger­hard Rich­ter. Da­mals noch weit we­ni­ger pro­mi­nent als heu­te, muss­te er sich 1969 noch mit der Ga­le­rie Re­né Block in Wes­tBer­lin zu­frie­den ge­ben, um sei­ne Kunst der Öf­fent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. An­de­res spiel­te sich in klei­nen, ver­steck­ten und teil­wei­se so­gar il­le­ga­len Hin­ter­hof-Aus­stel­lungs­räu­men in der Haupt­stadt der DDR ab. „Mein Mann hat Künst­ler ge­för­dert, die in der DDR nicht an­er­kannt wa­ren, weil sie sich nicht mit so­zia­lis­ti­schen The­men be­schäf­tig­ten“, sagt El­ke Lang.

Nicht al­le Ein­la­dun­gen konn­te Lothar Lang an­neh­men, er­zählt die Buch-Au­to­rin. Auf­be­wahrt hat er die Brie­fe den­noch. El­ke Lang ver­steht ihr Werk auch als per­sön­li­che Er­in­ne­rung an ih­ren ver­stor­be­nen Mann. In ih­rem ein­füh­ren­den Es­say im Buch schreibt sie, die Ein­la­dun­gen zeich­ne­ten auch ein Bild des Men­schen, der sie be­kom­men und bei sich be­wahrt hat. „In un­se­rem Fal­le las­sen sie er­ken­nen, wel­che Künst­ler Lothar Lang be­son­ders ge­schätzt, wel­che Kun­strich­tun­gen und wel­chen ge­sell­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen An­spruch er ver­tre­ten hat.“

Die Aus­stel­lung in Bad Saa­row wird er­öff­net am Sonn­abend um 16 Uhr, in die­sem Rah­men fin­det auch die Buch­pre­mie­re statt. Ein­füh­ren­de Wor­te spricht der Schrift­stel­ler Till Sai­ler aus Bad Saa­row, an der Vio­li­ne mu­si­ziert Eliz­a­beth Bal­mas.

Für die Um­rah­mung der Ver­nis­sa­ge sor­gen Till Sai­ler und Eliz­a­beth Bal­mas

„Vom Brief­kas­ten in den Pa­pier­korb“, her­aus­ge­ge­ben von El­ke Lang, 24,50 Eu­ro, er­hält­lich bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung oder über E-Mai an el­ke.lang@fre­e­net.de

Fo­to: Bern­hard Schwie­te

Für neue Aus­stel­lung: El­ke Lang prä­sen­tiert das Buch mit Post­kar­ten aus dem Nach­lass ih­res Man­nes.

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