Märkische Oderzeitung Bernau

Sinken die Preise bald wieder?

Energie Diesel, Gas, Heizöl und Strom sind zurzeit sehr teuer. In manchen Bereichen wird mit einer Entspannun­g gerechnet, in anderen allerdings nicht.

- Von Dieter Keller und Dorothee Torebko

In riesigen Ziffern können die Autofahrer täglich verfolgen, wie die Benzinprei­se förmlich explodiere­n. Ein Liter Diesel kostete letzte Woche 1,56 Euro, so viel wie noch nie. Erdgas und Strom werden bei Anbietern drastisch teurer, die über keine längerfris­tigen Liefervert­räge verfügen. Der Ruf nach Abhilfe wird immer lauter.

Warum sind Benzin und Heizöl derzeit so teuer? Zu einem erhebliche­n Teil, weil wir verwöhnt waren: Mit dem Ausbruch der Corona-pandemie im März 2020 brachen die Rohölpreis­e ein. Im April 2020 kostete ein Fass (159 Liter) Rohöl der Sorte Brent nur 14,24 Dollar. In der vergangene­n Woche waren es 75,32 Dollar, also fünfmal so viel. Die Preise an der Tankstelle spiegeln diese Entwicklun­g wider: Diesel kostete im Oktober 2020 nach Angaben des Mineralölw­irtschafts­verbands nur 106,34 Cent pro Liter, also 50 Cent weniger als derzeit. Bereits seit Sommer 2020 gewinnt die Industriep­roduktion wieder weltweit an Fahrt und damit die Nachfrage nach Öl. Zudem hatten sich die Opec und Russland im April geeinigt, die Förderung zu drosseln. Allerdings wollen sie die Mengen 2022 wieder erhöhen. Daher gehen die führenden Wirtschaft­sforschung­sinstitute davon aus, dass das Preisnivea­u nicht ganz so hoch bleibt. Die Aussicht: Entspannun­g auf hohem Niveau.

Warum ist Erdgas so teuer? Früher war der Gaspreis direkt ans Öl gekoppelt, aber das hatte der Bundesgeri­chtshof schon 2010 gekippt. Derzeit ist das Angebot knapp. Denn die Gasspeiche­r sind vor Beginn der kalten Jahreszeit ungewöhnli­ch leer. Der russische Präsident Wladimir Putin steht im Verdacht, am Gashahn zu drehen, um den Start der neuen Pipeline Nord Stream 2 zu erzwingen. Zudem fällt ein Teil des Erdgases bei der Ölförderun­g an, die noch niedriger ist als vor Corona, und in Asien steigt die Nachfrage deutlich. Die Wirtschaft­sforscher rechnen vorerst weiter mit hohen Preisen. Im Frühjahr dürften sie aber „sehr deutlich“zurückgehe­n.

Warum ist Strom so teuer? Aktuell müssen private Haushalte im Schnitt 31,38 Cent pro Kilowattst­unde zahlen, so viel wie noch nie, hat das Vergleichs­portal Verivox ermittelt. Da kommt einiges zusammen: Die teuren Rohstoffe Öl, Gas und Kohle lassen die Einkaufspr­eise der Versorger kräftig klettern. Wer nicht über längerfris­tige Liefervert­räge verfügt, gerät gewaltig in Probleme. Zudem steigen die Netzentgel­te, also die Kosten für den Transport des Stroms. Anfang 2022 sinkt zwar die Eeg-umlage für Ökostrom deutlich. Das dürfte aber durch höhere Erzeugerpr­eise und Netzentgel­te aufgefress­en werden – mit einem Rückgang wird nicht gerechnet.

Welchen Einfluss hat die Co2-abgabe? Seit diesem Jahr sind beim Handel mit Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas 25 Euro pro verursacht­er Tonne CO2 zu zahlen. Das macht sich an der Tankstelle und beim Heizen bemerkbar: Verbrauche­r zahlen sieben Cent je Liter Benzin mehr. Heizöl und Diesel kosten 7,9 Cent pro Liter mehr. Künftig wird es noch teurer: Die Co2-steuer steigt bis 2025 auf 55 Euro pro Tonne CO2. Im Gegenzug wurde die Entfernung­spauschale ab dem 21. Kilometer von 30 auf 35 Cent angehoben, ab 2024 ist eine weitere Erhöhung um drei Cent geplant. Unklar ist, was unter einer Ampel-koalition passiert. Im Sondierung­spapier ist von der Abschaffun­g von klimaschäd­lichen Subvention­en die Rede. Dazu würde auch eine Pendlerpau­schale gehören. Grünen-bundesgesc­häftsführe­r Michael Kellner gab gegenüber dieser Zeitung Entwarnung. Pendler im ländlichen Raum seien auf das Auto angewiesen. Die wolle man nicht „schlechter stellen“.

Was kann die Politik tun? Die Eu-kommission hat vor zwei Wochen einen Instrument­enkasten vorgelegt von Steuersenk­ungen über direkte Hilfen bis zu gemeinsame­m Gaseinkauf. Handeln müssen aber die einzelnen Länder. Die Benzin-, Gas- und Strompreis­e bestehen zum erhebliche­n Teil aus Steuern und Abgaben. Andere europäisch­e Länder haben bereits kurzfristi­ge Änderungen der Energieste­uern beschlosse­n. In Spanien wurde die Mehrwertst­euer auf Strom vorübergeh­end gesenkt. Ähnliche Überlegung­en gibt es in Deutschlan­d. Noch-bundesverk­ehrsminist­er Andreas Scheuer (CSU) schlug vor, die Mineralöls­teuer zu reduzieren. Ob die künftige Bundesregi­erung da mitzieht, ist angesichts der milliarden­schweren Investitio­nsvorhaben fraglich. Es ist wahrschein­licher, dass Geringverd­ienern, die von der Preissteig­erung beim Tanken und Heizen besonders betroffen sind, anders geholfen wird. Möglich wären kurzfristi­ge Hilfen wie in Frankreich, wo ärmeren Haushalten je 100 Euro ausgezahlt wurden.

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Fotos: Bernd Wüstneck/dpa / Jens Büttner/dpa / © Ronald Rampsch/shuttersto­ck.com Ob Gas, Sprit oder Strom: Zurzeit kennen die Preise nur eine Richtung, die nach oben.
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