Ni­schen für Frei­den­ker

Ab­dul­nas­ser Gha­rem tut sehr viel da­für, um der win­zi­gen sau­di­schen Kunst­sze­ne zum Auf­bruch zu ver­hel­fen

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Kultur - Von Simon Kre­mer

Ri­ad. das ul­tra-kon­ser­va­ti­ve Kö­nig­reich un­ab­hän­gi­ger vom Öl zu ma­chen, son­dern es auch mehr und mehr zu öff­nen. Denn der ge­sell­schaft­li­che Druck ist groß. Knapp 70 Pro­zent der Be­völ­ke­rung sind jün­ger als 35 Jah­re.

Die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on wuchs in der Hei­mat oh­ne öf­fent­li­che Ki­nos auf. Erst im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den sie wie­der er­laubt. Das Kö­nigs­haus will den Jun­gen et­was bie­ten und kün­dig­te für die kom­men­den Jah­re an, 64 Mil­li­ar­den US-Dol­lar in Kunst und Un­ter­hal­tung ste­cken zu wol­len. Ein von der „Misk“-Stif­tung des Kron­prin­zen neu ge­grün­de­tes Kun­st­in­sti­tut will jun­gen Künst­lern da­bei ei­ne Platt­form bie­ten und sie mit Sti­pen­di­en, Aus­bil­dung und Hun­der­ten Pro­gram­men un­ter­stüt­zen. Auch auf Gha­rem kam die Re­gie­rung zu und woll­te ihn in die Ent­wick­lung Je mehr Kri­tik von Au­ßen kä­me, des­to stär­ker schlös­sen sich in­nen die Rei­hen.

„Jetzt ge­ra­de ist die Zeit der Hel­den“, sagt Sha­weesh, der im Raum ne­ben­an vor dem Com­pu­ter sitzt und nach In­spi­ra­ti­on sucht. Sha­weesh ist ei­ner der elf Dau­er­künst­ler in den Gha­rem Stu­di­os. Mit vol­lem Bart und ei­nem hoch­ge­steck­ten Män­ner­dutt sieht der 28-Jäh­ri­ge aus wie ein Ber­li­ner Hips­ter. Wie von ei­nem Men­tor hat er das Kunst­ver­ständ­nis von Ab­dul­nas­ser Gha­rem ver­in­ner­licht: „Ein Künst­ler, der scho­ckiert und dann im Ge­fäng­nis sitzt, der will ein Held sein“, sagt er. „Und dann? Du musst Dich ent­schei­den in die­sen Ta­gen, ob Du ein Held sein willst oder lang­fris­ti­gen Ein­fluss ha­ben möch­test.“

Gha­rem hat sich ent­schie­den: Mit sei­nem Künst­ler­stu­dio und der Kunst­aus­bil­dung will er lang­fris­ti­gen Ein­fluss auf die Gestal­tung der sau­di­schen Ge­sell­schaft neh­men. Vor al­lem will er ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu ra­di­ka­len und kon­ser­va­ti­ven Ide­en an­bie­ten. Er will, dass die Men­schen selbst an­fan­gen zu den­ken.

„Ich war mit zwei 9/11-At­ten­tä­tern von New York zu­sam­men auf der Schu­le“, er­zählt er. „Wir ka­men al­le aus dem glei­chen Um­feld und Du fragst Dich dann, wie­so man­che Le­ben so an­ders ver­lau­fen.“

Gha­rem denkt an sei­ne ei­ge­ne Schul­zeit zu­rück: „Die Kon­ser­va­ti­ven hat­ten wir als Leh­rer in den Schu­len. Die woll­ten dich kon­trol­lie­ren und dir ih­re Ide­en ein­imp­fen.“Die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on ha­be in­zwi­schen ganz an­de­re Mög­lich­kei­ten – sie brau­che nur ei­nen Ort, wo die Ide­en frei flie­gen könn­ten. (dpa)

Foto: dpa/Simon Kre­mer

Zwi­schen sei­nen Wer­ken: Ab­dul­nas­ser Gha­rem gilt als ei­ner der be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler Sau­di-Ara­bi­ens und der Golf­re­gi­on und hat mit sei­nem „Gha­rem Stu­dio“ei­nen Ort für jun­ge sau­di­sche Künst­ler ge­schaf­fen.

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