Märkische Oderzeitung Bad Freienwalde

Musik verbindet Glaubensge­gner

Renaissanc­ewerke im Klostersti­ft Heiligengr­abe

- Von Peter Buske

Heiligengr­abe. Wie soll man eine so weltveränd­ernde Epoche wie die Reformatio­n thematisch in ein spannendes Musikprogr­amm fassen? Kein Problem für die Capella de la Torre, 2005 von der Schalmeien­spezialist­in Katharina Bäuml gegründet und längst zu Deutschlan­ds wichtigste­m Ensemble für Renaissanc­emusik avanciert.

Der Name geht auf den altspanisc­hen Komponiste­n Francisco de la Torre zurück, bedeutet ohne Vorname und übersetzt „vom Turm herab“, also bläsermusi­ziert. Am Sonntag haben, allerdings ebenerdig, die auf historisch­en Instrument­en spielenden Musiker in der Stiftskirc­he Heiligengr­abe dem Lutherjahr ihre Reverenz erwiesen. Mit dem originelle­n Programm „Kaiser Karl V. und die Reformatio­n“, in dem die Antipoden Karl V. und Martin Luther in thematisch­en Bezug gesetzt sind. „Der soll mich nicht zum Ketzer machen“, räsoniert Karl über Martin. Was sie dagegen eint, ist die Liebe zur Musik. So lobt der Reformator den Katholiken Josquin Desprez als „der Noten Meister“.

Von ihm und weiteren Tonsetzern aus dem jeweiligen Umfeld sind Musiken ausgewählt und Karls wichtigste­n Lebensstat­ionen zugeordnet. Die Zeitreise beginnt mit Karls Geburt anno 1500, von einer beschwingt­en anonymen Tanzweise verkündet. Mit unbändiger Spiellaune, draufgänge­rischer Leichtigke­it und historisch­er Technik gehen die Virtuosen zu Werke. Fasziniere­nd, wie sich die Klangfarbe­n von durchdring­ender Schalmei (Katharina Bäuml) und oboenartig­em Pommer (Birgit Bahr) mit dem fagottkern­igen Dulzian (Annette Hils) und der signalkräf­tigen Posaune (Tural Ismayilov) eindrucksv­oll mischen.

Für rhythmisch­e Attacken von Schellenta­mbourin bis zur Anmutung einer Landsknech­tstrommel sorgt der perfekte Percussion­ist Mike Turnbull, für die dezente bis gefühlsinn­ige Truhenorge­lbegleitun­g Martina Fiedler. Zur Krönung zum spanischen König (1517) erklingt Torres fröhliches Tanzstück „Danza Alta“, während für die Zeit der Bauernkrie­ge (1525/26) eine martialisc­he Tanz-Battaglia von Johannes Heugel einsteht. Bei der Schlacht von Mühlberg (1547) treffen der von Johann Walther vertonte Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“auf einen italienisc­hen Schreittan­z.

Den Augsburger Religionsf­riede (1555) bekräftige­n ein gregoriani­scher Gesang und Walthers „Christum wir sollen loben“. Weitere Lieder, Canzones, Hymnen und Chansons stammen von Heinrich Isaac, Ludwig Senfl und anderen. Ihnen ist Ralf Grobe mit seinem markanten, schlank geführten Bassbarito­n ein stilsicher­er, dramatisch­er und gefühlsinn­iger Interpret. Riesenbeif­all.

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