Mar­ken­dor­fer in Brie­sen Sechs­te

Flücht­ling Mashal Ma­ref­at boxt erst seit drei Jah­ren / Trai­ner hält gro­ße Stü­cke auf sei­nen Schütz­ling

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Vorderseite - Von Ha­gen Ber­nard

Fuß­ball-lan­des­klas­se-ver­tre­ter Blau-weiss Mar­ken­dorf hat beim Hal­len­tur­nier in Brie­sen den sechs­ten Rang be­legt. Der FC Con­cor­dia Buckow/wald­sie­vers­dorf ge­wann.

Ei­sen­hüt­ten­stadt. Bo­xer Mashal Ma­ref­at von der SG Auf­bau Ei­sen­hüt­ten­stadt hat bis­her le­dig­lich 21 Kämp­fe auf­zu­wei­sen. Den­noch ken­nen ihn laut Ab­tei­lungs­lei­ter Frank von Mer­sew­sky al­le maß­geb­li­chen Trai­ner in Deutsch­land. Schließ­lich ist der Auf­stieg des Flücht­lings aus Af­gha­nis­tan seit sei­ner An­kunft vor drei Jah­ren fu­ri­os.

Zu­letzt war der in Ei­sen­hüt­ten­stadt woh­nen­de 19 Jah­re al­te Ath­let im Rah­men der Lan­des­meis­ter­schaf­ten der Eli­te zum bes­ten Bo­xen sei­ner Al­ters­klas­se ge­kürt wor­den – bei den Män­nern. Im Fi­na­le hat­te er den am Frank­fur­ter Olym­pia­stütz­punkt trai­nie­ren­den Deut­schen U-21meis­ter im Li­mit bis 81 Ki­lo­gramm Erik Kau­li­ski nach Punk­ten be­siegt. Der Auf­bau-kämp­fer agier­te schnel­ler und be­weg­li­cher. „Der Geg­ner war si­cher­lich tech­nisch ei­nen Tick bes­ser, doch Mashal ist wie ei­ne Wal­ze ge­gan­gen. Mit sei­ner Phy­sis und sei­nem Kampf­geist kann er viel er­rei­chen“, er­klärt sein Trai­ner Re­né Hüb­ner. Der 58. der un­ab­hän­gi­gen Welt­rang­lis­te bei den Pro­fis im Crui­ser­ge­wicht stellt sich ihm re­gel­mä­ßig als Spar­rings­part­ner zur Ver­fü­gung. „Ein lie­ber Jun­ge. Man denkt gar nicht, dass er boxt. Er hat als ei­ner von we­ni­gen Flücht­lin­gen sei­nen Schul­ab­schluss ge­macht und ist seit Ok­to­ber Aus­zu­bil­den­der als Fit­ness­kauf­mann bei Aba­sa-ge­sund­heits­sport. Mit sei­ner freund­li­chen Art wird er hier von al­len gut auf­ge­nom­men“, sagt Hüb­ner.

Voll des Lo­bes über den jun­gen Bo­xer und vor al­lem ob sei­ner sport­li­chen Qua­li­tä­ten ist auch Frank von Mer­sew­sky, der ein Vi­deo vom Kampf im De­zem­ber ge­gen den ke­nia­ni­schen WMTeil­neh­mer John Kya­lo Nzio­ka zeigt. „Hier, der Schlag kommt völ­lig un­ver­hofft, der Fürs­ten­wal­der wuss­te gar nicht wo­her. Der Kampf dau­er­te nur 90 Se­kun­den.“Den dun­kel­häu­ti­gen Spree­städ­ter hat­te Ma­ref­at be­reits ein hal­bes Jahr zu­vor im Halb­fi­na­le der Lan­des­meis­ter­schaf­ten be­siegt. „Ei­ne wil­de Kei­le­rei. Da ha­ben bei­de nur aus­ge­teilt. Mashal hat da­bei gro­ße Neh­mer­qua­li­tä­ten be­wie­sen“, hat von Mer­sew­sky zu­letzt ei­ne gro­ße bo­xe­ri­sche Ent­wick­lung aus­ge­macht. Ei­ne Wo­che zu­vor hat­te Ma­ref­at bei ei­nem Tur­nier den zwei­fa­chen Ju­gend-eu­ro­pa­meis­ter Fa­bi­an Thie­me aus Ber­lin be­siegt, der im Früh­jahr Pro­fi wur­de.

Pro­fi will auch Mashal Ma­ref­at wer­den. „Ich kann ihm das nicht aus­re­den“, sagt Re­né Hüb­ner mit ei­nem Lä­cheln. „Wenn er wei­ter so durch­zieht, wird er auch da Er­folg ha­ben und die Hal­len fül­len.“Vor al­lem die in Ei­sen­hüt­ten­stadt, da der 43-jäh­ri­ge Hüb­ner in die­sem Jahr als Ak­ti­ver ab­tre­ten wird.

Sein Pro­fi-de­büt soll Ma­ref­at im Som­mer in Ber­lin ge­ben. Zu­vor wird er noch ein­mal bei den Lan­des­meis­ter­schaf­ten als Ama­teur auf­tre­ten. „Er ist in Deutsch­land der Bes­te. Al­ler­dings muss er vor al­lem im tech­nisch-tak­ti­schen Be­reich ei­ni­ges auf­ho­len. Bo­xen muss man ver­ste­hen, dass will ich ihm bei­brin­gen. Im Ju­gend­be­reich hat er auf­grund sei­ner über­ra­gen­den Phy­sis die Geg­ner be­ein­druckt, bei den Män­nern muss man dar­über hin­aus auch tak­tisch bo­xen kön­nen“, er­klärt der Trai­ner, der laut Mer­sew­ski gleich bei der ers­ten Übungs­ein­heit in der Sport­hal­le am Tro­cken­dock das Po­ten­zi­al des jun­gen Af­gha­nen er­kannt ha­be.

„Er will auch Pro­fi wer­den. Und ich kann ihm das nicht aus­re­den.“Re­né Hüb­ner

Da Mashal kei­ne deut­sche Staats­bür­ger­schaft be­sitzt, sind Aus­wahl­kämp­fe kein The­ma. In sei­ner Hei­mat hat­te er üb­ri­gens nicht ge­boxt. Dass sei­ne El­tern in Af­gha­nis­tan ge­blie­ben sind, sei für ihn ein men­ta­les Pro­blem. „Er muss ei­ni­ges durch­ge­macht ha­ben. Nun gilt es zu ler­nen, dass bei den Kämp­fen aus­zu­blen­den“, er­klärt Hüb­ner. So sei Ma­ref­at bei den Deut­schen U-21-meis­ter­schaf­ten nicht men­tal auf der Hö­he ge­we­sen, war als Fa­vo­rit im ers­ten Ver­gleich aus­ge­schie­den. „Ein Dämp­fer zur rech­ten Zeit. Nach den Er­fol­gen im Früh­jahr hat er es doch ein biss­chen schlei­fen las­sen.“

Ob­wohl Hüb­ner mit Ma­ref­ats Vor­be­rei­tung auf die na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fe un­zu­frie­den war, at­tes­tiert er ihm den­noch ei­nen so­li­den Le­bens­wan­del und ei­nen her­vor­ra­gen­den Cha­rak­ter. „Er ist kon­di­tio­nell im­mer top, raucht und trinkt nicht, hat nie die Schu­le ge­schwänzt, hat sich hin­sicht­lich der deut­schen Spra­che toll ent­wi­ckelt.“Ma­ref­at ist voll auf den Sport fo­kus­siert. Be­fragt zu sei­nen Hob­bies, ent­geg­net er nur „Fit­ness“. Kein Han­dy, kei­nen Com­pu­ter, kei­ne Bü­cher, kei­ne Freun­din ...

Hüb­ner setzt auf ihn als sein Pro­fi-nach­fol­ger in Ei­sen­hüt­ten­stadt. „Er muss auch das lo­cke­re Bo­xen ler­nen. Die­ser Pro­zess dau­ert. Auch ich ha­be ei­ni­ge Zeit da­für be­nö­tigt. Nur wird das hier den Nach­wuchs­ath­le­ten über Jah­re bei­ge­bracht – Mashal boxt aber erst seit drei Jah­ren.“

Foto: Ha­gen Ber­nard

Das Box-ta­lent und sein Men­tor: Mashal Ma­ref­at (links) mit Trai­ner Re­né Hüb­ner

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