Scholz plant Kin­der­bo­nus von 300 Eu­ro

CSU hält ers­ten On­line­par­tei­tag ab und de­bat­tiert di­gi­tal die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Co­ro­na-Kri­se – Ös­ter­reichs Kanz­ler Kurz als Gast

Märkische Allgemeine - - ERSTE SEITE - Von Da­nie­la Va­tes

Ber­lin. Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) will die Kauf­kraft nach der Co­ro­na-Kri­se ei­nem Be­richt zu­fol­ge mit ei­nem Fa­mi­li­en­bo­nus stär­ken. El­tern soll­ten für je­des Kind ein­ma­lig 300 Eu­ro be­kom­men, be­rich­te­te der „Spie­gel“am Frei­tag über Plä­ne aus dem Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Die Maß­nah­me könn­te den Bund zwi­schen fünf und sechs Mil­li­ar­den Eu­ro kos­ten und Teil des für Ju­ni ge­plan­ten Kon­junk­tur­pa­kets sein.

Mün­chen. Die ers­te Ab­stim­mung bei der CSU geht rich­tig schief, zu­min­dest aus Sicht der Par­tei­zen­tra­le. Die Par­tei ver­an­stal­tet ih­ren ers­ten On­line­par­tei­tag. Die De­le­gier­ten sit­zen vor den Bild­schir­men statt in ei­ner Hal­le und erst mal muss die di­gi­ta­le Ab­stim­mungs­tech­nik ge­tes­tet wer­den. „Wer glaubt, dass der FC Bay­ern zum ach­ten Mal in Fol­ge Deut­scher Meis­ter wird?“, ist die Fra­ge. Das Ab­stim­mungs­er­geb­nis wer­de ein­deu­tig sein, meint CSUGe­ne­ral­se­kre­tär Mar­kus Blu­me. „Al­les un­ter 90 Pro­zent wä­re schwie­rig“, sagt Co-Mo­de­ra­to­rin und Vi­ze-CSU-Che­fin Do­ro­thee Bär. 83 Pro­zent der 136 De­le­gier­ten vo­tie­ren für die Münch­ner Fuß­bal­ler. „Luft nach oben“, sagt Bär.

Und dann ist Mar­kus Sö­der dran mit sei­ner Par­tei­tags­re­de. Die wirkt eher wie ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung – oder halt ei­ne Fern­seh­an­spra­che. Sö­der er­läu­tert die Re­ak­ti­on auf die Co­ro­na-Kri­se. Er sagt, dass sich die Din­ge gut ent­wi­ckel­ten, bit­tet aber, die La­ge „nicht auf die leich­te Schul­ter zu neh­men“. Er warnt vor der AfD, die sich nicht ab­gren­ze von Rechts­ex­tre­men und auch vor Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern. Er kün­digt zu­sätz­li­che Co­ro­na-Tests an und wei­te­re Lo­cke­run­gen: of­fe­ne Frei­bä­der und Blas­mu­sik – mit Ab­stand. Für das ge­plan­te Kon­junk­tur­pro­gramm der Bun­des­re­gie­rung gibt er ei­ne Gren­ze von 100 Mil­li­ar­den Eu­ro vor und zu­dem ei­ne Ver­schul­dungs­gren­ze von 90 Pro­zent. „Es ist wich­tig, dass wir den Staat nicht rui­nie­ren“, sag­te er. Kon­zep­te über wei­te­re Neu­ver­schul­dun­gen von bis zu 150 oder 200 Mil­li­ar­den Eu­ro sei­en nicht fi­nan­zier­bar, al­le Hil­fen müss­ten „öko­no­misch sinn­voll“blei­ben. Punkt.

Im Leit­an­trag für den Par­tei­tag for­dert die CSU au­ßer­dem die Ver­dienst­gren­ze für Mi­ni­jobs von 450 auf 600 Eu­ro an­zu­he­ben und Pfle­ge­kräf­te bes­ser zu be­zah­len. Mit der SPD will die CSU noch­mals über die Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schlags re­den. Aber erst mal sitzt Sö­der ja noch in sei­nem Par­tei­chef­bü­ro, ein Kru­zi­fix links, ei­ne Franz-Jo­sef-Strauß-Büs­te rechts hin­ter sich. Sö­der lobt, auch die SPD und die CDU hät­ten mal gu­te Ide­en – da sol­le man sich doch lie­ber ge­gen­sei­tig be­rei­chern als sich im­mer Stöck­chen zwi­schen die Bei­ne zu wer­fen wie bis­her. Sö­der ist ge­ra­de im Um­fra­ge­hoch, in der Uni­on gilt er als mög­li­cher Kanz­ler­kan­di­dat.

Dann geht doch noch et­was schief. Und das liegt an Alex­an­der Do­brindt. Der mel­det sich für die Dis­kus­si­on. Zwei Mi­nu­ten Re­de­zeit sind vor­ge­ge­ben, aber der Lan­des­grup­pen­chef re­det und re­det. Es gibt ei­nen gro­ßen ro­ten Knopf, aber der hat zum An­fang nur Ap­plaus für Mar­kus Sö­der ein­ge­spielt und ein paar Tak­te Ge­burts­tags­lied für ei­ne De­le­gier­te. Zum Red­ner­brem­sen taugt der Knopf of­fen­bar nicht.

Ob­wohl in Ös­ter­reich be­reits Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz auf sei­nen Ein­satz war­tet. Als Kurz dran ist, lobt er die baye­ri­sche Co­ro­na-Po­li­tik, lädt ein zum Ur­laub in der Al­pen­re­pu­blik und lehnt noch mal den Eu­ro­pa-Vor­schlag von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Frank­reichs Staats­prä­si­dent Em­ma­nu­al Ma­cron ab. Das al­les geht sehr schnell. „Man soll­te nicht zu lan­ge re­den, sonst macht man sich un­be­liebt“, sagt Kurz. „Dan­ke, Se­bas­ti­an“, sagt Sö­der. Und lädt die Ös­ter­rei­cher ein zum Ur­laub in Bay­ern.

Für den Leit­an­trag stim­men 99 Pro­zent der De­le­gier­ten, mehr als für den FC Bay­ern als Meis­ter.

Ka­me­ra ab: Mar­kus Sö­der, CSU-Vor­sit­zen­der und Mi­nis­ter­prä­si­dent von Bay­ern, hält in sei­nem Bü­ro ei­ne An­spra­che an sei­ne Par­tei­kol­le­gen, die eben­falls am ei­ge­nen Schreib­tisch zu­se­hen. Der Par­tei­tag fin­det erst­mals vir­tu­ell statt.

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