Klang-Lo­ko­mo­ti­ven im Kon­zert­haus

Staats­or­ches­ter lie­fert ra­san­te Rhyth­men

Märkische Oderzeitung Schwedt - - Kultur - Von Pe­ter Bus­ke

Zum Klang­tref­fen drei­er gro­ßer Na­tio­nen hat­te das Staats­or­ches­ter im Rah­men sei­nes 5. Phil­har­mo­ni­schen Kon­zerts am Frei­tag in die Frank­fur­ter Kon­zert­hal­le ein­ge­la­den. Mit dem ef­fekt­vol­len Fox­trott für Orches­ter „The Chair­man Dan­ces“(Der Vor­sit­zen­de tanzt) aus der Oper „Ni­xon in Chi­na“des ame­ri­ka­ni­schen Mi­ni­mal-Mu­sik­Mi­ter­fin­ders John Adams hat Chef­di­ri­gent Ho­ward Grif­fiths ein Werk an den Kon­zert­be­ginn ge­stellt, des­sen pul­sie­ren­der Rhyth­mus sich mit aus­schwei­fen­der Me­lo­dien­se­lig­keit ver­bin­det und ei­ne ge­ra­de­zu hyp­no­ti­sche Sog­wir­kung ent­fal­tet.

Hell­klin­gen­des Schlag­werk sorgt für grell­fun­keln­des fern­öst­li­ches Ko­lo­rit. Vol­ler Spiel­witz stür­zen sich die Mu­si­ker in das tanzor­gi­as­ti­sche Aben­teu­er. Doch es gibt auch sen­ti­men­ta­le bis swin­gen­de Ru­he­punk­te. Das al­les wirkt wie ei­ne Lo­ko­mo­ti­ve, die fau­chend Fahrt auf­nimmt, rat­ternd über Schie­nen­stö­ße rast. Als der Dampf aus dem Kes­sel ent­wi­chen ist, kommt sie zum Ste­hen.

Dem Reich der Mit­te ent­stam­men so­wohl Kom­po­nist Tan Dan als auch die Sai­ten­vir­tuo­sin Xu Fen­gxia, die den So­lo­part in sei­nem Kon­zert für Streich­or­ches­ter und Zheng spielt. Ton­tech­nisch ver­stärkt, bringt sie mit raf­fi­nier­tem Zup­fen, wei­chem bis zar­tem Wi­schen oder me­tal­lisch-per­kus­si­vem Fin­ger­strei­chen die 21 Sai­ten der chi­ne­si­schen Wölb­brett­zi­ther zum Klin­gen. Die Mu­si­ker lie­fern ihr atem­be­rau­ben­de Glis­san­di (Ve­rän­de­rung der Ton­hö­he) zu und be­geis­tern mit Stamp­fen, Klat­schen und an­feu­ern­den „Yao“Ru­fen.

Volks­lie­dar­ti­ge Me­lo­di­en ver­mi­schen sich mit abend­län­di­schen Mu­sik­tra­di­tio­nen – fas­zi­nie­rend. Zum Schluss setzt sich auch hier ei­ne Klang-Lo­ko­mo­ti­ve in Be­we­gung, die im­mer schnel­ler wer­dend auf ihr Ziel zu­rollt. Dort, an ei­nem ima­gi­nä­ren Bach, singt sich ein ly­ri­sches Lie­bes­lied lei­se ver­klin­gend aus. Für den stür­mi­schen Ap­plaus be­dankt sich Xu Fen­gxia mit dem ge­zupf­ten und ge­sun­ge­nen, schließ­lich von den Strei­chern be­glei­te­ten mon­go­li­schen Volks­lied „Wei­ße Wol­ken“.

Das Na­tio­nen­tref­fen be­en­det Dmi­tri Schosta­ko­witsch mit sei­ner 5. Sin­fo­nie d-Moll op. 47, die – 1937 in­mit­ten der sta­li­nis­ti­schen „Säu­be­run­gen“ent­stan­den – ein be­klem­men­des zeit­ge­schicht­li­ches Do­ku­ment dar­stellt.

Ho­ward Grif­fiths und die aus­drucks­in­ten­siv auf­trump­fen­den Mu­si­ker deu­ten es mit al­ler er­for­der­li­chen Di­rekt­heit, grel­ler Här­te, trost­lo­ser Trau­er, hoff­nungs­hei­schen­der Kla­ge und trot­zi­gem Auf­be­geh­ren. Da büßt der gro­tes­ke Mi­li­tär­marsch ge­nau­so we­nig von sei­ner Wir­kung ein wie das zu Her­zen ge­hen­de Lar­go oder das lär­men­de, von be­klem­men­den Zu­kunfts­ah­nun­gen ge­präg­te Ju­bel-Fi­na­le. Über­wäl­ti­gend!

Die Mu­si­ker stamp­fen, klat­schen und ru­fen „Yao“

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