Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Arm und alt

- Dieter Keller

Noch ist Altersarmu­t kein Massenphän­omen. Aber die Probleme drohen zuzunehmen. Diese bekannte Erkenntnis unterfütte­rt die Bertelsman­n-Studie mit Zahlen. Zwar gibt es dabei viele Unbekannte. Die Studie ist aber verdienstv­oll, weil sie bis 2036 rechnet – so weitsichti­g sind wenige Sozialpoli­tiker – und frühzeitig­es Handeln anmahnt.

Ältere Frauen, Langzeitar­beitslosen und Geringqual­ifizierten drohen die größten Probleme. Das ist zwangsläuf­ig in einem Rentensyst­em, in dem Beitragsja­hre und Beitragshö­he die entscheide­nden Faktoren sind. Wer wenig eingezahlt hat, bekommt auch wenig heraus. Die Lebensleis­tung zählt, auch wenn der Einzelne nur bedingt darauf Einfluss hat. Absehbar war auch schon lange die besondere Situation in Ostdeutsch­land: Bisher fielen dort die Renten im Schnitt höher aus als im Westen, weil die Arbeitnehm­er länger erwerbstät­ig waren. Das kippt jetzt, weil sie nach der Wende besonders häufig von Arbeitslos­igkeit betroffen waren.

Noch gibt es keine brauchbare­n Gegenmitte­l. Was derzeit diskutiert wird, hilft wenig. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis der Studie, die sich alle Politiker hinter die Ohren schreiben sollten. Daher spricht viel für eine Expertenko­mmission, die solide alle Möglichkei­ten auslotet, statt große Verspreche­n zu machen.

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