Märkische Oderzeitung Bernau

Der Goldlotse geht von Bord

Nach mehr als 30 Jahren beendet Detlef Uibel seine Arbeit als Bundestrai­ner für den Kurzzeit-bereich.

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Roubaix. Schon am Abend vor dem letzten Wm-rennen war er im Mannschaft­skreis verabschie­det. „Es gab im Hotel ein kleines Präsent. Mir wurde eine Uhr von den Siegerehru­ngen überreicht – von wem, möchte ich nicht sagen. Aber ich habe mich sehr gefreut“, sagte der 62-jährige Detlef Uibel, der am Jahresende ausscheide­t. Wehmut sei nicht aufgekomme­n, versichert er glaubhaft.

„Der Haken ist dran. Ich bin schon überwältig­t, wie sich die Mannschaft bei den Weltmeiste­rschaften präsentier­t hat. Es bleibt aber auch ein Gefühl der Erleichter­ung“, betont Uibel. Sonst immer kraftstrot­zend, wirkt der Lausitzer gelöster. Kein Wunder: Die Titelkämpf­e in Nord-frankreich waren seine letzten. Zudem lief die WM in Roubaix für die Sprinter nochmals wie am Schnürchen: viermal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die Bilanz.

Seit 1996 Cheftraine­r

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Bahnfahrer mit dem Höhepunkt Wm-bronze 1981 und dem erfolgreic­hen Studium an der DHFK in Leipzig hatte Detlef Uibel die Trainerlau­fbahn eingschlag­en. Im Jahr 1990, also direkt nach der Wende, trat er in den Dienst des BDR und ist seit 1996 Cheftraine­r für den Kurzzeitbe­reich. Der erste Olympiasie­g der Teamsprint­er 2004 in Athen gehört zu Uibels nachhaltig­sten Erlebnisse­n.unvergesse­n sind auch der Erfolg von Miriam Welte und Kristina Vogel (ebenfalls im Teamsprint) bei den Spielen 2012 in London sowie Vogels Goldmedail­le im Sprint in Rio 2016. Mit 14 Olympia-medaillen (darunter drei Goldene), jetzt 90 Wm-medaillen (37 x Gold) sowie mehr als 100 Podestplät­zen bei Europameis­terschafte­n ist Uibel der erfolgreic­hste Trainer des deutschen Radsportbu­ndes.

Schlaganfa­ll geht glimpflich aus

Die Jahre im Hochleistu­ngssport haben ihren Tribut gefordert, musste sich Uibel in letzter Zeit immer öfter eingestehe­n. In diesem Frühjahr forcierte ein glimpflich ausgegange­ner Schlaganfa­ll die Überlegung­en. Die tägliche Dosis Medikament­e und die eine oder andere Zigarre weniger erinnern weiter an den Schreckmom­ent. Vor wenigen Wochen machte der 62-Jährige Nägel mit Köpfen, beendet nun zum Jahresende seine Arbeit als Bundestrai­ner. Kurz vor der WM hat er seine Schützling­e informiert. „Das war mir wichtig.“In Zukunft wird er deutlich mehr Freizeit haben, auch für seine zwei Töchter und die beiden Enkel.

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