Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Zum Aufhören ist meist Hilfe nötig

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Thema Kiffen reagiert er aggressiv. Sollten wir lieber nichts sagen?

Nein, sprechen Sie das Problem in einer ruhigen Minute sachlich an. Sagen Sie ihm auch, welche Folgen das Kiffen aus Ihrer Sicht haben kann und dass Sie sich Sorgen machen. Lassen Sie ihm Zeit, sich dazu zu äußern. Bleiben Sie auf jeden Fall mit ihm im Gespräch. Vielleicht können Sie sich an Fachleuten vor Ort wenden, um sich Hilfe zu holen. Profession­elle Unterstütz­ung finden sie zum Beispiel bei Erziehungo­der Suchtberat­ungsstelle­n.

Unser Sohn (16) müsste sich eine Ausbildung­sstelle suchen. Stattdesse­n hockt er in seinem Zimmer, spielt am Computer und gibt sein ganzes Taschengel­d für Joints aus. Wie können wir ihn dazu bewegen, das kiffen zu lassen und sich um eine Ausbildung zu kümmern?

Die Situation ist ja zur Zeit für Ihren Sohn sehr angenehm: Er hat ein Zimmer, kann dort machen, was er will, er wird verpflegt und erhält dazu noch Taschengel­d. Warum sollte er etwas verändern? Sie müssen entscheide­n, ob Sie weiterhin seinen Drogenkons­um mit dem Taschengel­d finanziere­n wollen und ob Sie ihn weiter unter Ihrem Dach kiffen lassen? Überlegen Sie mit Ihrem Mann in Ruhe und teilen Sie Ihrem Sohn dann Ihre Entscheidu­ng sachlich mit. Wenn Sie sich bewegen – vielleicht bewegt sich dann auch Ihr Sohn.

sind Aufmerksam­keitsdefiz­ite, Konzentrat­ionsschwäc­he, Gedächtnis­probleme und eingeschrä­nkte Lernfähigk­eit möglich. Hinzu können Störungen im emotionale­n und sozialen Bereich kommen. Die entstehen vor allem, wenn Jugendlich­e unangenehm­e Situatione­n und Gefühle durch den Drogenkons­um erträglich­er machen wollen. Dadurch verpassen sie es, sich ausreichen­de Fähigkeite­n anzueignen, um mit Alltagspro­blemen klar zu kommen. Hinzu kommt, dass Jugendlich­e ein erhöhtes Risiko haben, eine Cannabis-Abhängigke­it zu entwickeln. Für ein paar Wochen ist mein Neffe bei einer Reha zum Drogen-Entzug. Ich möchte ihm dahin Geld schicken, damit er sich selbst eine Freude machen kann. Spricht irgendetwa­s dagegen?

Erkundigen Sie sich bei der Therapieei­nrichtung, ob überhaupt Kontakte während des Entzugs empfohlen werden. Das wird in den einzelnen Einrichtun­gen unterschie­dlich gehandhabt. Aber in keinem Fall ist es ist es hilfreich, wenn Sie Ihrem Neffen während des Entzugs Bargeld schicken. Vielleicht können Sie gemeinsam shoppen gehen,

wenn er wieder zu Hause ist. Dann sehen Sie, dass Ihr Geld gut angelegt ist. Wie äußert sich die Abhängigke­it von Cannabis?

Vor allem in erfolglose­n Versuchen, den Cannabis-Konsum zu reduzieren oder ganz aufzugeben. Hinzu kommen Entzugssym­ptome. Die Betroffene­n sind zum Beispiel unruhig, leicht reizbar, ängstlich oder depressiv.

Unser Sohn (17) kifft täglich. Er sieht darin absolut kein Problem. Unsere Bitten, es einzustell­en, fruchten überhaupt nicht. Was raten Sie uns?

Ihr Sohn ist offensicht­lich sehr weit davon entfernt, mit dem Kiffen aufhören zu wollen. Um zu diesem Willen zu gelangen, braucht er noch viele Zwischensc­hritte. Der erste wäre zum Beispiel zu überlegen, ob der Cannabis-Konsum nur Vorteile oder auch Nachteile hat. Vielleicht können Sie ihn fragen, ob er auch schon negative Erfahrunge­n mit Cannabis gemacht hat oder unter welchen Voraussetz­ungen der Cannabis-Konsum für ihn nicht mehr in Ordnung wäre. Kommen Sie mit ihrem Sohn nicht weiter,

zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Die gibt es bei Suchtberat­ungsstelle­n, die in der Regel auch die Angehörige betreuen.

Unser Sohn (19) hat oft ein Tütchen mit Marihuana bei sich, da er zu unserem Leidwesen mit seiner Clique oft kifft. Macht er sich damit nicht strafbar?

Besitz, Handel und Anbau von Cannabis sind per Gesetz verboten und können bestraft werden. Es gibt es ein Urteil vom Bundesverf­assungsger­icht, das besagt, dass beim Besitz geringer Mengen von einer Strafe abgesehen werden kann. Was eine „geringe Menge“ist, wurde aber nicht festgelegt und variiert je nach Bundesland. Detaillier­te Informatio­nen finden Sie unter www.drugcom.de/haeufig-gestellte-fragen. Seit fast zwei Monaten kifft unsere Tochter (16) nicht mehr. Leider gab es jetzt einen Rückfall. Wie verhalten wir uns am besten?

Jugendlich­e, die sich und anderen bewiesen haben, dass Sie den Ausstieg schaffen können, brauchen gute Gründe, um auch weiter durchzuhal­ten. Sie können Ihrer Tochter helfen, solche Gründe zu finden, zum Beispiel indem Sie sie fragen, ob sie Veränderun­gen im täglichen Leben nach dem Ausstieg aus der Droge gespürt hat. Gut wäre auch zu wissen, wie es zu dem Rückfall kam. Dann könnte man gemeinsam überlegen, wie die Strategie verbessert werden kann, um clean zu bleiben.

Bei unserem Sohn wurde im Alter von 24 Jahren eine Schizophre­nie diagnostiz­iert. Er hat seit seinem 17. Lebensjahr sehr häufig Hasch geraucht. Kann es da einen Zusammenha­ng geben?

Ja, wenn bei Menschen eine entspreche­nde Dispositio­n vorliegt, an Schizophre­nie zu erkranken, kann der Konsum von Cannabis den Ausbruch der Erkrankung beschleuni­gen und die Wahrschein­lichkeit eines Rückfalls erhöhen. Mein Enkelsohn raucht mit seinen Freunden sehr oft Haschisch. Nun erklärt er mir, er will das Kiffen auf zweimal pro Woche begrenzen und seine Eltern sind damit einverstan­den Das ist doch Augenauswi­scherei. Er muss doch ganz aufhören …

Das wäre natürlich schön, aber eine solche Verhaltens­änderung ist ein schwierige­r Prozess und muss nicht gleich mit einer Abstinenz enden. Wenn Ihr Enkel es schafft, den Cannabis-Konsum so weit zu reduzieren, dass er durch die Droge im Alltag nicht mehr beeinträch­tigt wird, ist schon viel erreicht. Bestärken Sie ihn in seiner Absicht.

In der Klasse meines Sohnes (14) wurde über Drogen, vor allem über Cannabis diskutiert. Offensicht­lich kam auch zur Sprache, dass Cannabis gute Laune macht. Das hat mich sehr erstaunt. Ist es neuerdings in Ordnung, den Cannabis-Konsum im Unterricht schön zu reden?

Nein, aber es hat sich herausgest­ellt, dass eine neutrale Wissensver­mittlung, die die negativen und positiven Seiten von Cannabis beinhaltet, besser bei den Jugendlich­en ankommt. Werden nur die negativen Seiten beleuchtet, erzeugt das oft Widerstand und treibt die jungen Leute dazu, das Kiffen vor anderen und vor sich selbst zu verteidige­n. Abschrecku­ng wirkt unglaubwür­dig. Jugendlich­e fühlen sich eher verstanden, wenn das Gespräch über Drogen ganz unvoreinge­nommen geführt wird. (bep)

 ?? Foto: bep/Birgit Malchow ?? Ab und zu ein Joint zur Entspannun­g: Die meisten denken, dass Cannabisko­nsum harmlos ist, aber regelmäßig und sogar tägliches Kiffen kann zu Konzentrat­ionsschwäc­he, Gedächtnis­problemen und eingeschrä­nkter Lernfähigk­eit führen.
Foto: bep/Birgit Malchow Ab und zu ein Joint zur Entspannun­g: Die meisten denken, dass Cannabisko­nsum harmlos ist, aber regelmäßig und sogar tägliches Kiffen kann zu Konzentrat­ionsschwäc­he, Gedächtnis­problemen und eingeschrä­nkter Lernfähigk­eit führen.

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