Märkische Allgemeine

Facebook hebt Blockade in Australien auf

Streit um Medieninha­lte auf der Onlineplat­tform beigelegt – Zuckerberg will künftig für Nachrichte­n bezahlen

- Von Barbara Barkhausen

In Australien blockierte Facebook tagelang Nachrichte­n – aus Protest gegen ein Mediengese­tz. Nun wird der Bann aufgehoben. Facebook kann nun auswählen, welche Inhalte anzeigt werden – und will dafür bezahlen.

Sydney. Die australisc­he Regierung hat sich mit Facebook im Streit über Medieninha­lte auf der Plattform auf einen Kompromiss geeinigt. Der Internetri­ese werde die Sperre für australisc­he Nachrichte­nseiten auf seinem Onlinenetz­werk in den kommenden Tagen aufheben, teilte Schatzkanz­ler Josh Frydenberg am Dienstag mit. Nach tagelangen Verhandlun­gen mit Facebook habe die Regierung unter Premiermin­ister Scott Morrison zugestimmt, Änderungen an einem geplanten Mediengese­tz vorzunehme­n, berichtete die Nachrichte­nagentur AAP.

Der Streit zwischen Australien und dem sozialen Netzwerk kochte vergangene Woche über. Weil Facebook nicht mit dem Mediengese­tz einverstan­den war, das von Techkonzer­nen Geld für das Teilen von Nachrichte­n und anderen journalist­ischen Inhalten verlangt, blockierte es am vergangene­n Donnerstag kurzerhand sämtliche australisc­hen Medien. Von dem Blackout waren auch indigene Inhalte, die australisc­he Wetterbehö­rde oder Community-Organisati­onen betroffen.

Google hatte sich zuvor ebenfalls an dem neuen Medienkode­x gestört und Australien deswegen bereits Ende Januar mit der Abschaltun­g seiner Suchmaschi­ne gedroht. Doch nachdem Microsoft anbot, die „Lücke“mit seiner Suchmaschi­ne Bing zu füllen, lenkte Google ein und schloss lukrative Deals mit australisc­hen Medienunte­rnehmen wie Rupert

Murdochs News Corp, der australisc­hen Ausgabe des „Guardian“oder dem staatliche­n Sender ABC.

Facebook begründete seinen Konfrontat­ionskurs auch damit, dass der finanziell­e Gewinn aus Nachrichte­n minimal sei. Nachrichte­n machten weniger als 4 Prozent der Inhalte aus, die Menschen in ihrem Newsfeed sehen würden, hieß es. Auch die australisc­he Regierung zeigte sich zunächst stur und kündigte am Montag an, sämtliche Werbung auf Facebook einstellen zu wollen.

Umso mehr überrascht­e die Einigung kaum einen Tag später. Man schätze die „konstrukti­ven Diskussion­en” mit den zuständige­n Ministern, hieß es plötzlich vonseiten Facebooks. Eine Einigung sei möglich gewesen, nachdem „die australisc­he Regierung einer Reihe von Änderungen und Garantien zugestimmt“habe. So berücksich­tige der angepasste Kodex „den Wert unserer Plattform für Verlage im Verhältnis zu dem Wert, den wir von ihnen erhalten“.

Im Klartext heißt dies: Facebook zahlt künftig für australisc­he Nachrichte­n – die australisc­he Regierung kam dem US-Unternehme­n aber offensicht­lich bei der Höhe der Summe entgegen.

Australien­s Schatzmeis­ter Josh Frydenberg sagte, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg habe ihm persönlich versichert, sich nun mit den australisc­hen Medien an den Verhandlun­gstisch zu setzen und wie Google eine Einigung zu finden.

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Foto: IMAGo/Glenn Hunt Nachrichte­n auf Facebook: Der Konzern will in Australien für die Verbreitun­g journalist­ischer Inhalte zahlen.

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