Tau­send­füß­ler läuft im­mer schnel­ler

Vor 25 Jah­ren wur­de der SC Potsdam neu ge­grün­det – mit über 5000 Mit­glie­dern in 23 Ab­tei­lun­gen ist er heu­te Bran­den­burgs größ­ter Sport­ver­ein

Märkische Allgemeine - - SPORT - Von Pe­ter St­ein

Potsdam. „Man kann al­les er­rei­chen, man muss es bloß wol­len“, lau­tet der Leit­spruch von Pe­ter Rie­ger. Der 66-Jäh­ri­ge ist seit der Neu­grün­dung am 13. De­zem­ber 1994 Ge­schäfts­füh­rer beim SC Potsdam, der qua­si sein größ­tes Kind ist. Denn mit 5031 Mit­glie­dern in 23 Ab­tei­lun­gen von A wie Ae­ro­bic bis Z wie Zum­ba ist der SC Bran­den­burgs größ­ter Sport­ver­ein. Elf Haupt­amt­ler, sechs Ju­gend­club-Mit­ar­bei­ter, ein Azu­bi und 120 Eh­ren­amt­ler sor­gen da­für, dass der Tau­send­füß­ler in die rich­ti­ge Rich­tung läuft. So ei­ne ra­s­an­te Ent­wick­lung hat selbst Rie­ger vor 25 Jah­ren nicht für mög­lich ge­hal­ten. Doch ide­en- und er­fin­dungs­reich war der Ex-Weit­sprin­ger schon im­mer.

Als nach der Wen­de der vom DDR-Staat groß­zü­gig ge­för­der­te Sport zu­sam­men­brach und um sei­ne Exis­tenz bang­te, schau­ten Rie­ger und sei­ne Mit­strei­ter nach vorn. Aus dem Po­li­zei­sport­ver­ein wur­de der Spor­tclub Potsdam. Ba­sis war zu­nächst die Ab­tei­lung Leichtathl­etik mit 150 Kin­dern und Ju­gend­li­chen so­wie zwei ABM-Kräf­ten, ei­ne da­von war Rie­ger, so­wie 25 eh­ren­amt­li­chen Trai­nern und Übungs­lei­tern. „Die Eh­ren­amt­ler wa­ren von An­fang an un­se­re Ba­sis“, stellt Rie­ger klar. Ver­eins­sitz war da­mals noch das Ernst-Thäl­mann-Sta­di­on, wo sich heu­te der Lust­gar­ten be­fin­det.

Weil schnell auch an­de­re Sport­ar­ten wie Vol­ley­ball, die Rhyth­mi­sche Sport­gym­nas­tik, Tur­nen und über­haupt der Breitenspo­rt hin­zu­ka­men, wa­ren schon da­mals Hal­len­zei­ten ein teu­res Gut. Aber Rie­ger fand Lö­sun­gen für sei­nen Ver­ein. Da­mit die­ser exis­tie­ren, zum Bei­spiel die Übungs­lei­ter be­zah­len konn­te, fiel den SC-Sport­freun­den ei­ni­ges ein. Sie führ­ten Selbst­ver­tei­di­gungs­kur­se durch, die an­ge­sichts der ra­sant ge­stie­ge­nen Kri­mi­na­li­tät bei der Be­völ­ke­rung sehr ge­fragt wa­ren. „Da ha­be ich mir selbst vie­le blaue Fle­cken ge­holt, weil ich im­mer den An­grei­fer bei den Vor­füh­run­gen mi­men muss­te“, be­rich­tet Rie­ger schmun­zelnd. Aber die Kur­se à 70 Teil­neh­mer je 150 DM er­wie­sen sich als Geld­quel­le, brach­ten bin­nen ei­nes hal­ben Jah­res 45000 DM ein. „Da­mit konn­ten wir nicht nur die Auf­wands­ent­schä­di­gung für die Übungs­lei­ter be­zah­len, son­dern auch Ma­te­ri­al kau­fen“, so der Ge­schäfts­füh­rer.

Im Grün­dungs­jahr war so­gar St­ab­hoch­sprung-Welt­re­kord­ler Ser­gej Bub­ka Mit­glied im Ver­ein. Er trai­nier­te in Potsdam und be­grün­de­te so ein biss­chen mit den Ruf der Pots­da­mer St­ab­hoch­sprung­schu­le, die sich auch in den St­ab­hoch­sprung-Mee­tings ma­ni­fes­tier­te. Die Hö­hen­flie­ger mach­ten in die­sem

Jahr zum 20. Mal auf dem Park­deck des Stern-Cen­ters Sta­ti­on und wer­den das laut Rie­ger auch im nächs­ten Jahr tun. Auch das Ku­gel­stoßMee­ting in der MBS-Are­na sei ge­nannt. Der Ver­ein hat sich längst als Ver­an­stal­ter ei­nen Na­men ge­macht, da­zu ge­hö­ren ne­ben Stadt­teil­fes­ten im Kirch­steig­feld auch ganz vie­le Nach­wuchs-Wett­be­wer­be wie der Re­gen­bo­gen­cup, der Stadt­cross der MAZ-Staf­fel­lauf der Schu­len und Ki­tas. Über 100 Ver­an­stal­tun­gen wer­den pro Jahr durch­ge­führt. Längst ein jähr­li­cher Hö­he­punkt ist das Por­ta Sport- und Kul­tur­fes­ti­val, wo schon vie­le Pop- und Schla­ger­stars auf­ge­tre­ten sind.

Auch Bob-An­schub­wett­be­wer­be wur­den schon in der Pots­da­mer Ci­ty or­ga­ni­siert, nach­dem 2001 of­fi­zi­ell ei­ne Bob­sport-Ab­tei­lung im Ver­ein ge­grün­det wur­de, die be­reits meh­re­re Olym­pia­sie­ger wie Ke­vin Kus­ke, Carsten Em­bach oder zu­letzt 2018 Li­sa Buck­witz und Ma­ri­a­ma Ja­man­ka her­vor­brach­te. Auch die Pa­ra-Schwim­mer wie Mai­ke Nao­mi Schnitt­ger und Tor­ben Schmidtke kehr­ten mit Me­dail­len von Welt­meis­ter­schaf­ten und Pa­ralym­pi­schen Spie­len heim.

Die Vol­ley­bal­le­rin­nen sind längst ein Aus­hän­ge­schild des Ver­eins ge­wor­den. Seit zehn Jah­ren spie­len sie in der Bun­des­li­ga, ge­wan­nen in die­sem Jahr Meis­ter­schafts­bron­ze und fei­er­ten ih­re Eu­ro­pa­cup-Pre­mie­re. Die Vol­ley­ball-Män­ner zäh­len in der 3. Li­ga zur Spit­ze. Dar­über hin­aus gibt es zahl­rei­che Nach­wuchs­mann­schaf­ten.

Na­tür­lich sind die Leicht­ath­le­ten wei­ter ei­ne ers­te Adres­se. 2003 ge­wann Ge­her Andre­as Erm WMBron­ze, Chris­to­pher Lin­ke – eben­falls Ge­her – war in die­sem Jahr als WM-Vier­ter dicht dran am Po­dest. Mit Blick auf Olym­pia 2020 in To­kio ma­chen sich auch Dis­kus­wer­fe­rin Kris­tin Pu­denz und Speer­wer­fer Bern­hard Sei­fert Hoff­nun­gen.

Ne­ben dem Leis­tungs­sport setzt der Ver­ein wei­ter auf den Breitenspo­rt, auf In­te­gra­ti­on und In­klu­si­on, will vor al­lem auch den Se­nio­ren wei­ter An­ge­bo­te ma­chen und hat sich eben­so dem Re­ha-Sport ver­schrie­ben. „Der Breitenspo­rt wird im­mer die Ba­sis un­se­res Ver­eins

Schwim­me­rin Mai­ke Schnitt­ger

blei­ben“, be­tont Rie­ger. Der SC Potsdam, des­sen Prä­si­dent seit 2006 Tors­ten Bork ist, hat zwar sein schmu­ckes Ver­eins­do­mi­zil in­klu­si­ve Ju­gend­club Off-Li­ne im En­de 2010 er­öff­ne­ten Mul­ti­funk­ti­ons­ge­bäu­de im Kirch­steig­feld, ist aber in fast al­len Pots­da­mer Stadt­tei­len prä­sent bis zur Pin­gu­in-Schwimm­schu­le im Born­sted­ter Feld, die der Ver­ein 2016 über­nahm. Für die Schwimm­kur­se gibt es lange War­te­lis­ten, so hoch ist die Nach­fra­ge. „Der Ver­ein muss längst wie ein wirt­schaft­li­ches Un­ter­neh­men ge­führt wer­den“, sagt Rie­ger, der seit Ja­nu­ar Vor­stands­vor­sit­zen­der des jetzt haupt­amt­lich ge­führ­ten SC Potsdam ist, des­sen Jah­res­um­satz im Mil­lio­nen-Be­reich liegt.

FO­TO: VAR­VA­RA SMIRNOVA

Jähr­li­cher Hö­he­punkt für die Jüngs­ten: der Re­gen­bo­gen­cup im Sta­di­on Luft­schiff­ha­fen.

Ge­her Chris­to­pher Lin­ke

Bob-Ass Li­sa Buck­witz

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