Märkische Oderzeitung Bernau

Florian Kohfeldt wird Trainer beim VFL Wolfsburg

Der Münchner gilt als reflektier­ter Profi. Sein vorläufige­s Nein zur Corona-impfung verpasst dem Image vom Vorbild aber einen anderen Anstrich.

- Von Klaus Bergmann

Wolfsburg. Fußball-bundesligi­st VFL Wolfsburg hat Florian Kohfeldt als neuen Trainer verpflicht­et. Der 39-Jährige erhält einen Vertrag bis 2023. Am Sonntag hatten sich die Niedersach­sen von Mark van Bommel getrennt.

Die Impfdebatt­e um Joshua Kimmich wird weiter sehr emotional geführt. Der langjährig­e Vorstands-chef Karl-heinz Rummenigge ist über der Wucht der öffentlich­en Diskussion um den bislang nicht geimpften Fußball-nationalsp­ieler Joshua Kimmich keineswegs verwundert. „Corona verfolgt uns jetzt seit anderthalb Jahren. Es überrascht mich nicht, dass es ein großes Politikum ist“, sagte der 66-Jährige am Rande der Premiere einer Doku-serie über den FC Bayern in München. „Man sollte die Kirche trotzdem im Dorf lassen.“

Der 26 Jahre alte Kimmich hatte am Wochenende nach dem 4:0 des deutschen Rekordmeis­ters gegen die TSG Hoffenheim eingeräumt, bislang nicht gegen das Coronaviru­s geimpft zu sein. Das hatte bei teilweisem Verständni­s heftige Reaktionen und Kritik zur Folge. Der Vorsitzend­e der Ständigen Impfkommis­sion (Stiko), Thomas Mertens, hält die öffentlich­e Diskussion für überzogen. „Es ist die persönlich­e Entscheidu­ng, und die soll es auch bleiben! Die Debatte um Kimmich ist ein grenzenlos­er Unfug“, sagte Mertens der „Bild“. Man würde niemals über private medizinisc­he Entscheidu­ngen von Kimmich diskutiere­n, „wäre er als Fußball-profi nicht derart exponiert“.

Rummenigge ist gegen Druck

Rummenigge plädierte dafür, in puncto Impfen keinen Druck auf den Nationalsp­ieler auszuüben. „Wenn ich einen Spieler kenne, der extrem verantwort­lich und vorbildlic­h mit vielen Dingen im Leben umgegangen ist, dann war es immer Joshua“, erinnerte Rummenigge. „In dem Fall, glaube ich, wird er irgendwann die richtige Entscheidu­ng fällen.“

Auch der aktuelle Vorstands-chef Oliver Kahn will keinen öffentlich­en Druck aufbauen. „Letztendli­ch muss man das respektier­en, wenn der eine oder andere eben eine andere Meinung hat. Es ist ganz wichtig – und es ist unsere Pflicht als Verein, ständig Aufklärung­sleistung zu zeigen.“Ehrenpräsi­dent Uli Hoeneß sieht die Medien als Triebfeder der heftigen Impf-debatte um Kimmich. „Sie sind doch verantwort­lich für den Tsunami“, sagte der 69-Jährige. Dass sich Kimmich wie wohl einige weitere Münchner Profis noch nicht impfen ließ, mochte Hoeneß nicht kommentier­en. „Der einzige, mit dem ich in diesem Zusammenha­ng rede, ist der Joshua selbst“, sagte der ehemalige Vereinsprä­sident.

Die Sorgen Kimmichs, der „persönlich noch ein paar Bedenken“wegen fehlender „Langzeitst­udien“anführte, wies Mertens zurück. er Profi hatte unter Verweis auf Zulassungs­studien erklärt, dass es bisher nur „zu einigen Nebenwirku­ngen gekommen

Ingo Froböse

Professor an der Sporthochs­chule Köln

ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetrete­n sind.“Der Immunologe Carsten Watzl sprach in Bezug auf mögliche Langzeitfo­lgen von Impfungen von einem „Missverstä­ndnis“, das sich bei vielen Menschen halte.

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilita­tion im Sport an der Deutschen Sporthochs­chule Köln, warnte Kimmich vor Langzeitfo­lgen bei ungeimpfte­n Sportlern durch Long-covid. „Das Risiko, das er hier eingeht, ist ziemlich groß. Die großen Probleme bei den nichtgeimp­ften Sportlern ergeben sich durch Long-covid“, sagte Froböse am Dienstag im Morgenmaga­zin.

Kahn und Präsident Herbert Hainer betonten die Corona-position des deutschen Rekordmeis­ters. „Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir eine klare Haltung haben, dass wir es allen nur empfehlen können, sich zu impfen. Das haben wir unterstric­hen durch mehrere Aktionen“, sagte Kahn. Hainer wies einmal mehr auf die Bedeutung einer hohen Impfquote zur Bewältigun­g der Pandemie hin. „Aber es gibt keinen Impfzwang bei uns. Es ist die Entscheidu­ng eines jeden Einzelnen, und das muss man akzeptiere­n“, sagte Hainer. „Joshua Kimmich hat ja gesagt, vielleicht lässt er sich ja auch noch impfen. Mich würde das freuen.“

Große Probleme bei den nicht geimpften Sportlern ergeben sich durch Long-covid.

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Foto: dpa Florian Kohfeldt
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Foto: Sven Hoppe/dpa Nach seinen Äußerungen über Corona-impfungen steht Joshua Kimmich im Fokus.

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