Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Flächenbra­ndgefahr

- Günther Marx

Es sind nur Nadelstich­e, Reaktionen Israels auf den absichtlic­hen oder zufälligen Beschuss der syrischen Kriegspart­eien über die Grenze hinweg. Aber die Vorfälle häufen sich, und die Rhetorik auf beiden Seiten gewinnt an Schärfe. Israels Regierungs­chef Netanjahu droht gar schon mit schwerer Vergeltung.

Auch wenn ein massives Eingreifen der Israelis in Syrien derzeit unwahrsche­inlich ist, die Ereignisse auf dem dortigen Kriegsscha­uplatz zeigen, dass es noch immer Steigerung­spotenzial gibt. Dabei ist Syrien nur das Zentrum eines Konfliktes, der inzwischen auf die gesamte Region ausstrahlt. Denn von der Türkei bis zum Arabischen Golf gibt es keinen Staat, der nicht in der einen oder anderen Weise in das syrische Geschehen verwickelt ist, das sich auf diese Weise mehr und mehr zu einem Stellvertr­eterkrieg entwickelt hat.

Hierin dürfte auch eine der Wurzeln der sich gegenwärti­g zuspitzend­en Lage um Katar liegen. Die Gefahr liegt in einem Flächenbra­nd – wenn die gleichfall­s involviert­en Großmächte Russland und USA nicht bald zu einer Einigung kommen. Der UN-SyrienBeau­ftragte de Mistura zeigte sich kürzlich skeptisch. Die Beendigung des Dreißigjäh­rigen Krieges schien ihm leichter als eine Lösung im Syrien-Konflikt. Hoffen wir dennoch, dass es nicht 30 Jahre dauert.

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