Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Von VW zu Harley-Davidson

Italienisc­he Motorradma­rke Ducati dürfte bald den Besitzer wechseln

- Von Hajo Zenker

Berlin (MOZ) Vor fünf Jahren war es, als sich der damalige VW-Übervater Ferdinand Piëch zu seinem 75. Geburtstag einen lang gehegten Traum erfüllte: Die italienisc­he Motorradma­rke Ducati reihte sich in das Reich des Wolfsburge­r Konzern ein, als zwölfte Marke. Piëch, der selbst eine Ducati besitzt, hatte bereits lange mit dem 1926 gegründete­n Traditions­unternehme­n geliebäuge­lt und dies 2008 auch in einem Interview öffentlich gemacht. 2012 war es dann so weit, offiziell kaufte die VW-Tochter Audi, die auch für die Sportwagen der italienisc­hen Traditions­marke Lamborghin­i die Verantwort­ung trägt, Ducati. Schon damals hielten das viele Experten für reine Liebhabere­i eines Patriarche­n, der einen Konzern vom Motorrad bis zum schweren Lkw erschaffen wollte. Ohne dass das wirklich tieferen Sinn machte – während etwa selbst eine Sportwagen­marke wie Lamborghin­i technisch vom VW-Konzern profitiere­n kann, ist das bei einem Motorradba­uer eher nicht der Fall. In Piëchs Reich waren Widerworte aber nicht vorgesehen.

Erst mit dem überrasche­nden Abgang von Ferdinand Piëch im April 2015, der unerwartet den Machtkampf mit seinem langjährig­en Ziehsohn und VW-Vorstandsc­hef Martin Winterkorn verloren hatte, und dem Ausbruch des Diesel-Skandals fünf Monate später wurde der Konzern kräftig durchgerüt­telt. Und unter dem seit September 2015 amtierende­n VW-Chef Matthias Müller war das einst Undenkbare nun möglich: Ducati kam auf die Verkaufsli­ste. Im April dieses Jahres wurde das erstmals öffentlich, danach war nebulös von einem chinesisch­en Interessen­ten die Rede. Nun aber gibt es erstmals ganz konkrete Angaben.

Laut „Wall Street Journal“ist die amerikanis­che MotorradIk­one Harley-Davidson ernsthaft an Ducati interessie­rt. Das Blatt beruft sich auf informiert­e Kreise. Die an den Verhandlun­gen Beteiligte­n wollten sich zunächst nicht äußern. Immerhin sieht es dabei so aus, dass der VW-Konzern, der wegen des Abgas-Skandals bisher schon 20 Milliarden Euro berappen muss, etwas mit dem Verkauf verdienen könnte. 2012, so hieß es damals, hatte VW für Ducati 860 Millionen Euro bezahlt. Jetzt stehen 1,5 Milliarden Euro als Preis zur Debatte. Gut möglich, dass dieser Verkauf nur der Auftakt zum Abstoßen weiterer Marken ist. Die Lkw-Hersteller Scania und MAN werden da immer wieder genannt. Allerdings: Da ginge es dann um ganz andere Beträge. Und die muss man erst einmal aufbringen.

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Foto: Ducati/dpa Eindrucksv­oll: Ducati Monster

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