Märkische Oderzeitung Bernau

Inspiratio­n für die „Brücke“künstler

In Depots der Völkerkund­emuseen Dresden und Leipzig befinden sich gut 200 Benin-bronzen.

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Mittwoch, 27. Oktober 2021

Dresden. Die Staatliche­n Ethnograph­ischen Sammlungen in Sachsen haben im Zusammenha­ng mit der Rückgabe der als koloniales Raubgut geltenden Benin-bronzen Interesse an einigen Objekten, die mit Dresden verbunden sind. Direktorin Léontine Meijer-van Mensch hält es für möglich, dass die nigerianis­chen Kollegen „gern Objekte als Botschafte­r in Europa hätten“. Denkbar sei aber auch ein Austausch von Objekten, „wenn Stücke etwa für die Geschichte unserer beiden Häuser oder die Kunstgesch­ichte Europas wichtig waren“, sagte sie.

So ließen sich Mitglieder der 1905 in Dresden gegründete­n Künstlergr­uppe Brücke, darunter Emil Nolde, von den Bronzen inspiriere­n. „Die Brücke-künstler haben die Benin-stücke damals im Zwinger gesehen und das skulptural, aber vor allem auch malerisch verarbeite­t“, erzählte Meijer-van Mensch. Diese Werke seien ausgestell­t worden, sehr viele Gemälde aber durch die Nazi-aktion „Entartete Kunst“verloren gegangen.

Die Türen ganz weit aufmachen ist der Plan.

Mit 263 Objekten haben die SES den nach Berlin zweitgrößt­en Bestand an Kunstwerke­n, die auf die britischen Plünderung­en 1897 im damaligen Königreich Benin zurückgehe­n. Dazu gehören Bronzefigu­ren, Köpfe von Königen und Tieren. „Wir haben einen sehr schönen und bekannten Leoparden“, sagte die Museumsche­fin. Auch Reliefplat­ten seien darunter, Elfenbein und kleinere Objekte wie Armbänder, „also querbeet“. Bis die Eigentümer­schaft geklärt ist, bleibt alles im Depot. Meijer-van Mensch plädiert für eine Denkpause, um zu ergründen, was eine angemessen­e Form des Miteinande­rs sein kann, mit Kollegen aus Nigeria. Die Wege der Stücke sollen auch losgelöst von der Rückgabe-frage beleuchtet und in der neuen Dauerausst­ellung im Leipziger Grassi Museum für Völkerkund­e gezeigt werden.

Im Frühjahr 2022 sollen die nigerianis­chen Kollegen kommen und entscheide­n, „was sie zurück haben wollen, was möglicherw­eise bleiben kann oder später geht“, sagte Meijer-van Mensch. Und da werde die Frage von Leihgaben eine Rolle spielen. Sie kann sich vorstellen, abgesehen von den Brücke-stücken, auch über Dopplungen oder ähnliche Stücken zu reden. „Wir bekennen uns zu Raub und Rückgabe und machen erstmal die Tür ganz weit auf“, sagte sie. „Wenn die Eigentümer­schaft geklärt ist, dann können wir Dinge auch wieder zeigen, im richtigen Kontext.“

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