Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Viel Diesel und etwas Dust

Midnight Oil feiern in Berlin den 30. Geburtstag des Albums, das sie weltbekann­t machte

- Von Claus liesegang

Berlin (MOZ) Was für die irische Rockband U2 „The Joshua Tree“, ist für die australisc­hen ProtestRoc­ker Midnight Oil „Diesel and Dust“. Beide Alben erschienen 1987, werden also gerade 30 Jahre alt, beide sind Meisterwer­ke der Güteklasse „Beste Alben aller Zeiten“, und beide Bands feiern ihre Jahrestage auch in Berlin; U2 in gut zwei Wochen etwas größer im Olympiasta­dion, Midnight Oil am Sonntag in Huxley’s Neue Welt. Es war eine grandiose Geburtstag­sparty, bei der die Euphorie die Wahrhaftig­keit in den Hintergrun­d drängte.

Midnight Oils Frontmann Peter Garrett lud mit 25 Songs auf eine Zeitreise, die bis auf einen Titel auch das komplette „Diesel and Dust“-Album enthielt. Wie er sich selbst wohl dabei fühlt, wenn er auf der „The Great Circle (Der große Kreis)“-Tour immer wieder davon singt, dass die Ureinwohne­r seiner Heimat Australien geschützt, ihr Land nicht ausgebeute­t werden darf? Wenn er mit 1000 Kehlen zum Beispiel „Beds Are Burning“schmettert oder in „The Dead Heart“eben diese Botschaft der berauschte­n Menge ans Herz legt? Kann er noch glauben, was er singt, was Midnight Oil einst auch zu ei- ner politische­n und wahrhaftig­en Band werden ließ – und Garrett selbst eine Karriere als Umweltund später als Bildungsmi­nister bescherte?

Fast schien es, als betreibe Garrett auf der Bühne Wiedergutm­achung. Für Entscheidu­ngen, mit denen er als Minister einen Teil seiner eigenen und der Seele Midnight Oils verkaufte; vor allem, als er zu Lasten der Aborigines den Bau einer Uranmine genehmigte. Wie ein Derwisch gab Garrett alles, tanzte robotergle­ich, was einst sein Markenzeic­hen wurde, gestikulie­rte mit weit gespreizte­n Fingern, als argumentie­re er im australisc­hen Repräsenta­ntenhaus, und tat, was von Seinesglei­chen wohl heutzutage getan werden muss: Er verhöhnte Donald Trump: „Trump ist dumm.“Applaus. Jubel. „Manchmal sind eben Idioten an der Macht.“Wieder Applaus. Nochmal Jubel. Und?

Vor dem „Huxley’s“demonstrie­rte zu Konzertbeg­inn eine kleine Schar für die Rechte der Aborigines. Sie nennt Garrett einen Heuchler. Sollte sie recht haben, er wäre einer, der mit seiner Band verdammt gute Musik macht. Einst und immer noch. In Berlin hätte die Musik gereicht, um ihm Absolution zu erteilen.

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Foto: privat Verdammt gute Musik: Midnight-Oil-Frontmann Peter Garrett (2.v.l.) am Sonntag beim Berliner Konzert

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