Die Ner­vo­si­tät wächst

Ju­so-Chef Küh­nert wehrt sich ge­gen Kri­tik von Nah­les / SPD-Lin­ke su­chen nach Al­ter­na­ti­ven zur Gro­ko

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Nachrichten -

Ber­lin. Nur we­ni­ge Ta­ge vor der Bayernwahl und im An­ge­sicht ver­hee­ren­der Um­fra­ge­wer­te ver­lie­ren füh­ren­de Lin­ke in der SPD lang­sam die Ge­duld mit ih­rer Par­tei­füh­rung. Un­ge­wohnt deut­lich mel­de­te sich am Don­ners­tag Ju­so-Chef Ke­vin Küh­nert zu Wort. „Die Par­tei­spit­ze woll­te die­se Ko­ali­ti­on“, sag­te er die­ser Zei­tung. „Sie hat nun die Auf­ga­be, Ori­en­tie­rung zu bie­ten und drin­gend not­wen­di­ge Frei­räu­me für die Er­neue­rungs­de­bat­te zu schaf­fen. Das ist bis­lang nicht ge­lun­gen.“

An­lass für Küh­nerts An­sa­ge ist ein In­ter­view, das Par­tei­che­fin Andrea Nah­les der Wo­chen­zei­tung „Die Zeit“ge­ge­ben hat­te. Dar­in ver­lang­te sie nicht nur ei­nen Ab­schied von der Agen­da 2010, son­dern nahm sich auch die Kri­ti­ker der gro­ßen Ko­ali­ti­on zur Brust. „Wir ha­ben ei­ni­ge har­te Mo­na­te hin­ter uns. Und mich nervt vor al­lem eins: die Un­duld­sam­keit. Po­li­tik braucht lan­ge Li­ni­en.“Sie wis­se je­doch, dass „ei­ne klei­ne Grup­pe in der SPD nicht glau­ben will, dass man sich auch in­ner­halb ei­ner Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on er­neu­ern kann“.

Das will Küh­nert nicht auf sich sit­zen las­sen: „Wenn sich Andrea Nah­les nun an den Kri­ti­kern ab­ar­bei­tet, dann ver­kennt sie die tief­sit­zen­de Un­zu­frie­den­heit in wei­ten Tei­len der Par­tei­ba­sis.“Er warnt: „Kri­ti­sche Stim- men klein­zu­re­den, die in Sor­ge um die So­zi­al­de­mo­kra­tie sind, wird den Gr­a­ben zwi­schen Ba­sis und Spit­ze wei­ter ver­tie­fen. Ich ha­be dar­an kein In­ter­es­se und kann nur ein­dring­lich ap­pel­lie­ren, Ur­sa­che und Wir­kung jetzt nicht zu ver­wech­seln.“Al­le in der SPD sei­en sich ei­nig, „dass wir mit der ak­tu­el­len La­ge nicht zu­frie­den sein kön­nen“.

Da­mit meint Küh­nert nicht nur den zu er­war­ten­den Ab­sturz der Par­tei am Sonn­tag in Bay­ern. Auch in den bun­des­wei­ten Um­fra­gen ist die La­ge der SPD ver­hee­rend. Im jüngs­ten ARD-„Deutsch­land­trend“liegt die Par­tei zum ers­ten Mal über­haupt hin­ter Uni­on, Grü­nen und AfD auf Platz vier. Nur noch 15 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten wür­den für die SPD stim­men, drei Pro­zent­punk­te we­ni­ger als vor ei­nem Mo­nat.

Küh­nert und an­de­re füh­ren­de Par­tei­lin­ke kom­men auch des­halb an die­sem Wo­che­n­en­de in Ber­lin zu­sam­men, um sich für das De­bat­ten­camp ih­rer Par­tei im No­vem­ber auf­zu­stel­len. Be­reits vor­her ha­ben sechs von ih­nen ei­nen Auf­ruf mit dem Ti­tel „Lasst uns kämp­fen, Ge­nos­sin­nen und Ge­nos­sen!“ver­öf­fent­licht. Dar­in for­mu­lie­ren sie als Ziel ei­ne „ech­te Po­li­ti­kal­ter­na­ti­ve: ei­ne Re­gie­rung dies­seits der Uni­on und im Bünd­nis mit den vie­len!“(mpu)

Fo­to: dpa

Ke­vin Küh­nert

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