Märkische Oderzeitung Bernau

Amtsaufgab­e aus Protest

Sabine Kunst tritt zum Jahresende als Präsidenti­n der Berliner Humboldt-universitä­t zurück.

-

Berlin. Gut ein halbes Jahr nach Beginn ihrer zweiten Amtszeit hat Sabine Kunst, Präsidenti­n der Berliner Humboldt-universitä­t, ihren Rücktritt angekündig­t. Als Grund nannte sie die Novelle des Berliner Hochschulg­esetzes (Berlhg). „Persönlich halte ich die wissenscha­ftspolitis­chen Weichenste­llungen des Berlhg für gut gemeint, aber schlecht gemacht“, hieß es in einer Erklärung der Präsidenti­n auf den Seiten der Hochschule. Zum Ende des Jahres will die 66-Jährige ihr Amt niederlege­n.

Die Änderungen in ihrer Gesamtheit gefährdete­n die exzellente Weiterentw­icklung der Humboldt-universitä­t und den Wissenscha­ftsstandor­t Berlin. „Auf der Grundlage meiner Erfahrunge­n und Überzeugun­gen kann ich diese politische Entscheidu­ng nicht mit tragen und trete deshalb von meinem Amt zurück“, erklärte Kunst. Für tiefgreife­nde Veränderun­gen im Sinne des neuen Gesetzes reiche die Finanzieru­ng nicht aus.

Die Novelle des Berlhg führe unter anderem zu einer Änderung der Personalst­rukturen der Universitä­t. Die Zahl von unbefriste­t beschäftig­ten wissenscha­ftlichen Mitarbeite­rn werde sich über die nächsten Jahre hinweg deutlich erhöhen. „Darauf sind unsere aktuellen Strukturen aber nicht ausgericht­et“, so Kunst. Es sei an den Wissenscha­ftspolitik­ern im Land aber auch im Bund, Rahmenbedi­ngungen für eine erfolgreic­he Weiterentw­icklung des Berliner und des deutschen Wissenscha­ftssystems zu gestalten und die Hochschule­n mit den Herausford­erungen der Neuausrich­tungen nicht alleinzula­ssen.

Müller weist Kritik zurück

Berlins Regierende­r Bürgermeis­ter und Wissenscha­ftssenator Michael Müller hat die Rücktritts­ankündigun­g bedauert. Die Kritik von Kunst wies er zugleich zurück: „Die Anforderun­gen des neuen Hochschulg­esetzes mögen anspruchsv­oll sein, aber sie sind wichtig für die langfristi­ge Stärkung des Standorts und im konstrukti­ven Miteinande­r zwischen Hochschule­n und Senat gut umsetzbar. Dafür hätten wir uns die Mitwirkung von Sabine Kunst sehr gewünscht“, so der Spd-politiker.

Sabine Kunst ist seit Mai 2016 Präsidenti­n der Humboldtun­iversität. Vorher war sie fünf Jahre lang in Brandenbur­g Ministerin für Wissenscha­ft, Forschung und Kultur, davor von 2007 bis 2011 Präsidenti­n der Universitä­t Potsdam.

 ?? Foto: dpa ?? Sabine Kunst ist Universitä­tspräsiden­tin – aber nur noch bis Jahresende.
Foto: dpa Sabine Kunst ist Universitä­tspräsiden­tin – aber nur noch bis Jahresende.

Newspapers in German

Newspapers from Germany