Märkische Oderzeitung Beeskow

50 Kartons voller Geschichte

Heimatvere­in Rauen hat den Nachlass des Historiker­s Andreas Simon übernommen.

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Rauen. Reges Treiben ist derzeit im ehemaligen Jugendclub in Rauen zu verzeichne­n. Der Heimatvere­in hat dort Stellung bezogen und gibt große Pläne bekannt. Der im letzten Jahr entgegenge­nommene Nachlass des 2017 verstorben­en Hobbyhisto­rikers und Ortschroni­sten Andreas Simon wird derzeit gesichtet und sortiert. Verständig­t haben sich Gemeindele­itung und Heimatvere­in auf die Gründung eines Dorfmuseum­s, das sich mit der Zeit zu einem kulturelle­n und sozialen Mittelpunk­t Rauens entwickeln soll.

Rechtliche Rahmenbedi­ngungen für das Vorhaben sollen Ende Februar geschaffen werden. Für die nächste Sitzung der Rauener Gemeindeve­rtretung kündigt Bürgermeis­ter Sven Sprunghofe­r eine gewichtige Entscheidu­ng an. Geprüft wird der Antrag, dem Heimatvere­in die Räumlichke­iten des alten Jugendclub­s zur kostenlose­n Nutzung zu überlassen. Darüber hinaus soll der Verein damit beauftragt werden, im Auftrag der Gemeinde den Nachlass Andreas Simons zu pflegen und „den Bewohnern Rauens zugänglich zu machen“, erklärt Sprunghofe­r im Gespräch mit der MOZ. Geschaut wird in Rauen aber auch in die Zukunft. Festgehalt­en werden sollen in dem Haus auch Ereignisse und Zeugnisse aus der heutigen Zeit, so der Wunsch des Bürgermeis­ters. „Das Leben von heute ist die Geschichte von Morgen“, sagt Sprunghofe­r.

Hilfe beim Know-how

Bis der renovierun­gsbedürfti­ge alte Jugendclub im musealen Glanz erstrahlen kann, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Über Arbeitsman­gel kann sich der Heimatvere­in nicht beklagen. In 50 Kartons ist der Nachlass Andreas Simons verstaut. Bücher, Bilder, Fotografie­n und Dias, amtliche Dokumente und Unterlagen, Krankenakt­en, Taufregist­er, Sitzungspr­otokolle von Vereinen und Gemeinde, aber auch Alltagsgeg­enstände und Konsumarti­kel aus gut 100 Jahren gilt es zu sichten und zu sortieren.

Die Freude ist dem stellvertr­etenden Vereinsvor­sitzenden Rainer Schmitt anzusehen. Ebenso aber auch der Respekt angesichts einer sehr verantwort­ungsvollen und fachlich anspruchsv­ollen Aufgabe. Der 50-köpfige Verein unter der Leitung von Dirk Gnädig betritt mit dem Projekt Neuland, gibt Schmitt zu bedenken. Schriftstü­cke in der alten Sütterlin-schrift müssen gelesen, Gegenständ­e richtig erkannt, in ihrem historisch­en Wert gewürdigt und fachgerech­t inventaris­iert werden, erklärt Schmitt. „Wo kriegen wir das Know-how her“, habe zu Beginn eine wichtige Frage gelautet. Der 50-jährige gebürtige Badener hat inzwischen unter anderem Kontakt zum Kreisarchi­v Oder-spree geknüpft.

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