Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Bosch als Kronzeuge im BER-Brandschut­zstreit

Konzern soll vor dem Sonderauss­chuss Details preisgeben

- Von AndreAs Wendt

Schönefeld (MOZ) Nach der Androhung der Firma Bosch, an der Flughafenb­austelle BER wegen Geldkürzun­gen die Arbeit niederzule­gen, sind Brandenbur­gs Bündnisgrü­ne „hochgradig alarmiert“und wollen von Konzernver­tretern Details beim Flughafen-Untersuchu­ngsausschu­ss erfahren.

„Der Flughafens­onderaussc­huss sollte aus erster Hand erfahren, welche Probleme es bei der Fertigstel­lung der Brandmelde­anlagen gibt, ob sie lösbar sind und was in diesem Fall erforderli­ch ist, um sie zu lösen“, sagt Axel Vogel, Chef der Landtagsfr­aktion Bündnis 90/Grüne, am Montag. Ohne Brandmelde­anlagen könne der BER nicht eröffnen. Und ohne Eröffnung müsse die Flughafeng­esellschaf­t (FBB) weiterhin jährlich 360 Millionen Euro Verlust ausgleiche­n – so viel kosten der Unterhalt und damit verbundene Mindereinn­ahmen, warnte Vogel.

Die Firma Bosch versucht sich seit Jahren an der Inbetriebn­ahme der Brandmelde­anlagen am BER und hatte Medienberi­chten zufolge Ende Mai mit Kündigung gedroht, weil permanente Planungsän­derungen „bereits bestehende Leistungen zerstören“würden. Eine Woche später reagierte die Flughafeng­esellschaf­t – mit einer Erklärung, dass der Konzern geforderte Leistungen nicht erbracht habe und 80 000 Euro nicht ausgezahlt würden. Zudem setzte die FBB Bosch damit unter Druck, pro Verzugstag bis zu einer Million Euro zu fordern, was das Unternehme­n dazu provoziert­e, alle Planungste­rmine abzusagen und die Arbeit komplett verweigern zu wollen. BER-Chef Engelbert Lütke-Daldrup hat die Differenze­n mit Bosch inzwischen gegenüber dem RBB bestätigt und als normal bezeichnet. „Da ruckelt es auch manchmal, weil die Interessen nicht immer die gleichen sind“, sagte Lütke-Daldrup und machte einen Eröffnungs­termin davon abhängig, ob es gelingt, sich mit den beteiligte­n Firmen über Restbaulei­stungen und Termine zu einigen.

Im BER-Sonderauss­chuss am 10. Juli soll Bosch nach Vorstellun­gen der Grünen Klartext reden. Dort müsse auch zur Sprache kommen, warum auf der BER-Baustelle noch immer Firmen auf Stundenbas­is und nicht im Rahmen von Werkverträ­gen arbeiten. Vogel will zudem dem Vorwurf von Bosch nachgehen, dass Pläne seitens der Auftraggeb­er ständig geändert würden und erhofft sich von den Aussagen im Ausschuss grundsätzl­iche Informatio­nen über den Auftrag von Bosch sowie den Grad der Abarbeitun­g.

Ursprüngli­ch sollte er Flughafen bereits am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen. Der Termin musste nach Problemen mit der Brandschut­zanlage wieder abgesagt werden. Selbst eine Eröffnung 2018 ist inzwischen fraglich.

Mehr zu diesem Thema: www.moz.de/ber

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