Blick in die Ster­nen­kin­der­stu­be

Team un­ter Köl­ner Be­tei­li­gung zeigt: Win­de ei­nes jun­gen Sterns ver­hin­dern die Bil­dung neu­er Ster­ne im Ori­on­ne­bel

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - RAT & TAT - Von An­ne­lie­se oden­t­hAl

Der Stern­wind ei­nes neu­ge­bo­re­nen Sterns im Ori­on­ne­bel ver­hin­dert, dass wei­te­re neue Ster­ne ent­ste­hen. Zu die­sem Er­geb­nis kommt ein in­ter­na­tio­na­les For­scher-Team.

Un­ter Lei­tung von Wis­sen­schaft­lern der Uni­ver­si­tä­ten Lei­den und Köln so­wie un­ter Be­tei­li­gung des Son­der­for­schungs­be­rei­ches 956 “Be­din­gun­gen und Aus­wir­kun­gen der Ster­n­ent­ste­hung – Astro­phy­sik, In­stru­men­tie­rung und La­bor“wur­den Da­ten des Stra­to­sphä­ren-Ob­ser­va­to­ri­ums für In­fra­rot-As­tro­no­mie (So­fia) der Nasa aus­ge­wer­tet. Die Ent­de­ckung ist über­ra­schend, da man bis­her da­von aus­ging, dass an­de­re Pro­zes­se wie et­wa ex­plo­die­ren­de Ster­ne, so­ge­nann­te Su­per­no­vae, für die Re­gu­lie­rung der Sternen­ent­ste­hung ver­ant­wort­lich sind.

Die Be­ob­ach­tun­gen mit So­fia le­gen al­ler­dings na­he, dass jun­ge Ster­ne Win­de er­zeu­gen, die das für die Ent­ste­hung neu­er Ster­ne er­for­der­li­che Ma­te­ri­al weg­we­hen. Die Pu­bli­ka­ti­on „Dis­rup­ti­on of the Ori­on Mole­cu­lar Co­re 1 by the stel­lar wind of the mas­si­ve star 1 Ori C“wur­de im Fach­jour­nal Na­tu­re ver­öf­fent­licht.

Der Ori­on­ne­bel ist ei­ner der am bes­ten er­forsch­ten und meist kar­tier­ten Ob­jek­te des Nacht­him­mels. Er ist die Ster­nen­kin­der­stu­be, die der Er­de am nächs­ten liegt, und lie­fert wich­ti­ge Er­kennt­nis­se dar­über, wie Ster­ne ent­ste­hen. Ein Gas­schlei­er macht die­sen Ne­bel be­son­ders ein­drucks­voll, ver­hin­dert aber auch die Sicht auf die Stern­bil­dungs­pro­zes­se. In­fra­ro­tes Licht kann die­sen Schlei­er al­ler­dings durch­drin­gen, so­dass spe­zi­el­le Ob­ser­va­to­ri­en wie So­fia die Ge­heim­nis­se der Ster­n­ent­ste­hung lüf­ten kön­nen.

Im Her­zen des Ne­bels liegt ei­ne klei­ne Grup­pe jun­ger, mas­si­ver und leuch­ten­der Ster­ne. SO­FIA-Be­ob­ach­tun­gen mit dem hoch­auf­lö­sen­den Emp­fän­ger für Fern­in­fra­rot-Spek­tro­sko­pie GRE­AT (Ger­man Re­cei­ver for Tera­hertz Fre­quen­ci­ues) ent­hül­len erst­mals, dass die star­ken Stern­win­de des hells­ten jun­gen Sterns The­ta Orio­nis C ei­ne gro­ße Men­ge Ma­te­ri­al aus der Wol­ke, in der der Stern ent­stan­den ist, weg­ge­fegt ha­ben. Dies kann man sich vor­stel­len wie bei ei­nem Schnee­pflug, der die Stra­ße räumt, in­dem er Schnee wäh­rend der Fahrt an den Rand drückt. „Die­ser Wind ist für ei­ne rie­si­ge Bla­se rund um die zen­tra­len Ster­ne ver­ant­wort­lich“er­klärt Cor­ne­lia Pabst von der Uni­ver­si­tät Lei­den (Nie­der­lan­de), die Haupt­au­to­rin der Stu­die. „Er durch­bricht die Wol­ke und ver­hin­dert so die Ge­burt neu­er Ster­ne.“

„Die groß­räu­mi­ge Ori­on C+Be­ob­ach­tung zeigt, dass sol­che groß­räu­mi­gen Be­ob­ach­tun­gen mit So­fia/upG­re­at mög­lich sind. Im Ver­gleich zu frü­he­ren In­stru­men­ten er­laubt der Emp­fän­ger die Be­ob­ach­tung gro­ßer Re­gio­nen in kür­ze­rer Zeit, sagt Ro­n­an Higg­ins, der Pro­jekt­lei­ter von Köl­ner Sei­te.

So­fia ist ein mo­di­fi­zier­tes Flug­zeug Bo­eing 747 SP, das mit ei­nem 2,7 Me­ter-Durch­mes­ser gro­ßen Te­le­skop aus­ge­stat­tet ist. Es ist ein ge­mein­sa­mes Pro­jekt der NASA und des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR). Da die Bo­eing über dem Groß­teil des Was­ser­damp­fes der Erd­at­mo­sphä­re fliegt, der an­sons­ten In­fra­rot­licht ab­blockt, kön­nen sie die phy­si­ka­li­schen Ei­gen­schaf­ten von Ster­nen­win­den er­for­schen. Wis­sen­schaft­ler nut­zen das Gre­at-In­stru­ment an So­fia, um die Spek­tral­li­ni­en io­ni­sier­ten Koh­len­stoffs zu er­mit­teln und so ei­ne Art che­mi­schen Fin­ger­ab­druck er­stel­len zu kön­nen. (OGA)

Ster­nen­win­de – wie ein Schnee­pflug auf der Er­de

Foto: NASA, ESA, M. Rob­ber­to (ESA) and the Hub­b­le Space Te­le­scope Ori­on Tre­a­su­ry Pro­ject Team

Fas­zi­nie­ren­der Ori­on­ne­bel: Ei­ne Auf­nah­me des Hub­b­le-Te­le­skops.

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