Ab­pfiff für den Fuß­ball­za­ren

Abra­mo­witsch will sich vom FC Chel­sea tren­nen

Märkische Oderzeitung Seelow - - Blickpunkt - Von Ste­fan Scholl

Mos­kau. Durch sein En­ga­ge­ment beim Lon­do­ner Fuß­ball­klub FC Chel­sea und sei­ne An­we­sen­heit in den Sta­di­en wur­de Ro­man Abra­mo­witsch ei­ner der be­kann­tes­ten rus­si­schen Olig­ar­chen in Eu­ro­pa. Jetzt denkt er über ei­nen Rück­zug nach.

Pres­se­kon­fe­ren­zen mei­det er, sein letz­tes In­ter­view soll er vor über zwölf Jah­ren ge­ge­ben ha­ben. Aber es gibt Mo­men­te, da öff­net Ro­man Abra­mo­witsch (51) sei­ne See­le sperr­an­gel­weit: Et­wa im Mai 2017, als sich der lang­jäh­ri­ge Chel­sea-Ka­pi­tän John Ter­ry vor dem ju­beln­den Sta­di­on an der Lon­do­ner Stam­ford Bridge ver­ab­schie­de­te und per Mi­kro­fon auch dem „bes­ten Ei­gen­tü­mer im Welt­fuß­ball“dank­te. Abra­mo­witsch stand strah­lend in sei­ner VIP-Lo­ge, wink­te Ter­ry, und fal­te­te sei­ner­seits die Hän­de zu ei­ner de­muts­vol­len Dank­ges­te.

Ein­ein­halb Jah­re nach dem Spie­ler Ter­ry könn­te sich auch der Be­sit­zer Abra­mo­witsch von sei­nem Lieb­lings­klub tren­nen. Seit Mo­na­ten spe­ku­lie­ren die Me­di­en über ei­nen mög­li­chen Ver­kauf Chel­seas, an­geb­lich ver­langt der Rus­se für den Klub die Re­kord­sum­me von drei Mil­li­ar­den Pfund. Da­mit re­agiert der kreml­na­he Geld­mann of­fen­bar auf Pro­ble­me, die die bri­ti­schen Be­hör­den ihm neu­er­dings ma­chen.

Abra­mo­witsch kauf­te den vom Bank­rott be­droh­ten FC Chel­sea im Ju­ni 2003 für 140 Mil­lio­nen Pfund. Und er schob gleich 120 Mil­lio­nen Pfund für Spie­l­er­käu­fe nach, prompt schaff­te es Chel­sea 2004 bis ins Cham­pi­ons­Le­ague-Halb­fi­na­le.

Es folg­ten Jah­re des Gel­des und der Sie­ge. Abra­mo- Lon­don wird zum un­ge­müt­li­chen Pflas­ter: Ro­man Abra­mo­witsch ist auf dem Rück­zug. witschs Mann­schaft hol­te fünf na­tio­na­le Meis­ter- und ei­nen Cham­pi­ons-Le­ague-Po­kal, ins­ge­samt 17 Ti­tel. Da­für gab er bis da­hin un­er­hör­te Sum­men für Spit­zen­spie­ler aus, wie Joe Co­le, Di­dier Drog­ba, Pe­ter Czech oder Ar­jen Rob­ben. Und der Rus­se ver­schliss elf Trai­ner, zahl­te laut dem Bou­le­vard­blatt „The Sun“al­lein 89,3 Mil­lio­nen Pfund Ab­fin­dun­gen an ge­feu­er­te Coachs. Au­ßer­dem, so die „Dai­ly Mail“, 2,5 Mil­li­ar­den Pfund für Ge­häl­ter, wei­te­re 1,5 Mil­li­ar­den für neue Spie­ler.

„Abra­mo­witsch zahl­te als Ers­ter ver­rück­te Sum­men für Fuß­ball­spie­ler, das mach­ten ihm aber bald ara­bi­sche Scheichs in En­g­land oder Frank­reich nach“, sagt Sam­wel Awak­jan, Chef­re­dak­teur des Mos­kau­er Por­tals Sport24.

Abra­mo­witsch wur­de der Mann, der die Mo­de im eng­li­schen Pro­fi­fuß­ball dik­tier­te. Sein Geld pro­du­zier­te sport­li­che Ti­tel, auf die halb Lon­don stolz war. Und halb Russ­land. Die Lon­do­ner Fans skan­dier­ten „Ka­lin­ka, Ka­lin­ka“, in si­bi­ri­schen Pro­vinz­städ­ten er­öff­ne­ten rei­hen­wei­se Pubs mit dem Na­men „Chel­sea“. Und in sei­ner Lo­ge an der Stam­ford Bridge tauch­te Lord Roth­schild auf oder Ber­nie Eccles­to­ne.

Jetzt aber herrscht zwi­schen Bri­ten und Rus­sen ein neu­er Kal­ter Krieg. Nach dem Gift­an­schlag auf Ser­gej Skri­pal im März, für den Groß­bri­tan­ni­en rus­si­sche Ge­heim­dienst­ler ver­ant­wort­lich macht, be­kam auch Abra­mo­witsch Pro­ble­me. Die bri­ti­schen Be­hör­den ver­län­ger­ten sein En­de April aus­ge­lau­fe­nes Vi­sum nicht. Das Par­la­ment er­ließ neue Ge­set­ze ge­gen il­le­ga­le In­ves­ti­tio­nen und neue Sank­ti­ons­lis­ten, auf de­nen auch Abra­mo­witsch ste­hen soll. „Wenn un­se­ren Ge­setz­ge­bern der Mut reicht“, schrieb die Zei­tung „The Ti­mes“, „ge­rät au­ßer sei­nen Im­mo­bi­li­en auch ,Chel­sea’ in Ge­fahr“.

Im Mai be­schaff­te sich der Mil­li­ar­där ei­nen is­rae­li­schen Pass, mit dem er jähr­lich sechs Mo­na­te oh­ne Vi­sum in En­g­land le­ben kann. Aber laut der Agen­tur Bloom­berg hat er sich dort seit Mo­na­ten nicht mehr bli­cken las­sen. Und Chel­sea stopp­te den ge­plan­ten Aus­bau des Sta­di­ons an der Stam­ford Bridge.

Der Ab­schied von sei­nem Lieb­ling wür­de Abra­mo­witsch wohl sehr weh tun. Ob­wohl Ex­per­ten der Be­ra­ter­ge­sell­schaft KPMG den Wert des Ver­eins auf 1,26 Mil­li­ar­den Pfund ta­xie­ren, lehn­te Abra­mo­witsch im Ju­ni ein An­ge­bot des bri­ti­schen Groß­in­dus­tri­el­len Bill Rat­clif­fe von über 2 Mil­li­ar­den Pfund glatt ab, so die Zei­tung „Mos­kow­ski Kom­so­mol­jez“.

Vi­el­leicht auch, weil Abra­mo­witsch nicht weiß, wo­hin mit die­ser Sum­me. Als Un­ter­neh­mer mit viel frei­em Geld droht ihm in Russ­land, dass der Kreml ihn für staat­li­che Groß­pro­jek­te zur Kas­se bit­tet.

An­geb­lich ver­langt er drei Mil­li­ar­den Pfund für sei­nen Club

Fo­to: dpa

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