Mehr Re­spekt vor den To­ten

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - REGION IM BLICK - Volk­mar Ernst

Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, zu trau­ern. Das kann die letz­te Ru­he­stät­te des Ver­stor­be­nen auf dem Fried­hof sein. Es kann aber eben­so ein Lieb­lings­ort sein, an dem er sich ger­ne auf­hielt und ent­spann­te. Für vie­le Hin­ter­blie­be­ne von Un­fall­op­fern ist es je­ner Ort, an dem der ge­lieb­te Mensch zu To­de kam – wie die am Stra­ßen­rand im­mer wie­der auf­tau­chen­den Kreu­ze, St­ei­ne oder Ker­zen be­le­gen. Auch die wei­ßen Fahr­rä­der, die auf das Schick­sal ver­un­glück­ter Rad­ler hin­wei­sen, ge­hö­ren da­zu. Die Hin­ter­blie­be­nen brau­chen die­se Or­te, um in Ge­dan­ken die Ver­bin­dung mit dem To­ten zu hal­ten. Die­se durch Schmie­re­rei­en zu ent­wei­hen oder so­gar Blu­men oder Er­in­ne­rungs­stü­cke zu steh­len, das geht gar nicht. Es gibt kei­ne Not und kei­ne Wut, durch die ein sol­ches Han­deln ge­recht­fer­tigt wer­den kann. Wer so et­was tut, soll­te sich die Fra­ge stel­len, wie er mit ei­nem Ver­lust um­geht. Und da­mit ist nicht der ge­stoh­le­ne Ge­gen­stand ge­meint, son­dern die Her­ab­wür­di­gung des To­ten.

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