Hal­be Sa­chen

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - REGION IM BLICK -

Es hat Zei­ten ge­ge­ben, da wä­re ich se­lig ge­we­sen, wenn mir je­mand von sei­ner Schnit­te die Hälf­te ab­ge­bro­chen hät­te. Man ist of­fen­sicht­lich nicht ver­pflich­tet, das Gan­ze zu ver­schen­ken. Auch Hälf­ten kön­nen sehr hilf­reich sein. Ich kom­me bei mei­nen Ge­schenk­ak­tio­nen lan­ge nicht an die Hälf­te, die der Hei­li­ge Mar­tin sich vom Her­zen ge­ris­sen hat. Un­ser­eins hat noch kein hal­bes Bank­kon­to für ein Hilfs­werk ge­ge­ben, son­dern Schnip­sel­chen und Kle­cker­chen. Was war das nun mit Mar­tins hal­bem Man­tel? Der war die Uni­form des Of­fi­ziers und zeig­te sei­nen Di­enstrang an. Für die­sen Man­tel gab es stren­ge Vor­schrif­ten. Er durf­te bei Stra­fe der De­gra­die­rung nicht ver­äu­ßert wer­den. Mar­tin hät­te dem Bett­ler die Uni­form nicht ge­ben kön­nen, ge­nau­so we­nig wie ein Bun­des­wehr­ge­ne­ral sei­nen Waf­fen­rock in die Klei­der­samm­lung der Volks­so­li­da­ri­tät le­gen kann. Hier könn­te die Sa­che oh­ne Er­geb­nis en­den.

Sie tut es nicht. Mar­tin trifft ei­ne ver­blüf­fen­de Ent­schei­dung. Es ist ver­bo­ten, den Of­fi­ziers­man­tel weg­zu­ge­ben. In der Vor­schrift aber steht nichts da­von, dass man nicht die Hälf­te von die­ser Uni­form ab­schnei­den dür­fe. Al­so macht er zwei Hälf­ten aus ei­nem Of­fi­ziers­man­tel. So be­hält er die Uni­form nicht der Län­ge, aber der Vor­schrift nach.

Das ist kei­ne hal­be Ge­schich­te, son­dern gan­ze Nächs­ten­lie­be mit Pfiff. Da kön­nen wir uns ei­ne Schei­be ab­schnei­den. Klaus Wey­ers Der Au­tor ist Pfar­rer i.R. der ka­tho­li­schen Ge­mein­de Gran­see.

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