Un­er­war­te­te Miss­stän­de

1993 star­te­te die Haf­leg und ent­wi­ckel­te sich zum Vor­zei­ge­be­trieb / Nach viel Lob häuf­te sich auch Kri­tik

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - REGION IM BLICK - Von Mar­kus klu­ge und Chris­ti­an sC­hön­berg

Ha­ken­berg. Die Auf­nah­men von grau­sa­men Tier­quä­le­rei­en in der Ha­ken­ber­ger Fleisch Gm­bH (Haf­leg) ha­ben vie­le Men­schen ge­schockt. Die Staats­an­walt­schaft hat Er­mitt­lun­gen ein­ge­lei­tet, die Bau­ern­ver­bän­de wol­len Kon­se­quen­zen zie­hen und die Haf­leg will Feh­ler auf­ar­bei­ten.

Wer das Vi­deo der Tier­schüt­zer von Ani­mal Rights Watch sieht, ist ob der blu­ti­gen Bil­der und der Ge­walt ge­gen Tie­re scho­ckiert. Wer da­zu den Be­trieb et­was kennt, kann kaum glau­ben, dass so et­was dort pas­siert ist. Schließ­lich mach­te der Schlacht­hof über Jah­re Schlag­zei­len – we­gen der her­vor­ra­gen­den Fleisch­qua­li­tät, die er lie­fert und mit ei­ner Aus­zeich­nung des „Fein­schme­ckers“. Ge­lobt wur­de bei­spiels­wei­se auch der in­no­va­ti­ve Zu­trieb oh­ne Ecken und Kan­ten, der Stress für die Tie­re auf dem Weg ins Schlacht­haus ver­mei­den soll.

Die Haf­leg ist ei­ne Toch­ter der Rhin­milch-Grup­pe, ei­ner der größ­ten Milch­pro­du­zen­ten in der Re­gi­on. Der Land­wirt­schafts­be­trieb hält im Grün­land aber auch Mut­ter­kü­he und Mas­t­rin­der für die Fleisch­ge­win­nung. Nach­dem in der Re­gi­on 1992 die letz­te Not­schlach­tung ge­schlos­sen wur­de, bau­te die Rhinmlich 1993 mit der Haf­leg ei­nen ei­ge­nen Schlacht­hof in Ha­ken­berg auf – auch um die Trans­port­we­ge für die ei­ge­nen Tie­re und die der Land­wir­te in der Re­gi­on kurz zu hal­ten. Denn, wie Ge­schäfts­füh­rer Jens Win­ter stets be­ton­te, min­dern die Hor­mo­ne, die die Tie­re in Stress­si­tua­tio­nen aus­sto­ßen, die Qua­li­tät des Flei­sches. „Un­se­re Ver­ant­wor­tung für ei­ne ru­hi­ge Ent­la­dung und ei­ne stress­ar­me Schlach­tung der Tie­re neh­men wir sehr ernst. Denn all die­se Kom­po­nen­ten sind wich­tig für die ho­he Fleisch­qua­li­tät, die Sie, als Ver­brau­cher, schluss­end­lich von uns er­war­ten“, heißt es auf der Haf­leg-In­ter­net­sei­te. In die Er­wei­te­rung und Mo­der­ni­sie­rung des Schlacht­ho­fes wur­den 2010 rund 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert. Durch ei­ne Glas­schei­be im Hof­la­den kann seit­dem auch je­der den Flei­schern beim Zer­le­gen der Tie­re zu­schau­en. In gro­ßen Kühl­räu­men reift das Fleisch et­wa drei Wo­chen, da­mit es be­son­ders zart wird.

2016 mach­te der Schlacht­be­trieb erst­mals Ne­ga­tiv-Schlag­zei­len. In je­nem Jahr warf die Haf­leg ei­nen Flei­scher we­gen Tier­rechts­ver­stö­ßen raus. Er klag­te da­ge­gen und stand spä­ter selbst we­gen Tier­quä­le­rei vor Ge­richt. Das Ver­fah­ren wur­de ge­gen die Zah­lung ei­nes Geld­be­trags ein­ge­stellt. Sein An­walt Hans-Ge­org Rie­ger wie­der­hol­te nach dem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Vi­deo­ma­te­ri­al, dass es schon 2015 er­heb­li­che Tier­wohlVer­stö­ße ge­ge­ben ha­be, die sein Man­dant be­an­stan­det ha­be. „Wir ha­ben die­se Miss­stän­de am 29. No­vem­ber 2016 an­ge­zeigt“, so Rie­ger. Das be­traf nicht nur den Ver­dacht der Kor­rup­ti­on ge­gen ei­nen vom Amt be­stell­ten Tier­arzt, der bei der Haf­leg kos­ten­los Früh­stück be­kom­men hat­te, was sein Man­dant un­ter­bun­den und des­halb Är­ger be­kom­men ha­be.

Da­zu er­mit­telt ak­tu­ell die Staats­an­walt­schaft. Sei­nem Man­dan­ten sei da­mals vom be­trof­fe­nen Tier­arzt ge­sagt wor­den, er sol­le das „rück­gän­gig ma­chen“, sonst wür­de er das be­reu­en. Da­mit im Zeu­gen­stand kon­fron- tiert, ver­wei­ger­te der Ve­te­ri­när die Aus­sa­ge, nach­dem der Rich­ter dar­auf auf­merk­sam mach­te, dass er sich nicht selbst straf­recht­lich be­las­ten müs­se. Al­ler­dings sei es laut Rie­ger bei den An­zei­gen nicht nur um Kor­rup­ti­on, son­dern auch um Tier­wohlver­stö­ße ge­gan­gen. Ein wei­te­rer Rin­der­hal­ter, der na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den möch­te, ha­be vor ei­ni­gen Jah­ren ein Tier zum Schlach­ten zur Haf­leg ge­bracht, am nächs­ten Tag aber die In­ne­rei­en wie Le­ber und Zun­ge nicht wie­der­be­kom­men. In ei­nem an­de­ren Fall woll­te er das Fell sei­nes Tie­res zu­rück. „Das wird nor­ma­ler­wei­se in Salz ein­ge­legt. Da ist aber gar nichts pas­siert und es war vol­ler Ma­den“, sag­te er. Die­ser Fall wird sich nicht mehr auf­klä­ren las­sen. Die jüngs­ten do­ku­men­tier­ten Vor­fäl­le, die zur Still­le­gung des Be­trie­bes ge­führt ha­ben, weil dem Per­so­nal die Er­laub­nis zum Schlach­ten ent­zo­gen wur­de, ar­bei­ten jetzt Staats­an­walt­schaft und Ve­te­ri­när­amt auf.

An­walt ei­nes An­ge­stell­ten wirft Haf­leg wei­te­re Ver­stö­ße vor

Qu­el­le: Ani­mal Rights Watch

Bil­der des Grau­ens: Wer die Auf­nah­men der Tier­schüt­zer aus dem Ha­ken­ber­ger Schlacht­hof ein­mal ge­se­hen hat, wird sie so schnell nicht mehr ver­ges­sen. We­gen der Tier­rechts­ver­stö­ße er­mit­teln nun Staats­an­walt­schaft und Ve­te­ri­när­amt.

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