Märkische Oderzeitung Beeskow

Erster großer Solarpark ohne Förderung geplant

EnBW will im Barnim bauen / Kosten für Sonnenstro­m sinken

- Von Ina Matthes

Werneuchen. Umweltfreu­ndlich, aber zu teuer. Das ist der Ruf, den Solarstrom in Deutschlan­d hat. Verbrauche­r bezahlen den grünen Strom über die Erneuerbar­e-Energien-Umlage (EEG) kräftig mit. Das könnte sich jetzt ändern.

Im Barnim plant der Energiekon­zern EnBW Energie Baden-Württember­g AG die größte Solaranlag­e Deutschlan­ds – und zwar ohne eine Förderung. Das Photovolta­ik-Kraftwerk zwischen Weesow und Willmersdo­rf in der Nähe von Werneuchen (Barnim) soll 164 Hektar groß sein, 175 Megawatt Energie erzeugen und 50 000 Haushalte mit Strom versorgen können. „Durch den technische­n Fortschrit­t sind die Errichtung­skosten für Solarparks drastisch gesunken – in Deutschlan­d in den vergangene­n zehn Jahren um bis zu 90 Prozent“, sagt Dirk Güsewell, Leiter Erzeugung Portfolioe­ntwicklung bei der EnBW. Solarenerg­ie liege inzwischen „mindestens auf Augenhöhe mit anderen Technologi­en“.

Das zumindest große Photovolta­ik-Anlagen mittlerwei­le konkurrenz­fähig sind, bestätigt eine Studie des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesys­teme ISE in Freiburg vom März 2018. Solche Anlagen erzeugen inzwischen Strom zu Kosten zwischen 3,71 und 11,54 Cent pro Kilowattst­unde (ohne Mehrwertst­euer). Damit sind sie im besten Falle günstiger als Braunkohle­kraftwerke, die zwischen 4,59 und 7,98 Cent pro Kilowattst­unde liegen und auch als Gas- und Dampf-Kombikraft­werke mit 7,78 bis 9,96 Cent pro Kilowattst­unde. Derzeit wird Strom an den Großhandel­smärkten für rund fünf Cent pro Kilowattst­unde gehandelt.

Das Freiburger Institut geht von weiter fallenden Anlagenpre­isen aus. 2030 würden selbst kleine Solaranlag­en auf Hausdächer­n in Süddeutsch­land günstiger Strom produziere­n als neue Steinkohle- oder Gaskraftwe­rke, prognostiz­ieren die Forscher.

Auf diese sonnigen Aussichten setzt der Konzern aus Karlsruhe. EnBW sieht die Solarenerg­ie an der Schwelle zur Konkurrenz­fähigkeit ohne staatliche Mittel und will sie neben der Windkraft ausbauen. Das Projekt bei Werneuchen sei sehr weit fortschrit­ten, sagt ein EnBW-Sprecher dieser Zeitung. Der Konzern hat die Flächen gekauft, einen Bebauungsp­lan gibt es auch. Bis 2060 kann nach einem Beschluss der Stadt Werneuchen auf dem Areal Solarstrom produziert werden.

An dem Standort gibt es bereits seit Jahren Pläne für Solaranlag­en. Seit 2009 hat die Procon Solar GmbH aus Cottbus dort das Projekt „Energiepar­k WeesowWill­mersdorf“entwickelt. Einige Photovolta­ikanlagen stehen auch schon. Nachdem allerdings die Förderung für große Freifläche­nanlagen vor einigen Jahren zusammenge­strichen wurde, geriet das ehrgeizige Vorhaben ins Stocken. Procon hat das Projekt im letzten Jahr verkauft. „Mit der EnBW wurde ein Partner gefunden, mit welchem das Vorhaben, ohne die Inanspruch­nahme von EEG-Fördermitt­eln, umgesetzt werden kann,“teilte Procon auf Nachfrage mit.

Schon im kommenden Jahr könnte der erste Strom aus dem großen Solarpark fließen. Zu einem Baustart will sich EnBW allerdings nicht definitiv äußern. Ein Projekt in dieser Größe gebe es in Deutschlan­d bisher nicht. Deshalb wolle der Konzern nun die die Ergebnisse der Detailplan­ung und der Ausschreib­ungsverfah­ren abwarten, um dann abschließe­nd zu entscheide­n. Das soll am Jahresende geschehen.

Werneuchen­s Bürgermeis­ter Burkhard Horn (Linke) hat „ein gutes Gefühl“. Bereits mit Procon habe es eine gute Zusammenar­beit gegeben und auch die Gespräche mit EnBW-Vertetern seien gut verlaufen. „Ich denke, dass sie 2020 bauen“, sagt Horn. Für Werneuchen würde der Park „beträchtli­che“Gewerbeste­uereinnahm­en bedeuten. Der Investor soll auch einen Radweg finanziere­n. Überdies verspricht sich Horn einen Gewinn an Naturschut­z für ein nahes Luch, das nicht mehr durch Nährstoffe­inträge aus der Landwirtsc­haft belastet werde.

Wie hoch die geplante Investitio­n ist, wollte EnBW nicht sagen. In Branchenkr­eisen werden Zahlen zwischen 120 und 150 Millionen Euro gehandelt.

EnBW sind nicht die einzigen, die solche Anlagen errichten wollen. Vattenfall und BayWa wollen nach Berichten des „Handelsbla­ttes“große Anlagen in der Lausitz bauen – gleichfall­s ohne öffentlich­e Förderung.

Branchenke­nner gehen von Investitio­nen zwischen 120 und 150 Millionen Euro aus

 ?? Foto: dpa/Bernd Settnik ?? Meist mit teurer Förderung gebaut: Photovolta­ik-Anlagen in Deutschlan­d. Energieerz­euger wollen nun die ersten großen Solarparks ohne Förderung bauen. Solarstrom macht derzeit rund acht Prozent des Stromverbr­auchs in Deutschlan­d aus.
Foto: dpa/Bernd Settnik Meist mit teurer Förderung gebaut: Photovolta­ik-Anlagen in Deutschlan­d. Energieerz­euger wollen nun die ersten großen Solarparks ohne Förderung bauen. Solarstrom macht derzeit rund acht Prozent des Stromverbr­auchs in Deutschlan­d aus.

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