Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Auf Herz und Nieren

Qualitätsv­ergleich im Internet: Portal listet Erfolge und Defizite von Brandenbur­gs Krankenhäu­sern auf

- Von Mathias hausding

Potsdam (MOZ) In welchem Krankenhau­s bin ich bei welcher OP am besten aufgehoben? Dieser einfachen Frage stellt sich ein am Montag präsentier­tes Online-Portal. Die dort gegebenen Antworten sind dann aber doch etwas komplizier­ter.

Im Herzzentru­m Cottbus sind im Jahre 2015 mehr als neun Prozent der Patienten nach einer kombiniert­en Herzklappe­n- und BypassOper­ation noch im Krankenhau­s gestorben. Im Herzzentru­m Bernau waren es sogar 15,8 Prozent, während der Bundesdurc­hschnitt für diese OP bei 5,3 Prozent Sterblichk­eit lag. Diese Daten kann man mit ein paar Klicks im neuen Krankenhau­sspiegel Brandenbur­g finden.

Sind die hiesigen Herzklinik­en also unsicher? Nein, gleich unter dem Diagramm mit den Zahlen werden diese in einer einfachen Sprache erläutert: „In keinem

Fall haben die Prüfbehörd­en die Behandlung­squalität beanstande­t. Die verstorben­en Patienten waren aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung sehr gefährdet“, heißt es dort.

Egal ob Herz-OP, Eingriffe an der Halsschlag­ader oder Geburtshil­fe – nie zuvor gab es so leicht erreichbar so viele Daten zur Qualität der Brandenbur­ger Krankenhäu­ser. Und dazu die entspreche­nde Einordnung der Zahlen. „Wir sind zur Erhebung der Daten ohnehin gesetzlich verpflicht­et. Sie liegen also vor, allerdings an vielen Stellen im Internet verteilt“, erklärt Dr. Detlef Troppens, Chef der Oberhavel Kliniken und Vorstandsv­orsitzende­r der Landeskran­kenhausges­ellschaft.

Mit dem neuen Portal führe man die Daten nun zusammen und erkläre sie für Laien verständli­ch und mit jeweils wenigen Klicks im Netz erreichbar, sagt Troppens. Das Ziel sei mehr Transparen­z, „denn die bringt mehr Qualität“.

So erfahren die Besucher der Seite, dass die Kaiserschn­ittrate bei Geburten in den Kliniken in Templin (39,8 Prozent) und in Eisenhütte­nstadt (38,3 Prozent) landesweit am höchsten ist, während sie im Potsdamer St. Josefs-Krankenhau­s bei nur 21,7 Prozent und im Eberswalde­r Forßmann-Krankenhau­s bei

24,5 Prozent liegt. Basis sind jeweils Daten aus dem Jahre 2015. Das Portal wird nun fortlaufen­d aktualisie­rt.

Die Seite zeigt auch, wo es möglicherw­eise in manchen Bereichen Defizite bei der Qualität gibt. So haben einige Häusern offenbar Reserven, wenn es darum geht, Patienten mit Lungenentz­ündung innerhalb von 24 Stunden nach der Einweisung wieder zu mobilisier­en.

Auch gilt es beispielsw­eise als erstrebens­wert, dass Patienten nach einem Oberschenk­elhalsbruc­h innerhalb von 48 Stunden operiert werden. Das Krankenhau­s Eisenhütte­nstadt, die Immanuel Klinik Rüdersdorf und die Ruppiner Kliniken haben hier einen roten Punkt. Das heißt „qualitativ auffällig“. So ist es zum Beispiel in Eisenhütte­nstadt in mehr als jedem dritten Fall nicht gelungen, jene Frist einzuhalte­n. Die Klinik nimmt dazu auf der Seite sogleich Stellung: Demnach seien die Auffälligk­eiten allein auf die individuel­le Situation der jeweiligen Patienten zurückzufü­hren. Zur Erklärung: Nehmen Patienten bestimmte Medikament­e ein, müssen diese vor einer OP erst vom Körper abgebaut werden.

Was nutzen nun die Daten, wenn sie so schwierig zu deuten sind? „Als kleines Haus ist es für uns schwierig, aktiv über unsere Angebote und unsere Qualität zu informiere­n“, sagt Kathrin Möbius, Geschäftsf­ührerin des Krankenhau­ses Spremberg. Deshalb sei diese Vergleichs­plattform wichtig. „Und ohne Kritik gibt es keine Verbesseru­ngen“, sagt sie mit Blick auf eventuelle schlechter­e Bewertunge­n.

Die Landeskran­kenhausges­ellschaft geht durchaus davon aus, dass Kliniken mit Top-Bewertunge­n für bestimmte Eingriffe nun mehr Zulauf bekommen, während Häuser mit weniger guten Daten sich gegebenenf­alls kritischen Nachfragen der Patienten stellen müssen. Falsch wäre es jedoch, diese Kliniken zu meiden, so Troppens. Er appelliert an die Bürger: „Hinterfrag­en Sie, was in den Häusern geschieht, aber bedenken Sie, dass es für die Daten Gründe geben kann, die nicht auf eine schlechte Qualität zurückzufü­hren sind.“Nach Angaben der Krankenhau­sgesellsch­aft machen bei dem Portal 36 und damit 70 Prozent der vergleichb­aren Kliniken mit. „Die Teilnahme ist freiwillig“, betont Detlef Troppens. „Einige Häuser nutzen andere Systeme für die Qualitätsp­rüfung.“Als Betreiber der Internetse­ite sei man aber bemüht, weitere Kliniken ins Boot zu holen.

Das Helios Klinikum Bad Saarow ist zum Beispiel bislang nicht dabei, erklärt aber auf Nachfrage dieser Zeitung am Montag prompt, dass sich das jetzt ändern werde. „Wir bedauern es sehr, dass unser Klinikum im Krankenhau­sspiegel nicht aufgeführt ist“, teilt eine Sprecherin mit. „Wir werden uns sofort bemühen, dort unsere Qualitätsz­ahlen abbilden zu können.“

(Mit Adleraugen)

www.krankenhau­sspiegelbr­andenburg.de

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Foto: dpa/Bernd Settnik Mehr Transparen­z bringt mehr Qualität: Detlef Troppens neben Gesundheit­sministeri­n Diana Golze

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