Über 100 000 Wün­sche in Him­mel­pfort Ge­kom­men, um zu blei­ben

Der Ka­na­di­er Mat­t­hew Bar­sa­lo­na von Uni­on Klos­ter­fel­de will sei­nen Traum vom Pro­fi­fuß­ball ver­wirk­li­chen

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Brandenburg -

Him­mel­pfort. Bis zum zwei­ten Ad­vent sind in der Weih­nachts­post­fi­lia­le in Him­mel­pfort (Ober­ha­vel) rund 102 000 Wunsch­zet­tel ein­ge­trof­fen. Die meis­ten Brie­fe an den Weih­nachts­mann ka­men aus Deutsch­land, wie die Deut­sche Post am Frei­tag mit­teil­te. Aus dem Aus­land ka­men die meis­ten aus Chi­na, ge­folgt von Russ­land, Po­len, Ita­li­en und Bul­ga­ri­en. Den wei­tes­ten Weg leg­te bis­lang ein Wunsch­zet­tel aus Süd­afri­ka zu­rück. Im ver­gan­ge­nen Jahr sand­ten et­wa 264 000 Kin­der ih­re Wün­sche nach Him­mel­pfort, rund 20 000 Be­su­cher ga­ben ih­re Brie­fe dort per­sön­lich ab. (dpa) Von Lu­kas Gry­bow­ski

Klos­ter­fel­de. Es gibt vie­le Grün­de, nach Bran­den­burg zu­rück­zu­keh­ren oder als Zu­züg­ler ein neu­es Le­ben zwi­schen Pri­gnitz, Ucker­mark, Flä­ming und Lau­sitz zu be­gin­nen. In un­se­rer neu­en Se­rie stel­len wir Menschen vor, die im mär­ki­schen Land an­ge­kom­men sind. „Ei­gent­lich spie­len in Ka­na­da al­le Eis­ho­ckey, aber ich hab noch nie auf Schlitt­schu­hen ge­stan­den“, er­zählt der Ka­na­di­er Mat­t­hew Bar­sa­lo­na la­chend. Der Fuß­bal­ler der SG Uni­on Klos­ter­fel­de ent­spricht so­mit über­haupt nicht dem ty­pi­schen Kli­schee, das man von Ka­na­di­ern hat. Seit sei­nem drit­ten Le­bens­jahr spielt der 25-jäh­ri­ge Mit­tel­feld­spie­ler Fuß­ball. Zu­erst in sei­nem Hei­mat­land, dann an Us-ame­ri­ka­ni­schen Col­le­ges in De­troit und Kan­sas Ci­ty. Trotz di­ver­ser Jo­b­an­ge­bo­te aus den USA und Ka­na­da hat es Bar­sa­lo­na zu Be­ginn des Jah­res nach Bran­den­burg ver­schla­gen – und zwar mit ei­nem gro­ßen Ziel: Pro­fi­fuß­bal­ler wer­den.

Die­sen Traum ver­folgt er eben­so wie sei­ne bei­den Ge­schwis­ter. Mat­t­hews Bru­der kick­te be­reits in Braun­schweig und gibt ihm heu­te noch ei­ni­ge Sprach­tipps, ob­wohl er mitt­ler­wei­le in der vier­ten spa­ni­schen Li­ga die Fuß­ball­schu­he schnürt. Ein Grund da­für, dass sich der Ka­na­di­er von Be­ginn an in Bran­den­burg hei­misch fühl­te, war sei­ne Schwes­ter. Bis zum Som­mer spiel­te sie bei der Frau­en­mann­schaft von Uni­on Ber­lin und ist nun in der Re­gio­nal­li­ga bei Vik­to­ria Ber­lin ak­tiv. „Es ist wirk­lich schön, je­man­den aus der Fa­mi­lie in der Nä­he zu ha­ben“, sagt er. Da­bei ist die Sport­me­di­zi­ne­rin auch so et­was wie sei­ne Per­so­nal­trai­ne­rin.

Bar­sa­lo­na pro­bier­te im Som­mer zu­nächst sein Glück beim Ober­li­gis­ten FC Straus­berg (5.Li­ga), doch des­sen Ka­der­pla­nung war zu die­sem Zeit­punkt be­reits ab­ge­schlos­sen. In ei­nem Test­spiel kam er je­doch in Kon­takt mit sei­nem jet­zi­gen Trai­ner Gerd Prö­ger, der so­fort von ihm be­geis­tert war. So star­te­te der Ka­na­di­er sei­nen Traum vom Pro­fi­fuß­ball in der Bran­den­burg­li­ga (6.Li­ga) bei der SG Uni­on Klos­ter­fel­de. Da­bei war er zu­nächst et­was skep­tisch, denn ei­ni­ge Ka­na­di­er be­rich­te­ten ihm von den Pro­ble­men, die sie in Deutsch­land hat­ten. Doch für Mat­t­hew lief es al­les ganz an­ders. „Durch die Leu­te im Ver­ein ha­be ich mich so­fort will­kom­men ge­fühlt. Es ist al­les sehr fa­mi­li­är und je­der hilft mir, wo er nur kann“, be­rich­tet der Mit­tel­feld­spie­ler.

Seit Fe­bru­ar nimmt Mat­t­hew, der auch flie­ßend ita­lie­nisch spricht, flei­ßig Deutsch­un­ter­richt. Die gän­gi­gen Be­grif­fe auf dem Platz hat er mitt­ler­wei­le drauf. Sprach­lich ha­pert es noch an der ein oder an­de­ren Stel­le. „Aber ich ver­su­che in der Ka­bi­ne viel mit den Jungs deutsch zu re­den“, er­zählt er. Sport­lich läuft es für ihn und die Klos­ter­fel­der bis­her gut. Kurz vor der Win­ter­pau­se be­le­gen die Bar­ni­mer ei­nen Platz im ge­si­cher­ten Mit­tel­feld der Ta­bel­le. In 14 Spie­len kam Bar­sa­lo­na zehn Mal zum Ein­satz und lie­fer­te ei­ne Tor­vor­la­ge. Be­son­ders die Aus­wärts­fahr­ten durch ganz Bran­den­burg sor­gen im­mer wie­der für Er­stau­nen beim Ka­na­di­er. „Ich se­he so vie­le ver­schie­de­ne Or­te, die ich mir auch au­ßer­halb der Spie­le noch­mal an­schau­en möch­te.“

Die Bran­den­bur­ger Na­tur-und Se­en­land­schaft weckt bei ihm Er­in­ne­run­gen an sei­ne ka­na­di­sche Hei­mat. „Im Som­mer bin ich viel an ver­schie­de­nen Se­en ge­we­sen“, er­zählt er.

Nun be­ginnt für ihn die schöns­te Zeit des Jah­res. „Ich lie­be die Weih­nachts­zeit, aber aus Ka­na­da bin ich viel käl­te­re Tem­pe­ra­tu­ren und je­de Men­ge Schnee ge­wöhnt“, be­rich­tet er. Im Ge­gen­satz da­zu ist er von den ver­schie­de­nen Weih­nachts­märk­ten ab­so­lut be­geis­tert. In sei­ner Hei­mat­stadt To­ron­to in der Pro­vinz On­ta­rio gä­be es le­dig­lich ei­nen ein­zi­gen Weih­nachts­markt. „Ich ha­be das Ge­fühl, dass man sich in Ka­na­da be­son­ders an den deut­schen Weih­nachts­märk­ten ori­en­tiert“, so der 25-jäh­ri­ge. Zum ers­ten Mal in sei­nem Le­ben pro­bier­te er in die­sem Jahr Glüh­wein. „Ich war zu­nächst skep­tisch, aber jetzt bin ich ein gro­ßer Fan da­von“, sagt er schmun­zelnd. In die­sem Jahr wird er Weih­nach­ten aber noch nicht hier ver­brin­gen, son­dern dem­nächst geht es für zwei Wo­chen zu­rück nach Ka­na­da.

Doch im neu­en Jahr gilt es für ihn dann wei­ter am Traum vom Pro­fi­fuß­ball zu ar­bei­ten. „Ich den­ke, für je­den Spie­ler soll­te es das größ­te Ziel sein, Pro­fi zu wer­den“, sagt Mat­t­hew Bar­sa­lo­na. Doch ei­nen Plan B hat er be­reits im Hin­ter­kopf. Dank sei­nes Mas­ter­ab­schlus­ses stün­den ihm auch oh­ne Fuß­ball vie­le Mög­lich­kei­ten of­fen. „Vie­le Fuß­bal­ler, die Pro­fi wer­den wol­len, den­ken nicht an die Zeit da­nach und ha­ben nur den Fo­kus auf Fuß­ball.“Dank sei­nes Mas­ter­ab­schlus­ses in Wirtschaft ar­bei­tet er mo­men­tan für ein ka­na­di­sches Un­ter­neh­men von zu Hau­se aus.

Da­bei wür­de der Ka­na­di­er ger­ne über sei­ne Fuß­bal­ler­kar­rie­re hin­aus in Bran­den­burg blei­ben. „Man weiß na­tür­lich nie, was pas­siert, aber soll­ten die be­ruf­li­chen Um­stän­de pas­sen, kann ich mir de­fi­ni­tiv vor­stel­len, für im­mer hier zu blei­ben“, sagt er ab­schlie­ßend.

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Fo­to: Ser­gej Schei­be

Fo­kus­siert beim Trai­ning: Mat­t­hew Bar­sa­lo­na (rechts) ist seit dem Som­mer bei der SG Uni­on Klos­ter­fel­de. Sei­ne Schwes­ter Danya und sein Bru­der Andrew stre­ben eben­falls ei­ne pro­fes­sio­nel­le Kar­rie­re im Fuß­ball an.

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