AKK lässt Mi­gra­ti­on prü­fen

Vor Klau­sur kün­digt Cdu-che­fin Ex­per­ten­run­de an

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - Vorderseite - Von Ste­fan Ke­gel Im Som­mer 2017 er­leb­ten die Ham­bur­ger ei­ne ran­da­lie­ren­de Men­ge ver­mumm­ter Gestal­ten, die an ver­schie­de­nen Stel­len der Stadt Au­tos an­zün­de­ten, Schei­ben ein­schlu­gen und Ge­schäf­te plün­der­ten. Sol­che Bil­der des ge­fürch­te­ten „Schwar­zen Blocks“

Ber­lin/pots­dam. Un­mit­tel­bar vor der Klau­sur des Cdu-bun­des­vor­stan­des hat Par­tei­che­fin An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er vor Per­so­nal­de­bat­ten ge­warnt. Mit Hin­weis auf Äu­ße­run­gen aus der Par­tei über die nächs­te Kanz­ler­kan­di­da­tur poch­te sie ge­gen­über der „Welt am Sonn­tag“auf ihr Vor­schlags­recht.

Die Cdu-spit­ze hat am Sonn­tag­abend in Pots­dam ih­re zwei­tä­gi­ge Klau­sur be­gon­nen und will dort un­ter an­de­rem ih­ren Kurs für die Eu­ro­pa­wahl und die Land­tags­wah­len in die­sem Jahr ab­ste­cken.

Kramp-kar­ren­bau­er kün­dig­te zugleich ei­ne ge­ne­rel­le Über­prü­fung sämt­li­cher Maß­nah­men rund um die Mi­gra­ti­on an. „Wir wer­den uns die ge­sam­te Ein­wan­de­rungs­fra­ge von dem Schutz der Au­ßen­gren­ze über die Asyl­ver­fah­ren bis zur In­te­gra­ti­on un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wirk­sam­keit an­schau­en“, be­ton­te sie. (dpa) (Leit­ar­ti­kel,

Ber­lin. Viel ist seit den Nsumor­den vom Rechts­ex­tre­mis­mus die Re­de. Der Bun­des­ver­fas­sungs­schutz ist un­ter sei­nem neu­en Chef Thomas Hal­den­wang da­bei, sei­ne ein­schlä­gi­ge Ab­tei­lung per­so­nell auf­zu­sto­cken. Aber wie sieht es auf der an­de­ren Sei­te des po­li­ti­schen Spek­trums aus?

Wie ge­fähr­lich ist die links­ex­tre­me Sze­ne ei­gent­lich?

Wird links­ex­tre­me Ge­walt we­ni­ger ernst ge­nom­men als rech­te?

Ja, sagt der Chem­nit­zer Ex­tre­mis­mus­for­scher Eck­hard Jes­se. „Vie­le sind ein­sei­tig fi­xiert auf ei­nen an­ti­fa­schis­ti­schen Kon­sens.“Lin­ke Ge­walt wer­de mit Rück­sicht auf die his­to­ri­sche Schuld des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­drängt, fügt er hin­zu. Da­bei ge­be es er­kenn­ba­re an­ti­de­mo­kra­ti­sche Be­stre­bun­gen im lin­ken Mi­lieu. Aus­schrei­tun­gen wie in Ham­burg wür­den zu­dem oft mit der Be­grün­dung ver­harm­lost, dies sei un­po­li­ti­scher Kra­wall. „Es muss nicht bei je­dem Tä­ter ei­ne fes­te ideo­lo­gi­sche Fi­xie­rung vor­lie­gen, um zu sa­gen, dass er dem links­ex­tre­men Spek­trum an­ge­hört“, er­klärt Jes­se.

Auch bei den Si­cher­heits­be­hör­den be­ob­ach­tet man ei­ne „Ten­denz der Ver­harm­lo­sung“ge­gen­über Links­ex­tre­men. „Der Kampf ge­gen rechts wird in der Öf­fent­lich­keit eher als le­gi­tim emp­fun­den“, heißt es dort. Das un­ter­mau­ert ei­ne Stu­die der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin von 2015. Dem­nach ver­fügt ein Sechs­tel der Deut­schen über ein links­ex­tre­mes Welt­bild. Je­der fünf­te der Be­frag­ten plä­dier­te für ei­ne Re­vo­lu­ti­on, fast die Hälf­te der Deut­schen lehn­te in der Um­fra­ge das staat­li­che Ge­walt­mo­no­pol ab. Und 60 Pro­zent im Os­ten und 37 Pro­zent im Wes­ten hal­ten den So­zia­lis­mus für ei­ne gu­te Idee, die nur falsch um­ge­setzt wur­de. Lin­ke ver­stün­den es, „ih­re Ge­walt­ta­ten oft gut zu ver­mark­ten“, sag­te Stu­di­en­au­tor Klaus Schro­eder da­mals als Er­klä­rung für die Po­pu­la­ri­tät lin­ker The­sen.

Wie vie­le Straf­ta­ten ge­hen auf das Kon­to von Links­ex­tre­men?

Im Jahr 2017 – ak­tu­el­le­re Zah­len gibt es bis­lang nicht – zähl­te das Bun­des­kri­mi­nal­amt 9752 po­li­tisch links mo­ti­vier­te Straf­ta­ten, da­von 1648 ge­walt­sa­me. Zum Ver­gleich: Rech­te wur­den mehr als dop­pelt so häu­fig straf­fäl­lig: 20 520 Mal; da­bei kam es 1054 Mal zu Ge­walt. Un­ter­schie­de gibt es bei den ein­zel­nen De­likt­for­men, et­wa bei der Ge­walt­kri­mi­na­li­tät. So war bei Links­ex­tre­men et­wa je­de drit­te Ge­walt­tat ei­ne Kör­per­ver­let­zung, bei Rechts­ex­tre­men mehr als 85 Pro­zent. Lin­ke fal­len eher durch Straf­ta­ten wie Land­frie­dens­bruch oder Brand­stif­tung auf.

Ge­gen wen rich­tet sich lin­ke Ge­walt?

Links­ex­tre­mis­ten ha­ben das Image, dass sich ih­re Ge­walt nur ge­gen Sa­chen rich­tet. Das ist al­ler­dings nicht die gan­ze Wahr­heit, denn An­schlä­ge auf Bahn­stre­cken oder Po­li­zei­sta­tio­nen brin­gen auch Men­schen in Ge­fahr. „Der Haupt­feind für den Links­ex­tre­mis­mus sind zum ei­nen Po­li­zis­ten und zum an­de­ren tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Rechts­ex­tre­mis­ten“, hat der Po­li­to­lo­ge Jes­se be­ob­ach­tet. Das wird durch die Zah­len des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes be­stä­tigt. Rund zwei Drit­tel ih­rer Ge­walt­ta­ten ver­schie­de­ner Art rich­te­ten sich im Jahr 2017 ge­gen die Po­li­zei und an­de­re Si­cher­heits­be­hör­den. Dar­über hin­aus gab es auch 264 Über­grif­fe ge­gen Rechts­ex­tre­mis­ten.

Wel­che Stra­te­gie ver­fol­gen Links­ex­tre­mis­ten?

Beim Ver­fas­sungs­schutz sieht man bei Links­ex­tre­men die Ten­denz, Ein­zel­ak­tio­nen grö­ße­ren Aus­ma­ßes zu pla­nen, ver­se­hen mit Be­ken­ner­schrei­ben. „Es wer­den zum Bei­spiel Brand­an­schlä­ge auf Po­li­zei­au­tos be­gan­gen, um auf die­se Wei­se ge­gen Ver­tre­ter des Staa­tes zu pro­tes­tie­ren.“Auch groß­an­ge­leg­te Pro­test­ak­tio­nen wie die Be­set­zung des Ham­ba­cher Fors­tes wür­den durch Links­ex­tre­me un­ter­stützt. Durch so­zia­le Netz­wer­ke sei­en die Mit­glie­der der Sze­ne bes­tens mit­ein­an­der ver­netzt. „Die ex­tre­mis­ti­sche Lin­ke geht plan­voll vor“, sagt der Ver­fas­sungs­schüt­zer. Es ha­be schon im­mer ge­ziel­te Kam­pa­gnen ge­ge­ben, et­wa die Be­set­zung von Bahn­glei­sen ge­gen Atom­trans­por­te oder die Ak­tio­nen ge­gen die neue Zen­tra­le der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank in Frank­furt am Main.

Ist die Zahl der Atta­cken von Links­ex­tre­men ge­gen po­li­ti­sche Geg­ner durch den Auf­stieg der AFD an­ge­stie­gen?

Fotos (2): dpa/ralf Hirschberger/mar­kus Scholz

Aus­schrei­tun­gen in Ber­lin und Ham­burg: Der Schwar­ze Block zog auch 2018 zum 1. Mai durch Kreuz­berg (oben). Im Jahr zu­vor hat­te das Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tel beim G20-gip­fel ein un­ge­ahn­tes Maß an Ge­walt ge­se­hen.

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