Von Chi­na nach Mün­che­berg

So­ja wird für die Er­näh­rung im­mer wich­ti­ger / Am ZALF su­chen For­scher nach der idea­len An­bau­wei­se

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Brandenburg - Von Gu­drun Ja­ni­cke

Mün­che­berg (dpa) Gro­ßer Ei­weiß­an­teil und ge­eig­net für die Ver­füt­te­rung an Tie­re: So­ja kommt so­gar als Flei­scher­satz auf den Tisch. Die Per­spek­ti­ven sind gut. Doch der An­bau steckt noch in den Kin­der­schu­hen. Deut­sche Bau­ern tun sich schwer da­mit.

„Klick, klick, klick“: Das Ge­räusch zeigt, die So­ja­boh­ne ist fast reif. Die tro­cke­nen Ku­geln kul­lern in den be­haar­ten brau­nen Scho­ten her­um, wenn sie in der Hand ge­schüt­telt wer­den. Auf dem For­schungs­a­cker in Mün­che­berg öst­lich von Berlin rü­cken bald Mäh­dre­scher an. Das Laub an den et­wa ei­nem Me­ter ho­hen Pflan­zen ist be­reits ab­ge­trock­net. Die neue Ern­te wird ein­ge­bracht. So­ja ist im­mer ge­frag­ter: für die Ver­füt­te­rung an Tie­re, aber auch für die mensch­li­che Er­näh­rung wie für die Her­stel­lung von To­fu.

Nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes De­sta­tis wur­den 2015 rund 3,8 Mil­lio­nen Ton­nen im­por­tiert, aus Süd­ame­ri­ka und Chi­na. Da die Ver­brau­cher zu­neh­mend Pro­duk­te aus der Re­gi­on wol­len, hat der So­ja­an­bau hier durch­aus Chan­cen.

„Doch es gibt noch kei­nen rich­ti­gen Durch­bruch. Die Zah­len sind er­nüch­ternd“, sagt Jo­hann Ba­chin­ger, Pro­jekt­lei­ter So­ja-an­bau am Leib­niz-zen­trum für Agrar­land­schafts­for­schung (ZALF) in Mün­che­berg. So ist denn auch der An­bau von So­ja­boh­nen in Bran­den­burg der­zeit eher rück­läu­fig: In die­sem Jahr wur­den sie auf 400 Hekt­ar an­ge­baut, 2014 wa­ren es noch 1200 Hekt­ar.

Eu­ro­pa­weit wach­sen Hül­sen­früch­te wie Lu­pi­nen, Erb­sen und So­ja­boh­nen nur auf 1,7 Pro­zent der Agrar­flä­che. In Deutsch­land wer­den der­zeit 19 000 Hekt­ar So­ja­boh­nen laut Deut­schem So­jaför­der­ring an­ge­baut, vor al­lem in Süd­deutsch­land läuft es er­folg­reich.

An­ge­sichts der vie­len Vor­tei­le der Pflan­ze sei das aber ein­fach zu we­nig, meint Ba­chin­ger. So­ja sei nicht nur ein 1a-stick­stoff­lie­fe­rant: Der Stoff wer­de aus der Luft auf­ge­nom­men und dem Bo­den als Dün­ger zur Ver­fü­gung ge- stellt. „Der Ver­brauch an Stick­stoff­dün­ger lässt sich da­mit um gut die Hälf­te re­du­zie­ren“, er­klärt der Wis­sen­schaft­ler.

Da­zu kommt nach An­ga­ben von Ba­chin­ger der Ei­weiß­ge­halt von 40 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Bei Lu­pi­nen liegt er bei 34 bis 39 Pro­zent und bei Mais ge­ra­de ein­mal bei zehn Pro­zent. „Mehr als beim So­ja geht fast nicht“, schwärmt der wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter Mo­ritz Reck­ling vom Mul­ti­ta­lent So­ja. Er un­ter­sucht seit 2014 in Feld­ver­su­chen im In­sti­tut, wie der An­bau sys­te­misch ver­bes­sert wer­den kann.

Die Bran­den­bur­ger For­scher su­chen nun die idea­le An­bau­wei­se, die ge­eig­nets­ten Sor­ten und die bes­ten Mög­lich­kei­ten zur Ver­wer­tung. Un­ter­stützt wird die Ar­beit durch die vom Bund 2014 in­iti­ier­te Ei­weiß­pflan­zen­stra­te­gie. Ziel ist un­ter an­de­rem, die Ei­weiß­ver­sor­gung aus hei­mi­scher Pro­duk­ti­on zu si­chern. Ge­ra­de ist das Pro­jekt bis 2020 ver­län­gert wor­den. 27 Mil­lio­nen Eu­ro Bun­des­mit­tel ste­hen ins­ge­samt be­reit.

Wor­an liegt es, dass der gro­ße Durch­bruch bis­lang aus­bleibt? Für die Pflan­ze sei es ei­ne Her­aus­for­de­rung, sich hier zu be­haup­ten, er­klärt Reck­lin­ger. Sie lie­be Wär­me, be­nö­ti­ge bei gro­ßer Tro­cken­heit Be­wäs­se­rung und müs­se mög­lichst un­kraut­frei ge­hal­ten wer­den.

„So­ja­an­bau ist in Bran­den­burg ein schwie­ri­ges Ge­schäft“, sagt Ul­rich Böhm, Re­fe­rent für all­ge­mei­ne Agrar­po­li­tik des Lan­des­bau­ern­ver­ban­des. Die Er­trags­un­si­cher­heit sei ein­fach zu hoch, das Er­trags­ni­veau zu nied­rig. Zu­dem sei die Züch­tung lan­ge nicht sehr in­ten­siv be­trie­ben wor­den. „Mit mehr Er­trags­sta­bi­li­tät wä­re So­ja auch si­cher ei­ne Pflan­ze für Bran­den­burg. Bis­lang ist es kein loh­nen­des Ge­schäft“, meint er. „Der An­bau wird wohl vor­erst ei­ne Ni­sche blei­ben.“An­ge­sichts des Ab­baus der Tier­be­stän­de sin­ke auch die Nach­fra­ge nach Ei­weiß­fut­ter.

Land­wirt Ge­org Lud­wig im Spree­wald ist ei­ner der we­ni­gen in Bran­den­burg, die So­ja an­bau­en. Seit 2008 steht bei ihm Fut­ter- und Spei­se­so­ja auf dem Acker: an­fangs auf nur gut drei Hekt­ar, heu­te auf zwi­schen 60 bis 80 Hekt­ar. „Als öko­lo­gisch ar­bei­ten­der Be­trieb ist es wich­tig, ei­nen na­tür­li­chen Stick­stoff­lie­fe­ran­ten zu ha­ben“, sagt Lud­wig, Ge­schäfts­füh­rer des Feh­rower Agrar­be­trie­bes in Schmo­grow (Spree-nei­ße). In Süd­bran­den­burg pass­ten die kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen mit den war­men Som­mer­mo­na­ten. „Wir lie­fern Öko-so­ja und ver­die­nen da­mit auch Geld. Sonst wür­den wir das nicht ma­chen“, be­tont er. Fut­ter­so­ja ge­he an Schwei­ne- und Hüh­ner­hal­ter, Spei­se­so­ja wer­de an ei­nen To­fu­her­stel­ler in Süd­deutsch­land ver­kauft.

Für die Pro­du­zen­ten von To­fu aus Berlin – in Bran­den­burg gibt es bis­lang noch kei­nen – ist es bis­lang fast aus­sichts­los, an So­ja aus der Re­gi­on zu kom­men. „Wir brau­chen sta­bi­le Men­gen und ei­ne Preis­ga­ran­tie“, sagt Spre­cher Ma­teusz von der Ber­li­ner To­fu Ma­nu­fak­tur Soy Re­bels, die je­den Sonn­abend auf dem Wo­chen­markt auf dem Ber­li­ner Koll­witz­platz ei­nen Stand hat. Bis­lang be­zie­hen sie So­ja aus Süd­deutsch­land.

Und die Aus­sich­ten für die Re­gi­on? So­ja-for­scher Ba­chin­gers Vi­si­on: In zehn Jah­ren sind rei­fe So­ja­boh­nen mit ih­ren klin­gen­den Scho­ten kei­ne Sel­ten­heit mehr auf den Fel­dern. Die Ern­te­flä­che spielt dann auch in der Sta­tis­tik wie­der ei­ne Rol­le.

Pflan­ze eig­net sich gut als na­tür­li­cher Stick­stoff­dün­ger Bran­den­bur­ger Land­wir­te tun sich noch schwer mit dem An­bau

Foto: dpa/bernd Sett­nik

Prü­fung des Rei­fe­gra­des: Auf ei­nem Ver­suchs­feld des ZALF in Mün­che­berg wer­den So­ja­scho­ten un­ter­sucht. Die Hül­sen­früch­te kom­men so­gar als Flei­scher­satz auf den Tisch. Die Per­spek­ti­ven sind gut. Doch der An­bau steckt noch in den Kin­der­schu­hen.

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