Der Mann, der Han So­lo lynch­te

Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur La­wrence Kas­dan wird heu­te 70

Märkische Oderzeitung Fürstenwalde - - Kultur - Von Bar­Ba­ra mun­Ker

Los Angeles. Hät­te La­wrence Kas­dan das letz­te Wort ge­habt, dann wä­re der be­lieb­te Schmugg­ler Han So­lo schon in den 1980er-Jah­ren aus der „Star Wars“-Se­rie ver­schwun­den. „Ich war da­für, ihn zu tö­ten“, of­fen­bar­te der Dreh­buch­au­tor im vo­ri­gen Jahr der „New York Ti­mes“. Kas­dan schrieb da­mals das Skript für „Die Rück­kehr der Je­di-Rit­ter“(1983). Für die letz­te Fol­ge der Ori­gi­nal-Tri­lo­gie hät­te er es pas­send ge­fun­den, ei­ne wich­ti­ge Fi­gur zu eli­mi­nie­ren. „Doch Ge­or­ge fand das nicht gut“, räum­te Kas­dan ein.

Na­tür­lich hat­te „Star Wars“Schöp­fer Ge­or­ge Lu­cas das Sa­gen, Han So­lo blieb am Le­ben. Kas­dan muss­te ei­ni­ge Jahr­zehn­te war­ten, ehe er in „Star Wars: Das Er­wa­chen der Macht“(2015) den Schmugg­ler­hel­den Han So­lo (Har­ri­son Ford) sei­nem schur­ki­gen Sohn Ky­lo Ren (Adam Dri­ver) ans Mes­ser lie­fern durf­te.

Die klei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­heit zwi­schen Lu­cas und Kas­dan konn­te das gu­te Ver­hält­nis der bei­den nicht trü­ben. Der Au­tor, der heu­te 70 Jah­re alt wird, ist ein pas­sio­nier­ter Ster­nen­krie­ger. Vier „Star Wars“-Fil­me hat er mit ent­wi­ckelt: von „Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück“(1980) über die Je­di-Rit­ter und „Das Er­wa­chen der Macht“bis zu „So­lo: A Star Wars Sto­ry“(2018).

Mit 70 Jah­ren will sich Kas­dan nun nicht et­wa zur Ru­he set­zen. Im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber er­warb er die Film­rech­te für den neu­en Kri­mi­nal­ro­man „No­vem­ber Road“von Lou Ber­ney. Die Thril­ler­ro­man­ze spielt vor dem Hin­ter­grund der Ken­ne­dy­Er­mor­dung im No­vem­ber 1963. Dreh­buch-Schrei­ber Kas­dan wird Re­gie füh­ren und den Film pro­du­zie­ren.

Sein De­büt hin­ter der Ka­me­ra gab Kas­dan be­reits 1981 mit dem Thril­ler „Heiß­blü­tig – Kalt­blü­tig“, der die da­mals un­be­kann­te Kath­le­en Tur­ner als mör­de­ri­sche Ver­füh­re­rin be­rühmt mach­te. Mit „Der gro­ße Frust“(1983) lie­fer­te er ei­ne glän­zen­de Satire über al­te Freund­schaf­ten und ge­platz­te Hoff­nun­gen. Tom Be­ren­ger, Wil­li­am Hurt, Ke­vin Kli­ne und Meg Til­ly mi- men Freun­de ei­ner al­ten Cli­que, die sich nach vie­len Jah­ren wie­der tref­fen.

Rie­si­gen Er­folg hat­te Kas­dan mit dem Skript für „Bo­dy­guard“. Der Film mit Whit­ney Hous­ton als Star-Sän­ge­rin und Ke­vin Cost­ner als ihr Leib­wäch­ter lie­fer­te Ro­man­tik, Span­nung und vie­le Songs. Zwei Jah­re spä­ter mach­te er Cost­ner in dem Wes­ter­n­epos „Wyatt Earp – das Le­ben ei­ner Le­gen­de“zu ei­nem kom­pro­miss­lo­sen Ge­set­zes­hü­ter. Da­nach in­sze­nier­te er die ro­man­ti­sche Ko­mö­die „French Kiss“, in der Meg Ryan ei­nem fran­zö­si­schen Char­meur (Ke­vin Kli­ne) ver­fällt.

Schon am An­fang sei­ner Kar­rie­re galt sei­ne Lie­be ei­gent­lich der Re­gie. „Ich hat­te kei­nen an­de­ren Wunsch, als Re­gie zu füh­ren. Um Re­gis­seur zu wer­den, muss­te ich aber erst schrei­ben“, sag­te Kas­dan 1981 im Interview der „New York Ti­mes“. Er hat­te Literatur stu­diert, jobb­te als Wer­be­tex­ter und schrieb ne­ben­bei Dreh­bü­cher. Sei­nen ers­ten Ki­no­er­folg fei­er­te er 1980 auf An­hieb mit dem Skript für „Das Im­pe­ri­um schlägt zu­rück“, gleich da­nach ver­trau­te Ste­ven Spiel­berg dem da­ma­li­gen Hol­ly­woo­dNeu­ling das Dreh­buch für „Jä­ger des ver­lo­re­nen Schat­zes“an, den ers­ten Teil der ge­fei­er­ten In­dia­na-Jo­nes-Rei­he.

Spiel­berg plant der­zeit den fünf­ten Teil der Aben­teu­er­sa­ga. Und wie­der ist ein Kas­dan an Bord: Sohn Jon soll das Skript schrei­ben. (dpa)

Foto: dpa

La­wrence Kas­dan

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