Der­by-Klas­si­ker in Grün­hei­de

Ru­de­rin Ne­le Schulz aus Hen­ni­cken­dorf be­rei­tet sich auf die Welt­meis­ter­schaf­ten in Ja­pan vor

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Front Page - Von Ed­gar nEm­schok

In der Hand­bal­lOber­li­ga der Män­ner kommt es am Sonn­abend zum Du­ell der be­son­de­ren Art: Der Grün­hei­der SV emp­fängt den MTV Alt­lands­berg zum Der­by-Klas­si­ker.

Hen­ni­cken­dorf. Für Ne­le Schulz war das Jahr 2018 das er­folg­reichs­te in ih­rer noch jun­gen Kar­rie­re. Die erst 16-jäh­ri­ge Ru­de­rin aus Hen­ni­cken­dorf wur­de in Köln Zwei­te der Deut­schen Meis­ter­schaf­ten bei den B-Ju­nio­ren (Vie­rer oh­ne Steu­er­frau) und hat ih­re Ren­nen beim Bal­tic-Cup im pol­ni­schen Krus­zwi­ca – eben­falls im Vie­rer– ge­won­nen.

Jetzt be­ginnt das Win­ter­trai­ning, das dann mit der er­folg­rei­chen Teil­nah­me an der WM 2019 in To­kio ei­nen Hö­he­punkt fin­den soll. Es wer­den har­te und ein­sa­me Wo­chen für das Hen­ni­cken­dor­fer Ru­der­ta­lent.

Für Ne­le Schulz stand schon früh fest: „Ru­dern, das ist ge­nau mei­ne Sport­art.“Und so selbst­be­wusst wie sie sagt, dass sie in ih­rem Sport er­folg­reich sein will und wird, so si­cher weiß sie auch heu­te schon, dass sie ein­mal Psy­cho­lo­gin wer­den möch­te. Und sie weiß zu­dem, dass sie ihr Stu­di­um mög­lichst in Lon­don ab­sol­vie­ren wird. „Lon­don ist ei­ne tol­le Stadt. Ich mag die Spra­che und al­les ty­pisch Eng­li­sche. Das reicht vom Tee bis hin zu Kri­mis von Aga­tha Chris­tie. In En­g­land hat al­les ein we­nig mehr Stil – ich mag das sehr“, be­ginnt sie zu schwär­men. „Ich war schon ein­mal mit mei­ner Mut­ter in der bri­ti­schen Haupt­stadt shoppen und auf Mu­se­ums­tour und ha­be mich in die Stadt ver­liebt.“Doch das mit dem Be­rufs­wunsch ist noch ein Stück Zu­kunft.

Dass Ne­le Schulz ir­gend­wann ein­mal beim Was­ser­sport lan­den wür­de, lag auch ein biss­chen in der Fa­mi­lie. Va­ter Ar­min ist er­folg­rei­cher Se­gel­sport­ler und Mut­ter Ka­trin Mit­glied bei der DLRG Hen­ni­cken­dorf. Ka­trin Schulz wirft aber so­fort ein: „Ne­les Leis­tungs­sport­be­geis­te­rung toppt al­les!“

Vor dem Ru­der­sport hat­te sie es mit Schwim­men, Tur­nen und Tan­zen ver­sucht. Ein Be­such des Rü­ders­dor­fer Ru­der­ver­eins mit der da­ma­li­gen Grund­schul­klas­se ver­än­der­te al­les. Ne­le kam so­fort mit dem wack­li­gen Ru­der­boot klar, hat­te kei­ne Angst. Ers­te Er­fol­ge bei Kin­der­re­gat­ten stell­ten sich ein. Die Mär­ki­sche Oder­zei­tung be­rich­te­te da­mals über das Kin­der­trai­ning am Rü­ders­dor­fer Ru­der­ver­ein und schon da hat­te der Re­dak­teur so ei­ne Vor­ah­nung. Ne­le wur­de für ein Por­trät­fo­to po­si­tio­niert mit den Wor­ten: „Man kann ja nie wis­sen …“Wa­ren Ne­les kör­per­li­che Vor­aus­set­zun­gen zu Be­ginn auch nicht un­be­dingt die bes­ten (eher dünn und leicht, wenn auch größer als an­de­re in ih­rem Al­ter), trai­nier­te sie von An­fang an hart und dis­zi­pli­niert. Als sich dann auch ganz schnell Er­fol­ge ein­stell­ten, stand für sie fest: „Ru­dern wird ein wich­ti­ger Teil in mei­nem Le­ben.“In­zwi­schen noch et­was ge­wach­sen, ist sie heu­te mit 175 Zen­ti­me­ter Kör­per­grö­ße eher klein und mit 67 Ki­lo­gramm auch et­was leicht für ei­ne Ru­de­rin, macht das aber mit gu­ter Tech­nik wett. „Am Ge­wicht ar­bei­te ich noch“, sagt sie la­chend.

Aus­schlag­ge­bend war aber ihr fes­ter Wil­le: „Wenn ich ein Ziel vor Au­gen ha­be, dann zie­he ich das auch durch und ma­che da­bei kaum Ab­stri­che“, er­klärt sie. Und sie hat auch schon mar­ki­ge Sprü­che pa­rat: „Mein Mot­to: Schreib dei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te“, sagt sie zum Bei­spiel. Und auch sonst ist sie sehr di­rekt: „Ich bin schon ein Te­am­play­er, aber mei­ne An­spra­che – ich sit­ze auf Schlag – ist recht deut­lich. Das ge­hört ein­fach da­zu“, sagt sie mit Be­stimmt­heit.

Wich­tig ist ihr aber auch: „Was auf dem Was­ser ist, bleibt auf dem Was­ser. An Land ist es dann wie­der gut.“Für aus­gie­bi­ge Fei­ern hat sie nichts üb­rig. „Das Ge­win­nen ist mir wich­tig, nicht un­be­dingt die Me­dail­le oder der Tru­bel da­nach ...“Auf die zwei schö­nen Gol­de­nen vom Bal­ticCup ist sie trotz­dem stolz: „Mein ers­ter Start für Deutsch­land, das wird im­mer et­was Be­son­de­res sein!“

Vor dem Sieg im pol­ni­schen Krus­zwi­ca war sie mit dem Vie­rer oh­ne Steu­er­frau bei der Deut­schen Meis­ter­schaft in Köln Zwei­te ge­wor­den. Ein rie­si­ger Er­folg, nach­dem sie mit „ih­ren“Ber­li­ner Mäd­chen erst we­ni­ge Wo­chen vor­her aus dem Be­reich der Skul­ler in den der Rie­men­ru­de­rer ge­wech­selt war. „Da hat nie­mand mit uns ge­rech­net, das war ir­re. An uns ge­glaubt hat nur un­ser Trai­ner Gui­do Kut­scher, der dann auch das Boot für den Bal­tic-Cup trai­niert hat.“

Seit vier Jah­ren ist sie Schü­le­rin an der Ber­li­ner Fla­tow-Ober­schu­le, die auch den Bei­na­men Eli­te­schu­le des Sports trägt, seit Sep­tem­ber in der Abitur­stu­fe. Sechs Ta­ge in der Wo­che wird Ru­dern trai­niert. Ein har­tes Pro­gramm. Bei Wett­kämp­fen star­tet sie für die Ru­der­ge­mein­schaft Ro­ta­ti­on Ber­lin, ist aber auch dem Rü­ders­dor­fer Ru­der­ver­ein Kalk­ber­ge sehr ver­bun­den.

Wo­her nimmt sie ei­gent­lich die­ses Selbst­be­wusst­sein und ih­re Ziel­stre­big­keit? Ih­re Mut­ter Ka­trin hat ei­ne Er­klä­rung. „Ne­le hat sich durch den Sport früh ent­wi­ckelt. Sie lebt im In­ter­nat, ist in vie­len Din­gen schu­lisch wie sport­lich auf sich selbst ge­stellt und da­durch im Lau­fe der Jah­re wirk­lich ge­reift. Ei­ne gro­ße Un­ter­stüt­zung er­fuhr un­se­re Toch­ter ne­ben den Trai­nern Maik Schuldt und Gui­do Kut­scher auch durch das En­ga­ge­ment der Sport­psy­cho­lo­gin Prof. Dr. Mai­te Iri­ar­te Re­go.“

Die Ru­der­sai­son in die­sem Jahr geht zu En­de, ob­wohl Ne­le Schulz sagt: „So lan­ge kein Eis auf dem Was­ser ist, ru­dern wir auch drau­ßen.“Die Herbst­fe­ri­en ver­brach­te sie da­her im Ru­der­zen­trum am Ho­hen­zol­lern­damm und am Wann­see. Ne­ben dem Ru­dern wur­de auch viel ge­lau­fen oder Fahr­rad ge­fah­ren. Und da hat Ne­le dann doch noch ei­nen Wunsch: „Ein Renn­rad wä­re toll, da ist mein ein­fa­ches Ci­ty­bike nicht mehr so op­ti­mal …“

Aber das wird wohl noch et­was war­ten müs­sen, gibt es zu­nächst noch wich­ti­ge­re Sa­chen wie z. B. ei­ne Puls­uhr an­zu­schaf­fen. Auch zu den Start­gel­dern sind Ei­gen­an­tei­le zu leis­ten. Zum Schluss hat sie dann noch ei­nen recht über­ra­schen­den Satz pa­rat. Auf den gu­ten Wunsch: „Ne­le, viel Glück für dich!“kommt als Ant­wort prompt: „Wün­schen Sie mir viel Er­folg, Glück braucht man nicht da­für.“

Fo­to: privat

Er­folg­rei­ches Team: Ne­le Schulz auf Schlag, da­hin­ter Ma­ren Rö­werkamp, Ele­na von Mül­ler und im Bug Ame­lie Sens

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