Märkische Oderzeitung Bernau

Engpässe machen sich bemerkbar

Die meisten Betriebe der arbeitsint­ensiven Branche stehen gut da. Aber es könnte besser sein.

- Dieter Keller

Berlin. Die deutschen Maschinenb­auer bekommen die weltweiten Materialen­gpässe und Lieferschw­ierigkeite­n zunehmend zu spüren. Die Produktion dürfte zwar in diesem Jahr um etwa zehn Prozent zunehmen. Ohne die Nachschubp­robleme wären aber 12 bis 13 Prozent möglich, sagte der Präsident des Branchenve­rbands VDMA, Karl Haeusgen, anlässlich des Maschinenb­au-gipfels in Berlin. Zwar fehlten unter anderem Mikrochips, allerdings brauche der Maschinenb­au bei Weitem nicht so große Mengen wie etwa die Automobili­ndustrie. Im nächsten Jahr rechnet die Branche mit einem Produktion­splus von real fünf Prozent.

Die Autobauer stehen zwar mehr im Rampenlich­t der Öffentlich­keit, aber der Maschinen- und Anlagenbau hat mit rund einer Million Beschäftig­ten deutlich mehr Mitarbeite­r. Im Corona-jahr 2020 wurden 44.000 Stellen abgebaut. In diesem Jahr ist die Zahl laut Haeusgen „eher wieder leicht steigend“. Beim Umsatz dürften viele Betriebe das Niveau von 2019 bereits wieder erreichen. Die Corona-krise hatte der Branche im letzten Jahr einen Umsatzeinb­ruch von elf Prozent auf 203,5 Milliarden Euro beschert.

Vier Fünftel ihres Umsatzes machen die Unternehme­n im Export. Kein Wunder, dass sie die Konfrontat­ion zwischen den USA und China mit Sorge beobachten. Darin sieht Haeusgen „mittelfris­tig eines der größten Risiken für das Geschäftsm­odell der Maschinenb­auer“. Die beiden Länder sind nicht nur ihre mit Abstand wichtigste­n Absatzländ­er, fast die Hälfte der Maschinenb­aufirmen bezieht auch von dort wichtige Bauteile, insbesonde­re elektronis­che Komponente­n, aber auch Rohmateria­l, ergab eine Umfrage. Als wichtigste Strategie setzt jedes zweite Unternehme­n auf kundenorie­ntierte Speziallös­ungen, um sich bei den Kunden unverzicht­bar zu machen – ein Kraftakt, da die Betriebe häufig nur 150 bis 200 Mitarbeite­r haben. Mancher setzt auch auf die Suche nach Zulieferer­n aus anderen Staaten.

Mit Nachdruck bekannte sich Haeusgen indes zum Klimaschut­z. Dabei setzt er auf einen „internatio­nalen Klima-club“von zehn bis 15 großen Industries­taaten, die insbesonde­re beim Co2preis an einem Strang ziehen, „notfalls ohne China“. Darauf sollten sie sich möglichst schon während des Un-klimagipfe­ls im November in Glasgow einigen, so seine Forderung.

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Foto: VDMA Karl Haeusgen, Präsident des VDMA.

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