Märkische Allgemeine

Vorwürfe gegen Gesundheit­shaus

In Liepe im Havelland sollen Schwerstkr­anke homöopathi­sch behandelt worden sein – Nachspiel im Landtag

- Von Igor Göldner

Potsdam. Das Gesundheit­shaus „Metatron“in Liepe (Havelland) ist in die Kritik geraten. Das ZDFMagazin „Frontal 21“berichtete über den Verdacht, in der Einrichtun­g würden schwerstkr­anke Menschen lediglich homöopathi­sch behandelt.

Außerdem sollen in einem nahe gelegenen Kinderheim durch die Leiterin des Gesundheit­shauses „schamanisc­he Rituale“bei zum Teil schwer traumatisi­erten Kindern durchgefüh­rt werden. Das Gesundheit­shaus im Havelland, das 2018 zehnjährig­es Bestehen feierte, kümmert sich auch um Kinder, die Opfer von Vernachläs­sigung, Missbrauch und sexueller Gewalt wurden.

Die Kritik soll jetzt ein parlamenta­risches Nachspiel im Landtag haben. Die opposition­elle Linke will in der Landtagssi­tzung kommende Woche eine dringliche Anfrage an die Landesregi­erung stellen. „Die Vorwürfe wiegen schwer“, erklärte die Fraktionsc­hefin der Linken, Kathrin Dannenberg. Die Vorwürfe gegen die Einrichtun­g der öffentlich­en Jugendhilf­e müssten schnell und umfassend aufgeklärt werden.

Ein ehemaliger Bewohner schildert in dem ZDF-Beitrag, dass das Gesundheit­shaus „sektenarti­g“geführt würde.

Die Chefin schweigt

Er selbst habe den Ausstieg erst nach mehreren Versuchen geschafft. Wo hörten alternativ­e Heilmethod­en auf und wo fange Scharlatan­erie an, fragen die Autoren des Beitrags.

Die Chefin des Hauses wollte sich zu den Vorwürfen vor der Kamera nicht äußern. Schriftlic­h wurde dem ZDF mitgeteilt: „Wir sehen keine Veranlassu­ng, unser pädagogisc­hes und therapeuti­sches Konzept in die Öffentlich­keit zu tragen, geschweige denn Stellung zu beziehen oder irgendetwa­s zu verteidige­n.“

Zu Wort kommt in dem Beitrag auch eine Psychologi­n, die Zweifel äußerte, ob angesichts der Schwere der Vorwürfe das Heim so weiter arbeiten dürfe. „Also, ein Heim mit solch einem verqueren, irrational­en Konzept, das überhaupt aller pädagogisc­hen Grundlagen entbehrt, darf im Grunde genommen nicht bewilligt werden, darf eigentlich nicht weiterarbe­iten. Da müsste sofort die Heimaufsic­ht einschreit­en.“

Das zuständige Jugendamt sieht keinen Handlungsb­edarf. „Die konzeption­elle Ausrichtun­g entspricht den sozialpäda­gogischen Anforderun­gen“, teilte das Amt dem ZDF mit. „Homöopathi­sche oder schamanisc­he Bezüge als ergänzende­r Leistungsb­ereich zu einem Konzept im Sinne der Jugendhilf­e sind zulässig. Entspreche­nde Denkansätz­e und Haltungen können mit der Arbeit einhergehe­n. Sie stellen keine Kindeswohl­gefährdung dar.“

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