Me­mes se­hen und twer­ken

Das In­sti­tut für Deut­sche Spra­che hat neue Wör­ter ge­sam­melt und stellt sie vor

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Kultur -

Mann­heim. Neue Wör­ter kön­nen ge­sell­schaft­li­che Trends ab­bil­den, po­li­ti­sche Dis­kus­sio­nen auf den Punkt brin­gen oder mo­der­ne Er­näh­rungs­wei­sen be­schrei­ben. Sol­che Be­grif­fe sam­melt das Mann­hei­mer In­sti­tut für Deut­sche Spra­che (IDS) seit Jah­ren. Be­din­gung ist, dass die Wör­ter nicht nur ein­mal von ei­nem Pro­mi­nen­ten oder Po­li­ti­ker be­nutzt wur­den wie et­wa „Asyl­tou­ris­mus“, son­dern be­reits in den Sprach­ge­brauch ein­ge­flos­sen sind. „Un­se­re Neo­lo­gis­men sind kei­ne Ein­tags­flie­gen“, be­tont In­sti­tuts­di­rek­tor Hen­ning Lo­bin. Der Wis­sen­schaft­ler und sein Team durch­fors­ten rie­si­ge Text­samm­lun­gen nach neu­en Wör­tern und ver­öf­fent­li­chen zum Jah­res­wech­sel ei­nen gan­zen Schwung da­von. Ein paar Kost­pro­ben:

So­zia­le Me­di­en

„Click­baits“im In­ter­net sol­len die Nut­zer durch rei­ße­ri­sche Auf­ma­chung auf an­de­re Web­sites lo­cken. Dort kön­nen sie wo­mög­lich ei­nen „al­ter­na­ti­ven Fakt“fin­den. Das wä­re die Be­haup­tung, man se­he et­was an­ders als an­de­re, da­bei ver­dreht man schlicht die Rea­li­tät. Be­kannt ge­macht hat die­sen ver­schlei­ern­den Aus­druck die Trump-Re­gie­rung. Nicht nur vor sol­chen Ma­schen, son­dern auch vor „Fil­ter­bla­sen“soll­te man sich in Acht neh­men. Die­se ent­ste­hen, wenn ei­nem Nut­zer nur noch die Web­sites an­ge­zeigt wer­den,

die nach Aus­wer­tung sei­nes Ver­hal­tens sei­ne Mei­nung be­stä­ti­gen und so in die in­tel­lek­tu­el­le Iso­la­ti­on füh­ren. Weit harm­lo­ser ist da ein wei­te­res In­ter­ne­tPhä­no­men, die „Me­mes“, oft hu­mor­vol­le Bil­der oder Vi­de­os, die schnell über das In­ter­net ver­brei­tet wer­den.

Ge­sell­schaft

Die Dis­kus­si­on über den Miss­brauch von Frau­en durch mehr oder we­ni­ger pro­mi­nen­te Män­ner lief un­ter dem La­bel „MeToo“. Im Rah­men die­ser De­bat­te trau­ten sich im­mer mehr Frau­en, se­xu­el­le Über­grif­fe von Män-

nern öf­fent­lich zu ma­chen. Ein­ver­nehm­lich läuft der Sex hin­ge­gen in ei­ner „Freund­schaft plus“ab. In die­ser ge­hen die Part­ner zwar re­gel­mä­ßig mit­ein­an­der ins Bett, sie ge­hen aber kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein. Die­se Part­ner, auch „Fri­ends with Be­ne­fits“ge­nannt, be­su­chen viel­leicht mal die Dis­ko. Dort wer­den sie wo­mög­lich „twer­ken“, al­so krei­send und ruck­ar­tig Hüf­ten und Ge­säß be­we­gen und das voll „nice“, al­so toll, fin­den. Ei­ne „Walk-In-Du­sche“, ei­ne eben­er­di­ge Dusch­ka­bi­ne oh­ne Be­cken, könn­te da­nach für Ab­küh­lung sor­gen. Er­näh­rung

Schwa­che Na­tu­ren, die dem Schön­hun­gern nicht ge­wach­sen sind, neh­men sich ei­nen „Cheat­day“und un­ter­bre­chen die Schlank­heits­kur für ei­nen Tag. Even­tu­ell kön­nen sie dann ei­nem „Cro­nut“, ei­ner Ka­lo­ri­en­bom­be aus Crois­sant und Dough­nut, nicht wi­der­ste­hen. Nach dem „Mo­gel­tag“müs­sen sie sich wie­der mit ge­sun­den Le­cke­rei­en wie der „Flo­wer­sprout“be­gnü­gen, ei­ner vio­lett-grün­li­chen Kreu­zung aus Grün­kohl und Ro­sen­kohl. Bei der Ge­wichts­ab­nah­me könn­ten auch „Zood­les“hel­fen: Mit ei­nem Spi­ral­schnei­der wer­den Ge­mü­se auf Nu­del­for­mat ge­trimmt. Be­son­ders gut klappt das mit der Zuc­chi­ni. Man­che set­zen auch auf das „cle­an ea­ting“, ei­ne auf Zu­satz­stof­fe in Nah­rungs­mit­teln ver­zich­ten­de Er­näh­rungs­me­tho­de.

Um­welt

Er­schre­ckend ist die gro­ße Men­ge von „Mi­kro­plas­tik“im Meer. Un­ter den Be­griff fal­len Par­ti­kel mit we­ni­ger als fünf Mil­li­me­tern Durch­mes­ser, die über den Ver­zehr von Fisch wie­der zu den Men­schen zu­rück­fin­den kön­nen. An den Raub­bau an der Na­tur er­in­nert der „Erd­über­las­tungs­tag“oder „Welt­schöp­fungs­tag“: Das ist der Tag in ei­nem Ka­len­der­jahr, ab dem rech­ne­risch mehr na­tür­li­che Res­sour­cen für Nah­rung, Ener­gie und an­de­res ver­braucht wer­den, als re­ge­ne­riert wer­den kön­nen. (dpa)

Screen­shot: Man­dy Timm

Mach­te auf der Face­book-Sei­te die­ser Ta­ges­zei­tung die Run­de: Die­ses statt­li­che Wurst­brot ist ei­nes je­ner In­ter­net-Me­mes, bei de­nen die ei­nen la­chen und die an­de­ren wür­gen.

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