Kin­der im In­ter­net nicht ge­schützt

Po­li­zei­ex­per­te emp­fiehlt kla­re­re Re­geln und strik­te­re Ahn­dung von Ver­ge­hen und Straf­ta­ten

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Brandenburg -

Pots­dam. Kri­mi­na­li­tät ist im In­ter­net Nor­ma­li­tät! Die­se The­se stell­te Tho­mas-ga­b­ri­el Rü­di­ger von der Fach­hoch­schu­le der Po­li­zei in Ora­ni­en­burg (Ober­ha­vel) in die­ser Wo­che im In­nen­aus­schuss des Land­ta­ges auf. Was den Kri­mi­no­lo­gen be­son­ders be­wegt sind nicht die gro­ßen Ha­cker­an­grif­fe und Be­trü­ge­rei­en, son­dern wie un­ge­schützt Kin­der und Ju­gend­li­che ge­gen­über se­xu­el­len Be­läs­ti­gun­gen und Be­lei­di­gun­gen sind.

Er ver­wies auf ei­ne Stu­die der zu­fol­ge 45 Pro­zent der Mäd­chen und 15 Pro­zent der Jun­gen im Netz schon se­xu­ell be­läs­tigt wur­den. Gro­ße Ge­fahr ge­he vor al­len von Platt­for­men für On­li­nespie­le aus. Wäh­rend auf ei­nem Spiel­platz sehr genau dar­auf ge­ach­tet wird, dass kei­ne frem- den Er­wach­se­nen Kin­der an­spre­chen, gibt es im Netz kei­ner­lei sol­che Bar­rie­ren. Schließ­lich wer­den die Fo­ren auch von Ex­tre­mis­ten ge­nutzt, um Ju­gend­li­che für ih­re Zwe­cke zu re­kru­tie­ren.

Rü­di­ger for­dert ei­ne Al­ters­be­schrän­kung be­zie­hungs­wei­se ei­ne Al­ter­si­den­ti­fi­zie­rung für Fo­ren, in de­nen sich Kin­der tum­meln so­wie aus­ge­bil­de­te Me­dia­to­ren, die die Chats lei­ten. „Im ana­lo­gen Raum sind Re­geln zum Schutz der Kin­der nor­mal, im Netz lei­der nicht“, so der Po­li­zei­be­am­te. Es rei­che nicht, nach mehr Me­di­en­kom­pe­tenz zu ru­fen, so Rü­di­ger. Ob­wohl auch das ein wich­ti­ger Be­stand­teil der Prä­ven­ti­on ist und zwei Drit­tel der be­frag­ten Schü­ler an­ga­ben, in der Schu­le nicht ge­nug über die Ge­fah­ren des In­ter­nets zu er­fah­ren.

Es müs­se auch den­je­ni­gen Schü­lern, die an­de­re be­lei­di­gen oder be­drän­gen, klar­ge­macht wer­den, dass sie Straf­ta­ten be­ge­hen. Au­ßer­dem soll­te nicht zu­letzt durch mehr Prä­senz von Po­li­zei­be­am­ten in den Chats der Druck auf Tä­ter er­höht wer­den. Wo­bei Rü­di­ger kei­nen Hehl dar­aus mach­te, dass man nicht je­der Be­lei­di­gung nach­ge­hen kann.

Die Fra­ge der Ab­ge­ord­ne­ten, was die Lan­des­po­li­tik an die­ser Stel­le rich­ten kann, be­ant­wor­te­te Rü­di­ger nur va­ge. Na­tür­lich wä­ren auch mehr Po­li­zis­ten not­wen­dig. Vor al­lem mehr, die sich mit In­ter­net­kri­mi­na­li­tät be­schäf­ti­gen. In Deutsch­land sind nur rund 2000 Be­am­te auf die­sem Feld tä­tig, nicht ein­mal ein Pro­zent der Po­li­zis­ten al­ler Bun­des­län­der.

In der glei­chen An­hö­rung warn­te der Ber­li­ner Pro­fes­sor für Po­li­z­ei­fra­gen und Si­cher­heits­ma­nage­ment Jan Rog­gen­kamp vor ei­ner Aus­wei­tung der Po­li­zei­rech­te. Das Smart­pho­ne sei in­ti­mer als ein Ta­ge­buch, da es nicht nur Bil­der, Chats und Su­chen im In­ter­net, son­dern auch ein ge­nau­es Be­we­gungs­pro­fil spei­che­re.

Das Aus­le­sen ei­nes Han­dys sei ein tie­fer Ein­griff in die In­tim­sphä­re und brin­ge mehr Er­kennt­nis­se als der be­tref­fen­den Per­son über sich selbst be­wusst ist. Rog­gen­kamp ver­wies dar­auf, dass die Recht­spre­chung zum Schutz der Bür­ger den neu­en Rea­li­tä­ten um Jah­re hin­ter­her­hin­ke. (thi)

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