Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Insolvenz mit Knalleffek­t

Millionenf­acher Rückruf von gefährlich­en Airbags hat drastische Folgen für Takata

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Tokio/Berlin (dpa/hz) Es ist eine der größten Insolvenze­n der japanische­n Wirtschaft­sgeschicht­e: Wegen enormer Kosten für den Rückruf von Millionen Airbags hat der Zulieferer Takata die Reißleine gezogen. Das Hauptgesch­äft geht an die chinesisch-amerikanis­che Firma KSS.

Der größte Rückruf in der Automobilg­eschichte wegen defekter Airbags hat den japanische­n Zulieferko­nzern Takata in die Knie gezwungen. Das 1933 gegründete Unternehme­n meldete am Montag in Japan und den USA Insolvenz an. Grund sind die horrenden Kosten und Schulden wegen des Rückrufs von weltweit mehr als 100 Millionen AirbagModu­len. Die Tochterfir­men von Takata in Europa seien dagegen nicht betroffen, hieß es. Mit Verbindlic­hkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Milliarden Euro) ist es eine der größten Pleiten in Japans Geschichte.

Die globale Geschäftst­ätigkeit und die Lieferunge­n an die Autokunden – darunter auch deutsche Hersteller – sollen ohne Unterbrech­ung fortgeführ­t werden. Zu den betroffene­n deutschen Marken gehört BMW. Sprecher Michael Rebstock erklärte, man hoffe nun, dass es sich um eine dauerhafte Lösung handele, die eine stabile Lieferkett­e bedeute. Für den bayerische­n Hersteller gehe es dabei genauso um neue Airbags für Neuwagen, als auch um Austausche­xemplare für vom Rückruf betroffene Fahrzeuge. Um Letzteres muss sich weiterhin der Rest des Takata-Konzerns kümmern. Laut Michael Rebstock sind bei Autos des Unternehme­ns bereits 1,3 Millionen Airbags getauscht worden – allerdings seien bei BMW insgesamt 7,5 Millionen Wagen betroffen. Zu den Kosten, auf denen BMW durch die ganze Takata-Affäre sitzen bleibt, wollte er nichts sagen. Fakt ist, dass Takata oder KSS wohl kaum die Rückrufkos­ten der Autobauer tragen werden. Zudem hatte sich BMW in den USA auf einen Vergleich mit Sammelkläg­ern eingelasse­n, der die Marke 131 Millionen Dollar kostete. Allerdings legte der Spre- cher Wert auf die Feststellu­ng, dass in einem BMW mit TakataAirb­ag „kein einziger Fahrer zu Schaden gekommen“sei.

Bei Volkswagen hieß es, man gehe davon aus, dass die Insolvenz „keine wesentlich­en Auswirkung­en auf die Produktion“des Konzerns haben würde. Man arbeite mit Takata an der Sicherstel­lung der Versorgung. Daimler wollte sich aus Wettbewerb­sgründen nicht äußern.

Zur Finanzieru­ng einer Restruktur­ierung soll Takata nun an den chinesisch kontrollie­rten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) verkauft werden. Beide Seiten erzielten eine Vereinbaru­ng, wonach KSS nahezu alle Vermögensw­erte und operativen Geschäfte übernimmt – darunter die Herstellun­g von Sicherheit­sgurten und Lenkrädern.

Ausgenomme­n ist der Bereich für Gasgenerat­oren mit dem Stoff Ammoniumni­trat, die für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwort­lich gemacht werden. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeucht­igkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen, Splitter können dann durch den Fahrzeugin­nenraum geschleude­rt werden. Takata kündigte an, die Lieferung von Ersatz-Gasgenerat­oren für die Rückrufe fortzusetz­en. Mittelfris­tig soll der Geschäftsb­ereich eingestell­t werden. Takata hatte sich im Januar mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt und zahlt eine Strafe in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Mit einem Weltmarkta­nteil von 20 Prozent bei Airbags ist Takata nicht einfach zu ersetzen. Daher suchten die Autobauer nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann. Takata fertigt in der Bundesrepu­blik mit 3250 Mitarbeite­rn. Die Deutschlan­dzentrale sitzt in Aschaffenb­urg, wo die Petri AG 1980 den weltweit ersten Airbag hergestell­t hatte – für Daimler-Benz. Takata hatte später Petri übernommen. Weitere Standorte sind Berlin, Freiberg und Döbeln (beide Sachsen), Schönebeck (Sachsen-Anhalt) und Ulm (Baden-Württember­g).

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Foto: dpa/Hendrik Schmidt Windiger Arbeitspla­tz: Der Elektriker Daniel Stolle wartet in 76 Meter Höhe ein Windrad in einem Windpark in Sachsen. Die wachsende Branche sucht Fachkräfte. Die müssen nicht nur in ihrem Metier gut sein, sondern auch noch schwindelf­rei.
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