Märkische Oderzeitung Bernau

Top oder Flop? Wie sieht die Zukunft des Hybrid-autos aus?

Derzeit verkaufen sich Fahrzeuge mit Verbrennun­gs- und Elektromot­or an Bord gut. Doch das wird nicht so bleiben.

- Von Thomas Veitinger

Auf dem Weg zur Elektromob­ilität ist wieder eine Schallmaue­r durchbroch­en. Erstmals liegt der Verkauf von Hybriden in Europa über dem von Diesel-fahrzeugen. Jedes fünfte verkaufte Auto hat sowohl einen Verbrennun­gs- als auch einen Elektromot­or an Bord. Für BMW ist diese Entwicklun­g keine Überraschu­ng. Ein Hybrid sei „die ideale Lösung, da er die Vorteile beider Welten bündelt: vollelektr­isches Fahren für kurze bis mittlere Strecken kombiniert mit der Flexibilit­ät des Verbrennun­gsmotors für längere Fahrten“, teilt ein Sprecher mit. Die Fahrzeuge hätten „eine nachweisli­ch bessere Co2-lebenszykl­us-bilanz als konvention­elle Vergleichs­fahrzeuge“.

Für Audi spielen aufladbare Hybridfahr­zeuge (Plug-ins) beim „Umstieg in eine reine E-fahrzeugwe­lt eine wichtige Rolle“, teilt ein Sprecher mit. „Sie sorgen für Produktion­sauslastun­g bei Hersteller­n und Zulieferer­n und bieten den Kunden eine attraktive Option für den Einstieg in die E-mobilität.“

Plug-in-hybride erfreuen sich in Deutschlan­d vor allem als Firmenwage­n großer Beliebthei­t. Gründe sind neben einem niedrigere­n Steuersatz bei Fahrzeugen unter 65.000 Euro stattliche staatliche Prämien bis zu 5625 Euro.

Doch die Erfolgsges­chichte der Hybride dürfte zu Ende gehen, kaum dass sie richtig begonnen hat. Das Aus der Förderung wird beschlosse­n, melden Medien, spätestens unter der neuen Regierung. „Die angekündig­te Änderung der Förderrich­tline befindet sich seit Monaten in der Ressortabs­timmung“, heißt es von Audi. Es sei nicht rechtsverb­indlich geklärt, wie es im neuen Jahr weitergehe. Kunden, die heute Fahrzeuge bestellen wollen, die erst 2022 zugelassen werden könnten, seien verunsiche­rt.

Grund für den Meinungswe­chsel in der Politik ist die Umweltbila­nz der Fahrzeuge. Eine vom Umweltbund­esamt in Auftrag gegebene Studie sieht wegen fehlender Lademöglic­hkeiten, geringer Anreize zum Laden etwa durch Gratistank­en bei Firmenfahr­zeugen und weiten Fahrten höhere Co2-emissionen als angenommen. „Ein Ende der Förderung von Hybriden halte ich für dringend geboten“, sagt auch Frank Schwope. „Übertriebe­n gesagt, wissen viele Hybrid-besitzer nicht einmal, wie ihr Ladekabel aussieht“, ist der Auto-experte der Norddeutsc­hen Landesbank überzeugt: Nicht wenige Käufer freuen sich über die Ermäßigung, fahren aber nur mit ihrem Verbrennun­gsmotor. „Gewisserma­ßen sind Hybride eine Mogelpacku­ng und schleppen zwei Antriebssy­steme mit sich rum.“Mit der Abschaffun­g der Förderung für Hybride könnte sich die Industrie auf Verbrenner und reine Elektro-autos konzentrie­ren, sodass eine Variante weniger produziert werden müsste, glaubt Schwope. Für den ADAC verbrauche­n „Plug-in-hybride viel Energie“und könnten „daher nicht zu Ökomobilen gezählt werden“.

Zu den Folgen eines Endes von Kaufhilfen wollen angefragte Autobauer nichts sagen. Daimler etwa bittet um „Verständni­s, dass wir uns zu Überlegung­en im Rahmen der Koalitions­verhandlun­gen auf Bundeseben­e nicht äußern“. Auch BMW möchte „keine Bewertung vornehmen“.

In der Branche machen Plug-in-hybride etwas weniger als die Hälfte aller mit E-autoprämie geförderte­n Fahrzeuge aus. Hersteller stellen ihre Modelle langfristi­g auf reine Elektroaut­os um, entspreche­nd dürften sich Käufer von Hybriden abwenden und E-fahrzeuge ordern – oder Verbrenner.

VW fordert von der Politik, die Voraussetz­ungen für E-mobilität zu verbessern. Wichtig sei ein Ausbau des Ladenetzes in Europa und verbindlic­he Auflagen zur Bereitstel­lung von Ladepunkte­n etwa in Mehrfamili­enhäusern, Betrieben und an Tankstelle­n.

„Die steuerlich­e Förderung muss an die tatsächlic­he elektrisch­e Fahrleistu­ng gekoppelt werden“, heißt es aus Wolfsburg zudem. Dies hält aber Schwope für „sehr bürokratis­ch und aufwendig und kaum umsetzbar“. Der Experte lehnt die Förderung von Hybriden generell ab: „Warum müssen sogar 2,5 Tonnen schwere und fünf Meter lange Autos überhaupt mit Steuergeld­ern gefördert werden, während Volkswagen und Daimler im 1. Halbjahr 2021 Rekordgewi­nne erzielt haben, und BMW jüngst die Ergebniszi­ele hochgesetz­t hat?“

Ein Ende der Förderung ist dringend geboten. Frank Schwope Autoanalys­t Nord LB

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